Kino

"Wir wollen enger zusammenarbeiten!"

Erstmals wurde die Filmwoche München gemeinsam von den Spitzen von VdF und HDF eröffnet. Ein Auftritt, der nicht zuletzt Symbolcharakter hatte - und bei dem es vor allem seitens des VdF deutliche Worte zum Zukunftsprogramm Kino gab.

15.01.2020 01:18 • von Marc Mensch
Christine Berg und Johannes Klingsporn gaben den Startschuss zur Filmwoche (Bild: BF)

Die Ehre, den Startschuss für die Filmwoche München zu geben, oblag in diesem Jahr erstmals den Spitzen von VdF und HDF: Johannes Klingsporn und Christine Berg kamen gemeinsam auf die Bühne des Mathäser-Vorzeigesaals (m)K6. Ein Auftritt, der laut Berg ein gezieltes Symbol des Willens war, "enger zusammenzuarbeiten". Denn, so Berg: "Was wären die Verleiher ohne Kinos und die Kinos ohne Verleiher?".

Johannes Klingsporn konnte auf ein Jahr zurückblicken, in dem es bekanntlich wieder mehr als ordentlich nach oben ging. Gut über 110 Mio. Besucher und mehr als eine Milliarde Euro Boxoffice werden es sein, wenn die FFA im Februar die abschließenden Zahlen vorlegt. Und der VdF-Geschäftsführer konnte in diesem Zusammenhang auch Filme jenes Verleihs hervorheben, der direkt im Anschluss den langen Tradeshow-Reigen eröffnete: "Joker" sorgte mit rund vier Mio. Besuchern nicht nur für Furore in den deutschen Kinos, sondern jüngst auch bei der Bekanntgabe der Oscar-Nominierungen, als ihm gleich elf Chancen auf den Academy Award zugesprochen wurden - und damit mehr als jedem anderen Film. Für gleich zwei große deutsche Warner-Highlights habe wiederum Caroline Link gestanden, deren "Als Hitler das rosa Kaninchen stahl" noch erfolgreich in den Kinos laufe, während ihr Blockbuster Der Junge muss an die frische Luft" alleine 2019 rund 2,8 Mio. Zuschauer vor die Leinwand zog.

Indes fiel die Bilanz für den deutschen Film - trotz eines Megahits wie Das perfekte Geheimnis" oder der Arthouse-Sensation Systemsprenger" unter dem Strich "nicht ganz überragend" aus, wie Berg es (einigermaßen freundlich) formulierte. Sie betonte, wie sehr ihr Herz für den deutschen Film schlage und wie wichtig es sei, ihm zu mehr Erfolg zu verhelfen. Ein entscheidendes Stichwort in diesem Zusammenhang: die bevorstehende FFG-Novelle. Hier gelte es, die richtigen Weichen zu stellen. Man benötige mehr große Filme mit Budgets jenseits der fünf Mio. Euro ebenso wie mehr Geld für die Herausbringung.

Und selbstverständlich liegt der HDF-Vorstandsvorsitzenden auch die Unterstützung der Kinos besonders am Herzen. Mit Blick auf das Zukunftsprogramm Kino unterstrich sie, dass der Förderbedarf eher bei 30 als 17 Mio. Euro liege - und dass es einer Verstetigung des Programms bedürfe. Was es hingegen keinesfalls brauche, sei die leidige Spaltung zwischen dem sprichwörtlichen "E" und "U" - denn Kino sei "Kultur für alle". Unverblümte Kritik an den aktuellen (kolportierten) Kriterien des Zukunftsprogramms übte Klingsporn. Denn so wertvoll und wichtig das Arthouse auch sei - es sei undenkbar, den Markt über eine reine Fokussierung auf ein Segment in Schwung zu bringen, auf das ein Anteil von rund 12,5 Prozent entfalle. Benötigt werde ein deutlich breiterer Förderansatz.