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Zum Tod des Regisseurs Urs Egger

ZDF-Fernsehfilm-Chef Frank Zervos gedenkt dem am 18. Januar verstorbenen Schweizer Filmemacher.

23.01.2020 15:18 • von Frank Heine
Urs Egger (1953 - 2020) (Bild: Colonia Media/Steffen Junghans)

Der Tod von Urs Egger hat in der gesamten TV- und Filmbranche Bestürzung und Trauer ausgelöst. Viele waren schlicht schockiert. Denn nur ein kleinerer Kreis wusste von der schweren Erkrankung. Das passte zu Urs. Er war niemand, der sich durch Branchentreffen im Gespräch hielt. Urs wirkte ganz in, mit und durch seine Filme. Da war er ein absoluter Meister. Er hatte nicht den einen, identifizierbaren Inszenierungsstil. Sein Stil war immer der, der dem jeweiligen Filminhalt entsprach. Ausgesprochen kreativ fand er die besondere Form. Im subtilen Drama Brief an mein Leben" mit Marie Bäumer, der Geschichte einer Heilung nach einem Burn Out, ließ er dem anamnetischen Prozess entsprechend, Vergangenheit und Gegenwart ineinander fließen, hob die Zeiten auf. Sein opulentes Großprojekt Gotthard" prägte das politische Gewicht des historischen Tunnel-Baus. Dem Kriminaldrama mit Heino Ferch mit realistischem Hintergrund Ein Kind wird gesucht" gab er die äußerste Präzision und gedankliche Schärfe polizeilicher Ermittlung.

Mit Einfühlung und Intelligenz schaute Urs auf den Grund der Dinge, das heißt in die Seele der Filmfiguren. Hohe Einschaltquoten belohnten die Arbeit. Die Zuschauer liebten seine Filme. Obwohl weltweit im "Haifischbecken" der Branche tätig, hatte er sich eine fast naiv anmutende Integrität und Wahrhaftigkeit bewahrt. Die Menschen, die das Glück hatten, mit ihm zu arbeiten, mochten seinen Humor, seine sensible Wahrnehmung, die Wärme, die er ausstrahlte. Dies gilt auch für die Kollegen im ZDF, für das Urs gerade in den letzten Jahren zu einer Säule des Fiktion-Programms geworden war. Einige, ganz hervorragende Filme von ihm werden erst im Laufe des Jahres gesendet.

Am Schluss hat Urs seinen Kampf gegen die heimtückische Krankheit verloren. Seine vielen und vielfältigen Werke und die Erinnerung an "den Urs" werden den Tod überdauern. Ein schwacher Trost. Die Lücke, die sein Sterben reißt, ist nicht zu schließen.

ZDF-Fernsehfilm-Chef Frank Zervos