Kino

KOMMENTAR: "Kino muss wieder cool werden"

X-Filmer Dani Levy sagt das im Interview mit Blickpunkt:Film zum 25. Jubiläum dieser coolen Firma, und recht hat er. Levys frommer Wunsch kennzeichnete auch die Diskussion beim 2. Kinopolitischen Abend in Berlin. Dort hat die Branche laut nachgedacht, wie Kino wieder attraktiver werden könnte, und nicht laut genug, warum sie im Umgang mit den Streamingplattformen mehr Selbstbewusstsein zeigen müsste.

24.10.2019 07:59 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

X-Filmer Dani Levy sagt das im Interview mit Blickpunkt:Film zum 25. Jubiläum dieser coolen Firma, und recht hat er. Levys frommer Wunsch kennzeichnete auch die Diskussion beim 2. Kinopolitischen Abend in Berlin. Dort hat die Branche laut nachgedacht, wie Kino wieder attraktiver werden könnte, und nicht laut genug, warum sie im Umgang mit den Streamingplattformen mehr Selbstbewusstsein zeigen müsste. Die X-Filmer beklagen im Interview zu recht, dass sich die Kino- und Medienwelt in 25 Jahren restlos verändert hat. Dabei sind sie nie müde geworden, mit ehrgeizigen Projekten den Weg zum Publikum zu finden. Levy selbst will bald mit den Känguru-Chroniken" ein junges und großstädtisches Publikum begeistern. Das Fernsehen unterstützt das Kino längst nicht mehr in dem Maße wie noch vor einem Vierteljahrhundert. Dass Streamer den Produzenten und Kreativen vielfältige, neue Möglichkeiten bieten, erleben wir täglich, wenn gute Autoren und Regisseure ihre neuen High-Concept-Projekte am Kino vorbei entwickeln. Allmählich dämmert allen Beteiligten, dass es größerer Anstrengungen als bisher bedarf, um junges und verloren gegangenes Publikum wieder fürs Kino zu gewinnen. Das wird aber nur gelingen, wenn die veränderten Bedürfnisse und Wünsche des Publikums in den Mittelpunkt aller Anstrengungen gestellt werden. Es ist ja nicht so, dass es zu wenig deutsche Filme gibt, es gibt nur nicht genügend, die die Leute auch interessieren. Nicht wenige Kinobetreiber unternehmen größte Anstrengungen, um mit immer neuen Innovationen und Investitionen für ihre Häuser zu begeistern. Dort gibt es genügend exklusives Produkt, vor allem aus Hollywood, das die Zuschauer in Massen vor die Leinwand lockt - wie Todd Phillips' "Joker", der in Arthäusern wie in Mainstreamkinos punktet. Bora Dagtekins neuer Film Das perfekte Geheimnis" wird schon bald wieder beweisen, dass auch deutsches Kino die Massen erreicht. Systemsprenger" und "Parasite" zeigen, dass der Erfolg auch in der Nische blüht. Niemand muss traurig sein, wenn große Filme für die Streamer entstehen. Selbstbewusste Kinomacher zeigen sie trotzdem, wenn ihr Publikum sie sehen will. Auch Netflix setzt nicht nur auf exklusives Produkt, vielmehr sind die Originals Lockvögel für das restliche Programm, das auch woanders läuft. Wer heute allen Ernstes in einem offenen Brief schreibt, dass er die "schlauen Hinweise" nicht mehr hören kann, man müsse dem Publikum geben, was es möchte, der hat die letzten 15 Jahre digitaler Disruption im Tiefschlaf verbracht. Viele Kinobetreiber brauchen Unterstützung, um technisch auf Augenhöhe performen und ihre Kunden auch digital umgarnen zu können. Gleichzeitig müssen sie an ihr Programm glauben und selbstbewusst zeigen, was ihr Publikum sehen will. Der Coolness-Faktor kommt dann ganz von alleine.

Ulrich Höcherl, Chefredakteur