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"Nichts Anderes als alles Gute"

Happy Birthday Nico Hofmann! Heute feiert der UFA-CEO seinen 60. Geburtstag. Für Blickpunkt:Film schrieb Regina Ziegler eine Würdigung, die wir Ihnen/unseren Lesern nicht vorenthalten möchten. In Ausgabe #49 kommen darüber hinaus zahlreiche weitere Wegbegleiter zu Wort, die über die besonderen Qualitäten des Über-Produzenten erzählen.

04.12.2019 13:26 • von Jochen Müller
Regina Ziegler verfasste eine Würdigung zu Nico Hofmanns 60. Geburtstag (Bild: Ulrike Schamoni / UFA)

Vor über 20 Jahren war sie bei Solo für Klarinette" seine Produzentin. Seit vielen Jahren sind sie Kollegen. Für Blickpunkt:Film schrieb Regina Ziegler, unumstrittene "Elder Stateswoman" der deutschen Filmproduktion, eine Würdigung Nico Hofmanns.

"In der Film-und Fernsehbranche, so sagen kritische Beobachter gerne, gönne man dem Kollegen, noch weniger der Kollegin, nicht das Schwarze unterm Nagel. Ganz falsch ist das nicht. Ganz fremd ist auch mir dieses Gefühl nicht. Immerhin stehen wir in einem Wettbewerb, in dem es gelegentlich gnadenlos zugeht. Umso schöner, dass es unter den Konkurrenten auch solche gibt, die ich reinen Herzens beneide um das, was sie für Film und Fernsehen leisten. Konkurrenten, bei deren Arbeit ich ins Schwärmen geraten kann, denen ich jederzeit nichts Anderes als alles Gute wünsche. Bernd Eichinger war einer von ihnen, ein ganz anderer Wolfgang Rademann. Noch so einer ist Nico Hofmann. Er wird am 4.Dezember 2019 sechzig Jahre alt.

Bevor ich dazu etwas sage, muss ich ein Geheimnis lüften. Seit knapp zwei Jahren, nachdem ich den Carl Laemmle Preis bekommen habe, pflege ich mit Laemmle eine virtuell-digital-himmlische Korrespondenz. Als ich beiläufig erwähnt habe, dass Nico Hofmann, der nächste Laemmle-Preisträger, sechzig wird, hat er spontan in seinem Schwäbisch-Amerikanisch ge­twittert: "Tremendous bub. Look on his engagement for young filmmakers, his never ending phantasy, his excellent performance. He's created outstanding standards for this aufregende business..."

Mehr Lob ist kaum vorstellbar. Dabei musste sich der große Hollywood-Produzent kurzfassen. Ich darf ein bisschen länger werden. Ich kann ein wesentliches Merkmal hervorheben, das Nico Hofmanns Lebenswerk bestimmt hat. Mit seinem Erstling Der Krieg meines Vaters" (1984) hat er etwas auf den Weg gebracht, was sich durch sein ganzes Leben (und seine staunenswerte Filmografie) ziehen wird wie ein roter Faden: eine mit den Mitteln des Films unternommene, auch biografisch motivierte Aufarbeitung des Nazi-Faschismus. Personengeschichte als Zeitgeschichte, mit einem Blick auf die Untaten seiner Anhänger ebenso wie auf die Leiden der Opfer. Er hat dafür einen Typ des Erzählens entwickelt, der eine blutleere Richtigkeit ebenso vermeidet wie das bluttriefende Klischee. Er hat einen Weg gefunden, das Publikum mit einem zentralen Thema der jüngsten deutschen Vergangenheit so zu konfrontieren, dass beides zu seinem Recht kommen lässt, Köder und Fisch, Unterhaltung und Belehrung. In seinen großen "Event-Zweiteilern" hat er, im besten Sinne skrupellos, immer wieder gezeigt, wie man das erreichen kann - für ein Massenmedium, für Millionen zu produzieren, ohne die Qualität auf dem Altar des (angeblichen) Massengeschmacks zu opfern.

