Kino

KOMMENTAR: Wenn die Macht mit den Kinos ist

Am 9. Februar 1978 habe ich zum ersten Mal die Schule geschwänzt. Mit Erlaubnis der Eltern, wohlgemerkt. An diesem Tag lief in Deutschland "Krieg der Sterne" an, neun Monate nach dem Start in den USA und noch völlig ohne Episode oder ähnlichem Quatsch im Titel.

31.10.2019 14:58 • von Jochen Müller
Thomas Schultze, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Am 9. Februar 1978 habe ich zum ersten Mal die Schule geschwänzt. Mit Erlaubnis der Eltern, wohlgemerkt. An diesem Tag lief in Deutschland Krieg der Sterne" an, neun Monate nach dem Start in den USA und noch völlig ohne Episode oder ähnlichem Quatsch im Titel: Niemand wusste damals, was sich aus diesem einen Film entwickeln würde. Damals war das einfach nur ein Standalone-Film, dessen Start ich entgegengefiebert hatte, seitdem es eine lange Fotostrecke im "Stern" gegeben hatte, der über das unerwartete Boxoffice-Phänomen in den US-Kinos berichtet hatte. Ich war fast zwölf Jahre alt und zog mit meinem seinerzeit besten Freund los, um im Münchner Mathäser - damals noch mit nur einem Saal - die erste kommerzielle Vorführung vormittags miterleben zu können.

Wir kauften die teuersten Tickets und fühlten uns wie die Könige, als wir irgendwo ganz hinten im Saal saßen und den tollsten Film sahen, den wir uns vorstellen konnten. Dafür bin ich "Star Wars" dankbar. Seither begleitet mich George Lucas' Sternenkrieg durch mein Leben. 1997 habe ich mir die Special Editions der ersten Trilogie an einem Wochenende in New York angesehen. Episode I hatte ein Kollege von der "Cinema" als Bootleg auf DVD mit dabei, weil wir nicht ewig auf die spät anberaumte Pressevorführung warten wollten. Und natürlich war auch ich gespannt, wie J J Abrams das Franchise mit Episode VII fortführen würde. Die große Liebe für "Star Wars", sie ist indes tatsächlich seit dem allerersten Film erkaltet.

"Die letzten Jedi" habe ich, das muss ich zu meiner Schande gestehen, bis heute nicht gesehen. Dass mich nun dennoch eine gewisse Wehmut befällt, kurz vor dem großen Finale ab 18. Dezember, liegt weniger daran, dass die dritte Trilogie zu Ende geht, die mir nie wirklich etwas bedeutet hat, sondern weil es auch das Ende von "Star Wars" als ganz großes Kinofranchise bedeutet, sinnbildlich für eine Entwicklung, die mit dem Start der neuen großen Streamingplattformen forciert wird: Wenn "Star Wars" jetzt erst einmal mit "The Mandalorian" dafür sorgen soll, dass Disney+ richtig abhebt, dann ist das eine Zäsur für das Kino, deren Folgen noch nicht vollumfassend erkennbar sind. Fortan ist das Kino auf sich allein gestellt: Es muss nun damit werben, dass es der beste Ort ist, an dem man Content - welcher Art auch immer - sehen kann.

Und ist in der Pflicht, dass das nicht nur ein leeres Versprechen ist. Wenn die Blockbuster-Marken künftig nicht mehr nur der Motor für das Kino sein werden, wird sich das Lichtspieltheater ändern müssen, um weiter auf der Höhe der Zeit zu sein. Das ist eine Herausforderung. Aber das ist auch gut so, weil diese Herausforderung, so sie denn gemeistert wird, dem Kino den Weg weisen wird.

Mal sehen, welche Leinwanderlebnisse Elfjährige dann haben werden, die sieniemals wieder vergessen können.

Thomas Schultze, Chefredakteur