Kino

FILMWOCHE Tag 4: Alle Augen auf Universal

Hat längst Tradition, dass Universal auf der Filmwoche als letzter Verleiher zur Präsentation antritt. Genauso hat es Tradition, dass Universal Paukenschlag auf Paukenschlag folgen lässt. Kunststück, wenn man Bond, "Fast & Furious" und "Minions" im Angebot hat.

17.01.2020 13:36 • von Thomas Schultze
Groß, größer, Bond: "Keine Zeit zu sterben" (Bild: Universal)

Hat längst Tradition, dass Universal auf der Filmwoche als letzter Verleiher zur Präsentation antritt. Genauso hat es Tradition, dass Universal Paukenschlag auf Paukenschlag folgen lässt. Kunststück, wenn man Bond, "Fast & Furious" und "Minions" im Angebot hat - auf jeden Fall schon mal drei Blockbuster, die dafür sorgen sollten, dass man in den deutschen Kinos 2020 die erfreulichen Zahlen von 2019 wenigstens wieder erreichen können, vielleicht aber noch einmal toppen sollte. Die jeweils letzten Filme der gerade genannten Franchises sorgten allein für 17,5 Mio. Ticketverkäufe - wenn die neuen Filme halbwegs auf diesem Level performen, kann man sich schon einmal auf die Zeit zwischen April und Juli freuen. Dabei hat Universal mehr im Köcher als die offensichtlichen Blockbuster.

Das war denn auch der Tenor der Veranstaltung, durch die General Manager Paul Steinschulte mit Charme, trockenem Humor und unverkennbarer Liebe für Filme für die große Leinwand unter dem Motto "Alle Augen auf 2020" führte. Weshalb er sich gar nicht groß aufhielt mit Evaluierungen, wie die Zahlen von 2019 denn zu werten seien, sondern sich nach einem stimmungsvollen Einstand dem kommenden Produkt zuwandte - das entscheidend dafür sein wird, wie es mit dem Kino in Deutschland weitergeht. Abgesehen davon, dass Universal mit einer Flut von Titeln wieder einmal sämtliche Genres und Zielgruppen bedienen wolle, betonte Paul Steinschulte ein Merkmal des Slates für die nächsten zwölf Monate besonders: Mehr als ein Drittel der 22 geplanten Titel seien von Frauen inszeniert worden - mehr als jemals bei einem Hollywoodstudio zuvor.

Ein ganz kurzer Ausschnitt aus Respect" mit Oscargewinnerin Jennifer Hudson als Soullegende war in jedem Fall ein launiger Einstieg. Den offiziellen Reigen der Filme eröffnete Die fantastische Reise des Dr Dolittle" mit Robert Downey jr: Erfolgreiche Komödien mit redenden Tieren hätten eine schöne Tradition in den deutschen Kinos. Die etwa ersten zehn Minuten aus dem kostspieligen Fantasy-Abenteuerfilm unterstrichen, warum Universal Vertrauen darin hat, dass man daran anschließen werde können. Darauf "Der Unsichtbare", ein Schocker mit Elisabeth Moss aus dem Hause Blumhouse, mit dem das erfolgsverwöhnte Genrehaus einen der klassischen Horrorfilme von Universal komplett neu interpretiert. Der Trailer und ein längerer Ausschnitt geben Anlass zur Hoffnung, dass Regisseur Leigh Wannell hiermit an Blumhouse-Hits wie Split", Get Out" oder "Wir" anschließen kann. Wieder eine ganz andere Tonalität bedient eine Neuverfilmung von Jane Austens "Emma." (jetzt mit einem hippen Punkt hinter dem Namen) mit Jungstar Anya Taylor-Joy, der das klassische Thema sehr jung und frisch angeht: Wenn das Modehaus Prada einen Film gestalten würde, sagte Paul Steinschulte, so würde er aussehen.

Buntheit auf einem ganz anderen Level kennzeichnet Trolls World Tour", mit dem der erfolgreiche Trolls" aus dem Hause DreamWorks Animation Look and Feel des Originals auf die Spitze treibt, wie die ersten etwa sieben Minuten aus dem Film deutlich machten. Während die Hauptrollen in der englischen Fassung von Anna Kendrick und Justin Timberlake gesprochen werden, konnte Universal für die deutsche Sprachfassung die Popstars Lena Meyer-Landrut und Mark Forster gewinnen, die aktuell ein großes Thema in der Boulevardpresse sind. Visuell könnte sich ein Titel wohl kaum stärker von "Trolls" abheben als Die Besessenen" von Floria Sigismondi, eine sehr düstere Neuverfilmung von Henry James' "The Turn of the Screw", in dem die Gruselelemente besonders betont werden und Mackenzie Davis als neue Gouvernante zweier Waisenkinder in einem einsamen Herrenhaus durch ein albtraumhaftes Wechselbad der Gefühle geschickt wird.

Starkes Arthouse im Doppelpack bieten Waves" von Trey Edward Shults und Harriet" von Kasi Lemmons. Ersterer war einer der gefeierten Festivaltitel in Telluride und Toronto, letzterer wurde gerade für zwei Oscars nominiert und hat in den USA 40 Mio. Dollar eingespielt. Working Title kommt auch in diesem Jahr wieder zum Zug mit einer romantischen Komödie aus dem Musikbusiness: Dakota Johnson spielt in Covers" von Nisha Ganatra eine Musikproduzentin, die einem Sänger näherkommt, als es ihr lieb ist. Eine kurze Szene machte auf jeden Fall schon einmal Lust auf den Film. Der zweite Titel von DreamWorks Animation in diesem Jahr ist ebenfalls eine Fortsetzung eines ganz besonderen Hits: "Die Croods 2" erzählt die Geschichte der ungewöhnlichen Steinzeitfamilie weiter. Die ersten Minuten aus dem Film, teilweise noch in sehr roher Form der Fertigstellung, zeigten, dass auch der ungewöhnliche Humor des ersten Teils wieder zum Tragen kommt.

Und schließlich kamen noch die drei Schwergewichte zum Zug: Für Fast & Furious 9", endlich wieder von Justin Lin inszeniert, gab es erste Eindrücke vom Set und noch kein eigenes Filmmaterial, dafür aber ein Versprechen der Macher, die Vorgänger noch einmal deutlich übertreffen zu wollen. Paul Steinschulte machte aufmerksam auf die in Kürze anstehende Trailerpremiere, die alles bisher Dagewesene in den Schatten stellen soll. Viel zu lachen gab es bei Minions 2": Ein langer Ausschnitt unterstrich, dass der nunmehr fünfte Film mit den gelben Bösewichten, der zurück in die Siebzigerjahre führt und aus der Kindheit von Gru erzählt, der vermutlich lustigste Titel der Erfolgsreihe aus dem Hause Illumination wird. Der Sommer wird also gelb ab dem 6. Juli. Und schließlich Bond. Und die Ankündigung, dass man mit dem 25. Film der Reihe wieder richtig Gas geben werde. Der erste Trailer von Keine Zeit zu sterben" sei der bestbewertete in der Geschichte von Universal, verriet Paul Steinschulte. Der Wehmutstropfen folgte auf dem Fuß: Weil Eon Productions bis zum nächsten Trailer jegliches neues bewegtes Material unter Verschluss hält, gab es keine neuen Bilder zu sehen. Aber den ersten Trailer einmal auf der großen Leinwand unter bestmöglichen Voraussetzungen zu sehen, war auch nicht schlecht.