Kino

Warner hat die Asse im Ärmel

Mehr Starpower geht nicht: Warner holte für einen mitreißenden Auftakt zur Münchner Filmwoche ein wahres Who-is-Who des deutschen Filmschaffens auf die Mathäser-Bühne - und hielt auch zu den großen internationalen Highlights mit topexklusivem Material nicht hinter dem Berg.

15.01.2020 07:46 • von Marc Mensch
Die deutsche Filmlandschaft und das Team um Willi Geike verabschieden sich von Volker Modenbach (Bild: Kurt Krieger)

Dass Warner zur diesjährigen Filmwoche viel zu zeigen haben würde, verriet bereits ein Blick auf den Zeitplan: Ganze drei Stunden hatte man eingeplant, um die Kinobetreiber gebührend auf die Highlights des Jahres 2020 einzustimmen. Zeit, die dank topexklusiver Eindrücke und rekordverdächtiger Starpower auf der Mathäser-Bühne nahezu wie im Fluge vergingen. Oder um es mit Willi Geike zu sagen: Präsentiert wurde ein Programm, wie man es "lange nicht mehr" gehabt habe. Eingeläutet hatte er die Tradeshow gemeinsam mit Steffi Ackermann und Tim van Dyk sowie Steffen Schier, der das Ruder als Senior Vice President Theatrical Distribution übernommen hat. Sein Vorgänger Volker Modenbach wurde - insoweit sei dem Schluss der Präsentation an dieser Stelle bereits vorgegriffen - nach beinahe einem Vierteljahrhundert beim Hamburger Major mit einer wahrlich Oscar-reifen und hochemotionalen Einlage verabschiedet.

Apropos Oscar: Die begehrteste Filmtrophäe der Welt gab Schier Anlass, kurz auf einen der ganz großen Hits des vergangenen Jahres zurückzublicken: Ganze elf Nominierungen - mehr als jeder andere Film - heimste "Joker" vor wenigen Tagen ein. Hand aufs Herz: Wer hätte dem Film vor zwölf Monaten einen Erfolg in diesem Ausmaß zugetraut?

Tim van Dyk wiederum dankte Kurt Schalk ausdrücklich für 17 Jahre erfolgreicher Filmwoche-Organisation und hob die positive Entwicklung im deutschen Kinomarkt hervor. Die nicht zuletzt einen sehr erfreulichen "Nebeneffekt" gehabt habe. Denn gerade beim jungen Publikum habe man wieder ordentlich Boden gut gemacht. Und nicht nur bei diesem: So seien laut van Dyk rund 20 Prozent der Besucher von Der Junge muss an die frische Luft" zuvor mehr als zwölf Monate lang nicht mehr im Kino gewesen; der Film habe sie zum Leinwanderlebnis zurückgeholt. Mit einer Tradition brach man diesmal bei Warner - und präsentierte die kommenden Highlights nicht in einem internationalen und einem nationalen Block, sondern entschied sich für die kalendarische Abfolge. Was Sinn macht - denn, so van Dyk, "das Publikum will einfach tolle Filme sehen". Egal woher diese kommen. Und doch, so möchte man noch kurz ergänzen, machte die Warner-Slate durchaus auch Hoffnung darauf, dass der deutsche Marktanteil 2020 wieder erfreulicher ausfallen könnte als zuletzt.

Damit aber nun zur eigentlichen Präsentation, für deren Moderation man Jochen Schropp gewinnen konnte, der umgehend die ersten prominenten Gäste begrüßen durfte: Til Schweiger und Stefanie Stappenbeck präsentierten eine Promo zu "Die Hochzeit", dem Sequel zum Besuchermillionär "Klassentreffen" aus dem Jahr 2018. Schweiger versprach einen Film, der lustiger und zugleich emotionaler sei als sein Vorgänger.

Als Harley Quinn war Margot Robbie Publikumsliebling der Suicide Squad" - Grund genug ihr einen eigenen Auftritt (mit zusätzlicher geballter Frauenpower) in "Birds of Prey" zu spendieren. Den Antagonisten gibt Ewan McGregor - und gezeigt wurde nicht nur der Trailer, sondern der gesamte rasante Einstieg in das nächste DC-Highlight. Mehr Vorschusslorbeeren seitens des Publikums als beim Justizdrama Just Mercy" gehen praktisch nicht. Der auf wahren Begebenheiten beruhende Film um den Kampf eines idealistischen Anwalts gegen die Exekution eines Unschuldigen im Süden der USA kommt bei rottentomatoes.com auf 99 Prozent hochgereckter Daumen. Es spielen Michael B Jordan, Jamie Foxx und Brie Larson.

