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BR: Sichtbar bleiben im Angebotsmeer

Bei der Präsentation der Filmhighlights 2020 gingen BR-Programmdirektor Reinhard Scolik und Fiction-Chefin Bettina Ricklefs auf die Herausforderungen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks ein, den Wettbewerb mit den Streamern und die Bedeutung von Gendergerechtigkeit.

17.01.2020 18:19 • von Frank Heine
Das Dreamteam von "Servus Baby": Genija Rykova, Josephine Ehlert, Teresa Rizos und Xenia Tiling (Bild: BR/Psst Film/Simon Preisinger)

Der 17. Januar sei - statistisch erwiesen -, der Tag, an dem die meisten Neujahrsvorsätze wieder verworfen würden, der sog. "Ditch New Years Resolutions Day", informierte Programmdirektor Reinhard Scolik bei der alljährlichen Präsentation der BR-Filmhighlights das Auditorium, dem erstmals auch Intendant Ulrich Wilhelm angehörte. Er habe sich indes vorgenommen, im Verlauf seiner Begrüßungsrede zum BR-Filmbrunch "nicht über mangelnde Finanzmittel zu reden". Und so beließ es Scolik lediglich bei der Anmerkung, dass man auch beim Bayerischen Rundfunk mit Spannung der endgültigen KEF-Empfehlung über die Höhe des künftigen Rundfunkbeitrags entgegenfiebere.

Vielmehr machte sich der seit 2016 im Amt weilende Österreicher über die Herausforderungen seiner Sendeanstalt Gedanken. Im "Angebotsmeer" eines Marktes der momentan noch keine Wachstumsgrenzen kenne, gelte es sichtbar zu bleiben. Verschiebungen vom linearen Fernsehen hin zum zeitautonomen Streamen, empfindet Scolik nicht als problematisch. Denn: "Alles ist Fernsehen. Der Ausspielweg ist egal, und wir bedienen beides." Dies macht der BR-Programmdirektor als "Vorteile gegenüber Netflix & Co." aus. Als Beispiel für die intensiven Bemühungen, um weiterhin sichtbar zu bleiben, führte Scolik die Serienoffensive der ARD an, für die die Degeto und die Landesrundfunkanstalten 20. Mio. Euro in die Hand nähmen. Seinen eigenen Sender sieht er in einer Vorreiterrolle. Schon 2016 habe man beschlossen, die fürs Bayerische Fernsehen entstehenden Serien mit Blickrichtung Streaming zu produzieren. Die hohen Abrufzahlen von Hindafing", Das Institut - Oase des Scheiterns" und Servus Baby" seien Bestätigung dieser Strategie. Die zweite "Hindafing"-Staffel kam auf über eine Million Mediatheken-Abrufe. Alle drei Formate bezeichnete Scolik als Beispiele dafür, "wie wir unsere Serien sehen."

Die Nachwuchspflege - aktuell etwa durch die Schirmherrschaft bei den HFF-Screenings - , nannte Scolik als wichtigen Faktor. "Wir müssen die jungen Leute zum BR bringen." Darüber hinaus wolle der BR auch weiterhin ein starker und zuverlässiger Partner für Produzenten und Kreative bleiben. Standortpflege beitreibe man beispielsweise dadurch, dass man bei den Sonntagskrimis mit ständig wechselnden Produktionsfirmen zusammenarbeite.

Bettina Ricklefs, Leiterin des Programmbereichs Spiel Film Serie nannte den "zu Recht" hohen Qualitätsanspruch ans öffentlich-rechtliche Fernsehen als Maßgabe für ihre Abteilung. Sie sprach einerseits von "der Pflicht, auf Qualität statt Masse zu setzen", anderseits von "der Aufgabe eine Grundversorgung für alle zu bieten". Vielfach sei es gelungen, "diesem Auftrag und Anspruch nachzukommen". Ricklefs hob auch das "große Bewusstsein für die kulturelle Bedeutung des Kinos" hervor und den Kampf für "die Kinoprojekte, die uns am Herzen liegen". Die Darstellerpreise in Cannes und Venedig für Emily Beecham in Jessica Hausners jüngst gestarteten Little Joe" und Luca Marinelli in Martin Eden" führte Ricklefs als Belege für erfolgreiche Kinokoproduktionen des BR an. Schließlich machte die Fiction-Chefin des BR deutlich, dass in ihrem Programmbereich großen Wert auf Gendergerechtigkeit und Diversität gelegt werde und man mit vielen Regisseurinnen zusammenarbeite.

Zu den Programmhighlights 2020, die in einem Trailer präsentiert wurden, zählen für den Mittwochssendeplatz im Ersten die in drei Doppelfolgen ausgestrahlte historische Miniserie Oktoberfest", an der weitere ARD-Partner beteiligt sind, der Abschiedsfilm von Hannelore Elsner, "Lang lebe die Königin" und die Sozialkomödie "Herren". Der in der Regie von Dirk Kummer und nach Motiven von Warwick Collins Buch "Gents" entstandene Film war dem Auditorium fast gänzlich unbekannt. Hauptfiguren sind drei schwarze Männer, die in Berlin als Reinigungskolonne die Urinale der Stadt putzen und sich als "schwarze Nachtbrigade" bezeichnen. Im Krimibereich steht mit der bereits am 26. Januar ausgestrahlten Münchner Folge Unklare Lage" ein außergewöhnlicher "Tatort" auf dem Programm, aber auch die fränkischen Kollegen weckten mit ihrem am 1. März ausgestrahlten Fall "Die Nacht gehört dir" große Neugierde. Das Zeug zu einem Schmuckstück auf dem Donnerstagskrimi-Sendeplatz könnte der "Passau-Krimi" mitbringen, von dem im Herbst die beiden FolgenFreund oder Feind" und Die Donau ist tief" ausgestrahlt werden. Die zweiten Staffeln der bereits angeführten Serien "Servus Baby" und "Das Institut" (ab. 1. Februar) versprechen hohen Unterhaltungswert. In dieser Hinsicht schossen jedoch die gezeigten Ausschnitte des am 13. August in den Kinos startenden Ebehofer-Krimis Kaiserschmarrndrama" den Vogel ab.