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MIPCOM 2019: Conze und der Clown von Cannes

Der ProSiebenSat.1-Chef bat in Cannes zum Roundtable, Jan Mojto wiederum ließ sich beim Beta-Brunch durch den Saal tragen.

16.10.2019 10:12 • von Frank Heine
Max Conze während seines Auftritts bei der MIPCOM-Conference (Bild: Reed Midem)

ProSiebenSat1-Chef Max Conze vertiefte in einem Journalistengespräch seine am Vortag bereits im Rahmen der MIPCOM-Konferenz geäußerten Gedanken zur Zukunft der Mediengruppe. Für die Internationale Presse war vor allem der bevorstehende Verkauf von Red Arrow Studios von Interesse. "Ich liebe Red Arrow Studios", leitete Conze seine Erklärung ein und hob die "wundervollen" Programme und Formate, die dort entstünden, hervor. Entscheidender Punkt, der gegen Red Arrow spricht: "Es mangelt an Synergieeffekten mit unserem deutschen Entertainement-Footprint." Und in Hinblick auf den internationalen Markt: "Red Arrow hat zwar eine beträchtliche Größe, aber es ist nicht 'big, big'." Conze erhofft sich ein beträchtliches Sümmchen, um - wie schon angedeutet - in deutsche Programminhalte und den Online-Handel (via Nucom Group) zu investiveren.

Nicht minder interessant, Conzes Ansichten zur Talentbindung. Die intensive Zusammenarbeit mit den zahlreichen ProSiebenSat.1-Gesichtern liegt im am Herzen. Aber in puncto Exklusivdeals gab er sich zurückhaltend. "Das hat in den Anfängen des Streamings funktioniert", so Conze. Heutzutage wollten das die Talente überhaupt nicht mehr, weil es die Kreativität einenge und man durch so eine enge Anbindung an Relevanz verliere.

Zur gemeinsam mit Discovery gelaunchten Streaming-Platform Joyn nannte Conze auch konkrete Zahlen. Zehn Millionen User möchte man innerhalb der ersten beiden Jahre erreichen, der aktuelle Stand liege bei rund 4,5 Millionen. Conze sprach vom "breitesten freien Angebot in Europa vielleicht sogar in der Welt." Das Nebeneinander von AVoD und SVoD betrachtet er als alternativlos, darum sieht er auch einem in absehbarer Zeit möglicherweise kollabierenden Streamingmarkt gelassen entgegen. "Für uns liegt der Erfolg nicht darin, wieviele zahlende Abonnenten wir haben, sondern darin wieviele Leute wir insgesamt für unsere Inhalte begeistern können. Einige wollen dafür nicht bezahlen, aber das ist okay, weil wir Geld mit Werbung verdienen."

Apropos Entertainment-Footprint. Der Fußabdruck den Jan Mojto in Cannes bereits hinterlassen hat, ist enorm, seine Auftritte als Gastgeber des Beta-Brunchs sind legendär. Doch in diesem Jahr ging Motjo noch einen Schritt weiter. Ein Plausch mit seinem Hamilton-Darsteller Jakob Oftebro aus "Agent Hamilton" über dessen in der Serie zur Schau gestellte körperliche Fitnesss gipfelte darin, dass dieser den Beta-Chef schulterte und vor der verdutzten Zuhörerschaft auf und ab trug. Dass Mojto dabei in beängstigende Schieflage geriet, verstärkte den Laurel&Hardy-Charakter des Auftritts. Der in weiten Teilen aus dem Beta-Katalog zusammengestellte Trailer drohte da fast ein wenig unterzugehen. Doch vor allem die im Vergleich zur April-Messe stark angereicherten Ausschnitte von Babylon Berlin" ließen erahnen, warum auch die dritte Staffel zum bereits jetzt in 100 Territorien veräußerten Verkaufsschlager wurde.