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Netflix gewinnt spanischsprachige Zielgruppe zurück

Wie wichtig Inhalte in bestimmten Sprachen für Streamingdienste sein können, beweist eine Untersuchung unter US-Latinos.

23.01.2020 17:28 • von Jörg Rumbucher
Zählt zu den erfolgreichen spanischsprachigen Netflix-Inhalten:"Elite" (Bild: Netflix)

Netflix veröffentlicht in den nächsten Wochen oder Monaten nach Originals wie "Triple Frontier" oder zuletzt "6 Underground" mit "Xtremo" einen weiteren Actionfilm. Interessanter als die Genrezuordnung ist jedoch, dass es sich um das erste spanische Spielfilm-Original des Streamers handelt. Denn: Spanischsprachige Inhalte waren in der jüngeren Netflix-Vergangenheit durchaus erfolgreich. Allen voran die Serie "Haus des Geldes", aber auch Titel wie "Elite" und die "Narcos"-Reihe.

Dass Netflix auch spanischsprachige Produktionen in Auftrag gibt, ist allein wegen des lateinamerikanischen Markts wenig überraschend. Spannend ist allerdings eine Untersuchung von IHS Markit, die darüber Auskunft geben soll, wie man mit sprachspezifischen Inhalten Zielgruppen gewinnt - oder wenn man sie nicht hat - verliert. Laut IHS musste Netflix im Zeitraum November 2018 bis April 2019 einen starken Rückgang in der Zielgruppe US-Latinos hinnehmen. Und zwar um neun Prozent. Dies hätten Verbraucherumfragen ergeben. Danach sei es Netflix jedoch gelungen, ein Teil der Lations wieder zurück zu gewinnen. In den sechs Monaten danach sei ihr Anteil wieder um vier Prozent gestiegen. Dieser Anstieg wiederum sei zu Lasten des Mitbewerbers Amazon Prime gegangen.

Diese Verlagerung spiegele die Anstrengungen wieder, Inhalte in spanischer Sprache zu produzieren, sagt Fateha Begum, Principal Research Analyst bei IHS Markit: "Obwohl Amazon mit insgesamt 3,4 Mio. Programmstunden führend im Bereich Videoinhalte ist, bietet Netflix 15 mal mehr Stunden spanischsprachigen Content als Amazon Prime Video an. In Bezug auf die Gesamtstunden spanischer Programme ist Netflix klarer Marktführer auf dem US-amerikanischen Video-Streaming-Markt, gefolgt von Hulu. "

Untermauert wird der Vorgang dadurch, dass einer von fünf Befragten in der Latino-Umfrage erklärte, dass sogenannte lokale Inhalte der Grund gewesen seien, zu Netflix zu wechseln. Zudem habe die Untersuchung ergeben, dass Latinos einen Streamingdienst doppelt so häufig kündigen und wieder abonnieren, als im Durchschnitt der Bevölkerung. So kam es, dass Amazon Prime unter der Latino-Abonnenten zum meist gekündigten Dienst aufstieg. Ein Jahr zuvor sei dies nicht so gewesen.

Das Nutzungsverhalten der befragten Bevölkerungsgruppe korrespondiere mit dem Angebot: Während Netflix zwischen Dezember 2018 und September 2019 seine spanischsprachigen Content um fast 30.000 Stunden erhöhte, ging er bei Amazon um 2.000 Stunden zurück.