Nach dem Trailer für "Just Mercy" wurde die Bühne wieder zum Laufsteg für deutsche Topkreative: Nach fast vier Mio. Besuchern für Willkommen bei den Hartmanns" haben Simon Verhoeven, Elyas M'Barek und Palina Rojinski mit Nightlife" ein nächstes gemeinsames Projekt realisiert. Produziert wird erneut von Wiedemann & Berg, Quirin Berg war ebenfalls in den Mathäser gekommen, wo die Promo vom Fachpublikum bestens aufgenommen wurde. Was erwartet die Zuschauer? "Ein verrückter Trip mit viel Liebe, eine Liebeserklärung an das Nachtleben", so Verhoeven. Den tierischen Titelhelden des nächsten Films muss man sicherlich niemandem vorstellen - immerhin ist "Lassie" laut Schropp ganzen 98 Prozent der Deutschen ein Begriff. Auch hier ließ sich Warner zur Einstimmung auf allererste Ausschnitte nicht lumpen und holte neben Produzent Henning Ferber und Hauptdarsteller Nico Marischka auch Lassie selbst vor die Leinwand des (m)K6.

Ohne Verschnaufpause ging es zum nächsten vielversprechenden Titel aus deutscher Produktion: Die Vorstände Leila Hamid und Martin Kochendörfer hatten brandneue Szenen aus einem der größten Projekte in der Geschichte des X Verleih mitgebracht: Die Känguru-Chroniken" basieren auf einem regelrechten Hörspiel-Phänomen mit mehr als acht Mio. Fans in Deutschland. Schützenhilfe bei der Vorstellung des Films um ein anarchistisches Beuteltier im Kampf gegen fiese Immobilienhaie holten sich Hamid und Kochendörfer bei niemand Geringerem als dem Vater der Vorlage, Marc-Uwe Kling, der die Gelegenheit nutzte, gleich noch eine Live-Probe seines Könnens abzugeben.

Als "Die Lochis" waren sie absolute YouTube-Phänomene, nun gehen Heiko Lochmann und Roman Lochmann (nicht verwandt mit der Kinofamilie) neue Wege: Auf ihren ersten gemeinsamen Film, Takeover - Voll vertauscht" über einen folgenschweren Rollenwechsel zweier ganz unterschiedlicher Charaktere, stimmten sie gemeinsam mit Lisa-Marie Koroll ein. Für ihr erstes Projekt nach dem Ende der "Lochis" setzen sie auf das große Interesse ihrer enormen Fanbasis.

Wenn es einen Hund gibt, der es in Punkto Bekanntheit noch mit "Lassie" aufnehmen kann, dann Scooby-Doo. Mit Scooby!" kommt eine neue Leinwandadaption der Erfolgsserie, der Animationsfilm widmet sich den Anfängen der Mystery Inc. Einer der bislang größten Kinoerfolge aus dem auch hierzulande zunehmend populären DC-Universum erhält eine Fortsetzung: Wonder Woman 1984" mit Gal Gadot, Chris Pine und Kristen Wiig sorgt noch unmittelbar vor der EM für spektakuläre Kinomomente, ein unverhofftes Wiedersehen und nicht zuletzt auch viel Humor. Zur Vorstellung begnügte man sich nicht mit dem Trailer mit der besten Musikuntermalung seit Menschengedenken (diese kurze persönliche Einschätzung sei erlaubt), sondern flocht noch eine ganze Reihe brandneuer Szenen mit ein.

Falls Sie unseren Jahresausblick in Ausgabe 1 gelesen haben, dürfte Ihnen aufgefallen sein, dass ein Film von der Redaktion besonders häufig in der Liste der persönlichen Favoriten auftauchte - und dies mehrmals mit dem ausdrücklichen Hinweis, dass man noch gar nicht so recht wisse, worum sich Christopher Nolans neues Werk eigentlich dreht. Nun, jenseits der Eckdaten, dass Tenet" ein in sieben Ländern (und auf 70mm) gedrehter Spionagethriller mit einem Monsterbudget von rund 225 Mio.Dollar ist und die Manipulation von Zeit eine Rolle spielt, wollte man bei der Filmwoche den Schleier gar nicht weiter lüften. Gut so! Überraschungen sind ohnehin viel zu selten - und die Bilder des Trailers sprachen auf der Riesenleinwand des Mathäser ohnehin eine klare Sprache. "Tenet" kommt als Kinohighlight pünktlich zum Ende der EM.

