Produktion

FFHSH erhält Mittel für Serienförderung

Die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein erhält zusätzliche Mittel, um künftig auch High-End-Serien in der Produktion unterstützen zu können. Einen entsprechenden Antrag haben die Regierungsfraktionen heute in der Hamburgischen Bürgerschaft eingebracht. Offen ist indes noch die Höhe der Mittel.

23.10.2019 16:02 • von Marc Mensch
Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda (Bild: Bertold Fabricius)

So schnell kann es manchmal gehen: Erst am vergangenen Montag hatten Hamburger Produzenten bei einem Treffen ihre Forderung nach einer Serienförderung am Standort erneuert. Stellvertretend für die Hamburger Filmbranche verliehen Björn Vosgerau von Wüste Film, Michael Lehmann von Studio Hamburg, Verena Gräfe-Höft von Junafilm und Frauke Kolbmüller von Oma Inge Film der Befürchtung Ausdruck, der Filmstandort Hamburg könne ohne Serienförderung an Attraktivität verlieren, insbesondere dann, wenn Fachkräfte an andere Standorte abwanderten. Denn etliche regionale Förderungen seien nicht nur insgesamt, sondern vor allem im Bereich der Serienförderung besser aufgestellt als Hamburg.

Die Reaktion folgte auf dem Fuß: Schon am Dienstag hatte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda per Twitter wörtlich verkündet: "Die Erfolge des Films aus Hamburg zeigen, dass wir mit der @ffhsh auf guten Weg sind. Pro Kopf gibt kein Land mehr für den Film aus! Wir werden kurzfristig zusätzliches Geld für Serienförderung bereitstellen und den Filmstandort weiter stärken. #MehrKultur."

Nun folgte eine gemeinsame Presserklärung der Bürgerschaftsfraktion von SPD und Grünen, in der man sich dazu bekannte, den Filmstandort zu stärken. Demnach solle die FFHSH "mit zusätzlichen Mitteln dabei unterstützt werden, High-End-Formate bei der Serienproduktion umzusetzen". Dies sehe ein entsprechender Zusatzantrag der Regierungsfraktionen vor, der heute in die Hamburgische Bürgerschaft eingebracht wurde und dort (man verzichtete bewusst auf den Konjunktiv) auch verabschiedet werde. Offen ist indes noch die Höhe der bereitstehenden Mittel, hierüber werde der Senat nach einer Prüfung entscheiden.

Dazu Hansjörg Schmidt, medienpolitischer Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion: "Wir erleben aktuell einen enormen Boom an deutschen High-End-Serien wie beispielsweise 'Bad Banks' oder 'Babylon Berlin', die sich vor internationalen Produktionen nicht zu verstecken brauchen. Damit auch Hamburg vom Serienboom profitiert, wollen wir kurzfristig zusätzliche Gelder zur Verfügung stellen. Dabei handelt es sich im doppelten Sinne um eine gute Investition: Serien, die in Hamburg spielen, sorgen einerseits für einen enormen Werbeeffekt. Andererseits kommen auf jeden Euro aus dem Budget der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein rund 2,90 Euro, die die geförderten Filmteams wieder in der Region ausgeben. Mit einem zusätzlichen Budget von beispielhaft zwei Millionen Euro könnte sich dieser Effekt sogar auf fünf Euro verstärken."

René Gögge, kulturpolitischer Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion, stellt fest: "Hochwertige Serien wie 'Game of Thrones', 'Dark' oder 'Bad Banks' haben in den letzten Jahren für Furore gesorgt und unter anderem den Aufstieg von Streaming-Anbietern angetrieben. Nicht zuletzt sind sie auch wichtige Botschafter für die jeweiligen Drehorte. Wir unterstützen den Filmstandort Hamburg aus kulturellen und wirtschaftlichen Gründen konsequent. Wir wollen sicherstellen, dass unsere Stadt in Zukunft bei Serienproduktionen ganz vorn dabei ist. Das ist gut für die vielen talentierten Kreativen in Hamburg und ebenso für einen positiven Blick auf unsere Stadt. In einem ersten Schritt wollen wir eine relevante Summe aus dem laufenden Haushalt bereitstellen und für die Jahre 2021/22 dann für eine Verstärkung sorgen."

Beim eingangs erwähnten Termin hatten die Prozenten eine Summe von zwei Mio. Euro als Anschubförderung vorgeschlagen. Bislang unterstützte die FFHSH Serien nur im Bereich Entwicklung und Drehbuch. So hatten Hamburgs Produzenten zwar schon begonnen, etliche Projekte zu entwickeln, doch bei der Realisierung müssten sie sich nach altem Stand um Fördergelder anderer Regionen bemühen, so der Einwand.

Es gehe vor allem darum, den Nachwuchs in der Stadt zu halten, hatte etwa Michael Lehmann argumentiert. Die Serie sei das Medium der jungen Generation, die ihre Geschichten in diesem Format erzählen wollten. Darüber hinaus wies er darauf hin, dass durch die langen Produktionszeiten jeder Fördereuro fünffach wieder zurück in die Stadt fließe und Hamburg durch die üblichen weltweiten Serienverkäufe international als Stadt und als Produktionsstandort bekannter werde.

Herdis Pabst/Marc Mensch