TV

Zum Tod des Regisseurs Urs Egger

Produzent Arno Ortmair erinnert sich an den vor wenigen Tagen verstorbenen renommierten Schweizer Regisseur Urs Egger und würdigt ihn als jemanden,der "immer die Wahrheit hinter der Wahrheit" suchte.

23.01.2020 15:29 • von Heike Angermaier
Urs Egger am Set von "Das Wunder von Wörgl" mit Karl Markovics (Bild: Epo-Film/Film-Line/Freibeuter Film)

Produzent Arno Ortmair erinnert sich an den vor wenigen Tagen verstorbenen, renommierten Schweizer Regisseur Urs Egger:

Ein großer Regisseur, ein großartiger Mensch, ein lieber Freund. Unsere Wege trafen sich schon früh in den Achtzigerjahren, als wir gemeinsam den einen und anderen amerikanischen Filme zusammen machten durften, er als 1st AD und ich als Line Producer. Danach kam der Sprung ins kalte Wasser für uns beide, er zum Regisseur, ich zum Produzenten. Es fällt mir schwer, die passenden Worte zu seinem Tod zu finden. Wie viele, die ihn kannten, bin ich tief betroffen, hatten wir beide doch vor Kurzem, als es schien, dass er seine Krankheit überwunden hätte, über ein neues Projekte gesprochen, das ihn interessierte. Aber das Schicksal hatte es anders vor - so ist das Leben. Wir müssen es annehmen, und so bleibt mir nichts anderes übrig, als Dir, lieber Urs, die letzte Ehre zu erweisen und Dir im Namen aller zu gedenken und zu danken, die Dich bei Deinen zahlreichen großartigen Filmen begleiten durften.

Du warst kein einfacher Regisseur. Du suchtest immer die Wahrheit hinter der Wahrheit. Ein Schweizer Uhrwerk, kreativ, authentisch, präzise, konzentriert, keine faulen Kompromisse. Durch deine Ausbildung und Arbeit als Regieassistent bei internationalen Filmen wie "James Bond 007 - Der Hauch des Todes" von John Glen, Der Maulwurf" von Yves Boisset oder "Der 4 1/2 Billionen Dollar Vertrag" von John Frankenheimer hast Du gelernt, groß zu denken. Sowohl inszenatorisch als auch in der Bildgestaltung hattest Du immer ein untrügliches Gespür für zwingende Themen und Geschichten und die Gabe, die richtigen Schauspieler, die besten Kameraleute, Szenenbildner und Kostümbildner für Deine Filme zu gewinnen.

Dabei war es mit Dir als Regisseur nicht immer leicht. Alles wurde hinterfragt, Autoren herausgefordert, nie faule Kompromisse gemacht. Aber das Ergebnis hat alle dafür entschädigt. Es hat sich immer gelohnt und jeder war stolz darauf, mit Dir zusammen zu arbeiten. Der Erfolg und die Auszeichnungen Deiner Filme haben Dir Recht gegeben. U.a. der Politthriller "Opernball", der Krimi Tod eines Keilers" und Der Fall Bruckner" wurden mehrfach prämiert, das historische Drama An die Grenze" fünffach beim Grimme-Preis gewürdigt.

Auch wenn ich selbst nur drei Filme mit Dir gedreht habe, sind wir uns immer verbunden gewesen. Unser letzter gemeinsamer Film, "Das Wunder von Wörgl", den ich zusammen mit meinem langjährigen Produktionspartner in Wien Dieter Pochlatko realisieren durfte, ist ein Beispiel für seine unnachahmlich feinfühlig authentische Regieführung. Das historische Drama wurde u.a. mit der Goldenen Romy und dem Sonderpreis von Baden-Baden prämiert und ist für den Grimme Preis 2019 nominiert.

Lieber Urs, wie schön wäre es gewesen dies gemeinsam mit all Deinen Freunden und Kollegen zu feiern. Wir danken Dir für all die schönen Filme, die gute und inspirierende Zusammenarbeit, Dein in uns gesetztes Vertrauen und Deine Freundschaft. Wir halten Dich immer in guter Erinnerung als einen der Großen, die den Film, aber auch unser Leben und Schaffen bereichert haben.