Für nachhaltigen Erfolg im Horror-Genre steht das Conjuring"-Universum, das nach Spin-Offs wie Annabelle" nun einen dritten Teil der Kernreihe spendiert bekommt. Eine erste Szene aus "Conjuring 3: Im Bann des Teufels" ließ keinen Zweifel an der Effektivität von Jump Scares.

Besonders voll wurde es auf der Mathäser-Bühne dann für einen Film, der nicht von ungefähr Erinnerungen an Und täglich grüßt das Murmeltier" weckt. Denn in Hallo Again" erlebt Alicia von Rittberg wieder und wieder eine Hochzeit, die sie mit allen Mitteln sabotieren will. Aber ist das der Weg zum Glück? Neben Alicia von Rittberg und vielversprechenden Ausschnitten sorgten Emilia Schüle, Jochen Laube, Samuel Schneider und Regisseurin Maggie Peren für Stimmung. Gleiches galt direkt im Anschluss für Dennis Gansel, Rick Kavanian und Produzent Christian Becker, die die Fortsetzung zum erfolgreichsten deutschen Film 2018 (fast zwei Mio. Besucher) mit einer ersten Promo vorstellten: Jim Knopf und die Wilde 13" verspricht noch größere Abenteuer als der Vorgänger.

Und schon das nächste Gipfeltreffen deutscher Stars: Emilia Schüle, Maximilian Brückner, Friedrich Mücke, Joachim Krol und Newcomerin Diala Aylin Ziem stellten gemeinsam mit Karoline Herfurth deren jüngsten Film Wunderschön" vor, der sich mit der Frage beschäftigt, wie wichtig "Schönheit" (oder was man darunter versteht) im Leben eigentlich ist. Dan Maag und Matthias Schweighöfer wiederum legten dar, weshalb ein Film wie Resistance", ein Drama um die französische Pantomimen-Legende Marcel Marceau (gespielt von Jesse Eisenberg), der im Zweiten Weltkrieg im Widerstand agierte und hunderte jüdische Kinder rettete, gerade in diesen Zeiten wichtiger ist denn je. Angekündigt wurde zudem noch für dieses Jahr der Drehstart von "Wolke unterm Dach", dem nächsten Schweighöfer-Film. Ebenfalls zunächst nur ohne Bewegtbild ankündigen konnte Florian David Fitz (der dennoch persönlich auf die Bühne kam) seinen neuen Film Oskars Kleid". Die Inspiration gab das (echte) Foto eines Mannes, der aus Liebe zu seinem transsexuellen Sohn zu einer ungewöhnlichen modischen Maßnahme griff.

Auf die Zielgerade ging es mit einem echten Höhepunkt - auch deshalb, weil man durchaus erstaunt darüber sein durfte, dass es so frühzeitig überhaupt schon mehrere Minuten an (Behind-the-Scenes-)Eindrücken zu sehen geben würde: Mit Dune" verfilmt Denis Villeneuve mit absoluter Starbesetzung und immensem Aufwand den Kultroman von Frank Herbert neu.

Last but not least durfte zum Abschluss der Tradeshow noch einmal Christian Becker die Bühne entern - und das gemeinsam mit Emilia Kowalski und Regisseurin Joya Thome. Ihnen oblag es, einen Film vorzustellen, der maßgeschneidert für erste Kinoerlebnisse sein soll: die erste Realverfilmung von "Lauras Stern". Womit es auch schon fast zur traditionellen Warner-Sause (erneut zum Nockherberg) ging. Nur eine Zeremonie wollte noch absolviert werden, die - das darf man schon nach dem ersten Tag prognostizieren - die emotionalste der diesjährigen Filmwoche sein wird. Volker Modenbach wurde wahrlich nach allen Regeln der Kunst (und mit Standing Ovations) verabschiedet. Buchstäblicher Kniefall von Willi Geike für die Dankesworte des so Geehrten inklusive.