Produktion

Florian Aigner zu "Im Niemandsland": "Themen der Gegenwart"

Florian Aigner feiert bei den Hofer Filmtagen Premiere mit "Im Niemandsland". Das Berliner Coming-of-Age-Drama zur Zeit des Mauerfalls startet am 7. November in den Kinos.

23.10.2019 07:42 • von Heike Angermaier
Florian Aigner feiert mit seinem Langspielfilmdebüt Premiere in Hof (Bild: ImFilm)

Florian Aigner feiert bei den Premiere mit "Im Niemandsland". Das Berliner Coming-of-Age-Drama zur Zeit des Mauerfalls startet am 7. November über ImFilm in den deutschen Kinos.

Was bedeutet es Ihnen, mit "Im Niemandsland" Premiere in Hof zu feiern?

Florian Aigner: Sehr viel! Vor 15 Jahren durfte ich meinen Kurzfilm Blutstau" in Hof zeigen. Jetzt freue ich mich, meinen ersten langen Spielfilm "Im Niemandsland" präsentieren zu dürfen. Hof als ehemalige Grenzstadt passt auch sehr gut zum Thema des Films.

Sie waren bisher vor allem im dokumentarischen Bereich tätig. Warum wollten Sie dieses Thema als Spielfilm realisieren?

FA: Ich bin in West-Berlin aufgewachsen und war 14 Jahre alt, als die Mauer geöffnet wurde. Nie wieder habe ich solche Euphorie erlebt! Aber schon ein halbes Jahr später, im Sommer 1990, war die Stimmung gekippt. Zu erleben, wie die Anfangseuphorie in wechselseitige Vorwürfe und Vorurteile von Ost- und Westdeutschen umgeschlagen ist, hat mich sehr berührt. Seit damals wusste ich, dass ich darüber eines Tages einen Spielfilm machen werde.

Wie haben Sie recherchiert?

FA: 2009 habe ich mit der Recherche angefangen. Ich habe Zeitzeugen getroffen, Sachbücher und Romane gelesen und viele Filme gesehen. Vor allem die DEFA-Filme waren ein kultureller Schatz! Hermann Zschoche, Lothar Warneke, Peter Kahane, Andreas Voigt und viele andere DEFA-Regisseure haben mir als ehemaligem West-Berliner die DDR nahegebracht.

Warum haben Sie sich für das ungewöhnliche Format entschieden?

FA: Kameramann Armin Dierolf und ich wollten in 4:3 drehen, um den Zuschauer in die Zeit zurückzuversetzen. Viele Filme von 1990 habe ich in 4:3 in Erinnerung. 4:3 ist außerdem ein wunderbares Format, um nahe an den Figuren zu bleiben, was unserem Kamerakonzept entsprach. Und ich wollte von Anfang an Archivsequenzen, die in 4:3 gedreht waren, in den Spielfilm integrieren. Ein Formatsprung wäre da für den Zuschauer irritierend gewesen.

Sie haben tolle junge Schauspieler gefunden. Wie haben Sie mit Ihnen gearbeitet?

FA: Dafür muss ich erstmal dem Jugendcaster Patrick Dreikauss danken, der wunderbare Schauspieler gefunden hat! Wir haben in der Vorbereitung ausführlich geprobt und jede einzelne Szene durchgesprochen. Da haben sich viele Dialoge und Motivationen im Drehbuch verändert. Am Set haben wir in langen Einstellungen gedreht, ich wollte, dass die Schauspieler Raum zum Spielen bekommen. Da gab es oft sehr viele Takes!

Zu einem Jubiläum zu starten, kann Fluch oder Segen sein. Es gibt viele Konkurrenz-Projekte, aber auch viel Aufmerksamkeit für das Thema. Wie sehen Sie das?

FA: Ich sehe es als Segen! Wir bekommen viel Zuspruch, dass unser Film "Im Niemandsland" eine andere Geschichte erzählt: Im Juni 1990 ist die Mauer zwischen beiden deutschen Staaten offen, aber noch nicht abgebaut. Ost- und Westdeutsche sprechen dieselbe Sprache, aber verstehen sich nicht. Uns war wichtig, dass "im Niemandsland" kein historischer Film wird, sondern Themen der Gegenwart behandelt. Damals ist so viel passiert und entschieden worden, was uns noch heute beschäftigt!

Was planen Sie als nächstes Projekt? Bleiben Sie beim Kinospielfilm?

FA: Ich bleibe beim Spielfilm. "Im Niemandsland" ist der erste Teil einer Trilogie über Berlin. Auch die anderen zwei Teile spielen in der Vergangenheit. Am Beispiel von Berlin kann man so viel über deutsche Geschichte und Gegenwart erzählen! - Aber natürlich freue ich mich auch über neue Drehbücher, liebe Produzentinnen und Produzenten!

Das Gespräch führte Heike Angermaier