Autor, Regisseur, Produzent - Nico Hofmann hat die Kompetenzen, die einen erfolgreichen, großen Produzenten ausmachen, nach und nach erworben: die Nase für den richtigen Stoff, den Blick für die Mitwirkenden, den Umgang mit den technischen Details, das Management einer Firma. Ich habe nie erlebt, dass er, trotz der einen oder anderen schönen Gelegenheit (und einer nicht völlig unterentwickelten Fähigkeit zur Eitelkeit), abgehoben hätte. Er gehörte nie zu denen, die kamen, sich kurz umgeschaut haben, um dann weithin hörbar auszurufen: Hoppla, jetzt komm ich! Er hat keine Produktion "rausgehauen". Er hat Manieren. Er hat nicht, obwohl er das locker gekonnt hätte, anderen Produzenten das Leben eines Produzenten erklärt. Er hat sich, freundlich lächelnd, auf die Menschen zubewegt. Er hat sich für sie und was sie konnten interessiert. Dabei mag ihm auch der einnehmende Singsang des nordbadischen Dialektes geholfen haben (den ich von Wolf Gremm so gut kenne und so gern gehört habe). Er hat genau hingeschaut, was Bernd Eichinger so erfolgreich gemacht hat. Er hat als ein Ludwigsburger auf Zeit gelernt, das, was er gelernt hat, auch weiterzugeben, die richtigen Worte zu finden, nicht zu früh von Kunst zu reden, wenn es doch nur um Genauigkeit und Professionalität ging. Diese Kompetenzen, verbunden mit einem Ehrgeiz, den ich gesund nennen möchte, haben ihn nach all den Jahren, in denen er sich immer wieder neu probiert hat, schließlich bis an die Spitze der UFA gebracht. Ich vertrete, nicht aus Ehrgeiz, sondern nur aus Erfahrung, die Auffassung, dass Produzenten, ähnlich wie Dirigenten, mit wachsendem Alter immer besser werden. Sie wissen, was man in diesem Beruf erleben kann. Sie wissen, worauf es ankommt. Sie wissen, worüber sich aufzuregen lohnt und was man besser gar nicht zur Kenntnis nimmt. Sie kennen die Nöte von Regisseuren, die Träume von Schauspielern und die Kälte von Kassenwarten. Sie meiden das Catering am Set.

Die alte Bertelsmann-Regel, Spitzenkräfte mit sechzig in den Ruhestand zu schicken, wird offenbar nicht mehr angewandt. Nico Hofmann hat daher die Jahre noch vor sich, in denen er seine Erfahrung ausspielen kann. Auch in Worms. Ich stelle mir vor, dass er auch in Zukunft so jung aussehen wird wie damals, in den frühen Achtzigerjahren, als er bei uns zu Hause seinen Sinn für guten Geschmack zeigte, indem er meine thailändische Hühnersuppe gelobt hat. Er kann weiter für so aufregende Filme sorgen wie einst, als er noch Regisseur war, für den "Sandmann", für den er einen seiner vielen Preise (den Grimme-Preis) bekommen hat. Einmal hatte ich das Vergnügen, seine Produzentin zu sein, ohne dass das unserer Beziehung geschadet hätte. Der Film hieß "Solo für Klarinette", mit Corinna Harfouch und Götz George. Da saßen wir dann, voller Hoffnung auf das große Publikum, zusammen im Ü-Wagen in Bremerhaven und mussten erleben, wie Götz George in "Wetten dass...?" ausgerastet ist, weil er an Gottschalks Fragen merkte, dass der den Film gar nicht kannte. Dem Film hat das nicht gut getan. Unserer Beziehung umso mehr.

Was wünscht man jemandem, der fast alles hat? Ich wünsche Nico vor allem, dass er nichts von seinem leidenschaftlichen Optimismus verliert, der ihm nicht selten ins Gesicht geschrieben steht. Ich werde mich freuen, wann immer ich ihm begegnen werde, in einem Flugzeug, vermutlich einem nach Los Angeles, vielleicht sogar noch einmal an einem Set, ganz sicher am Schirm und auf der Leinwand. Und demnächst natürlich in Laupheim. Beim Carl Laemmle Preis."

Regina Ziegler