Kino

Chinesischer Kinomarkt dreht ins Plus

Auch wenn das Abschneiden der chinesischen Kinos in diesem Jahr nach wie vor nicht die Erwartungen an diesen Wachstumsmarkt erfüllt, sieht das Bild nach den Feierlichkeiten zum 70. Gründungsjubiläum der Voksrepublik schon deutlich besser aus. Verantwortlich sind drei lokale Produktionen, die innerhalb weniger Wochen knapp 13 Prozent auf den Zwischenstand von Ende September draufsattelten.

15.10.2019 15:04 • von Marc Mensch
Patriotischer Top-Hit zum 70. Gründungsjubiläum der Volksrepublik China: "My People, my Country" (Bild: Huaxia Film Distribution)

Die Zeiten des großen Kinobooms im Reich der Mitte scheinen erst einmal vorbei zu sein - anhaltend massives Leinwandwachstum hin oder her. Schon 2018 hatte sich das Umsatzwachstum gerade noch im Rahmen der staatlichen Zielvorgaben bewegt. Zugegeben: Die rund neun Prozent, die es laut der Nachrichtenagentur Xinhua am Ende wurden, hätte man hierzulande - im Vergleich zur tatsächlichen Entwicklung - wohl sogar mit eine Minus versehen noch begrüßt. Allerdings sind diese (im internationalen Vergleich sehr guten) neun Prozent eben auch im Lichte des mittelfristigen Trends in China zu sehen - und dieser deutet klar darauf hin, dass aus einem Wachstumsmarkt eine zusehends gesättigte Region wird.

Im laufenden Jahr fiel das Bild bislang sehr durchwachsen aus - und man darf davon ausgehen, dass Hollywood für 2019 ein eher negatives Fazit für das Abschneiden von US-Filmen in China ziehen wird - auch wenn sich "Avengers: Endgame" im Jahresranking noch auf Platz 3 hält. Für die wirklichen Schlagzeilen sorgten indes die lokalen Produktionen - über Monate hinweg allen voran "The Wandering Earth", der es hierzulande nur zu einer SVoD-Auswertung über Netflix schaffte. Ende Juli startete dann der Sensationserfolg "Ne Zha", ein Animationsfilm, der es im Heimatland auf rund 700 Mio. Dollar Boxoffice brachte. Indes reichte auch dieser Superhit nicht aus, um die Jahresbilanz ins Plus zu heben, Ende September hinkte der chinesische Markt nach Angaben von Artisan Gateway mit rund 6,65 Mrd. Dollar Boxoffice dem Vorjahreswert noch um drei Prozent hinterher.

Zwei Wochen später lautet der Zwischenstand "plus vier Prozent" - und verantwortlich sind primär drei weitere lokale Produktionen, die im Umfeld der Feierlichkeiten zum 70. Gründungsjubiläum der Volksrepublik in die Kinos gebracht wurden. Wie der Hollywood Reporter unter Berufung auf Artisan Gateway berichtet, hätten diese drei Filme innerhalb eben jener zwei Wochen zusammen für Ticketumsätze in Höhe von rund 850 Mio. Dollar gesorgt.

Angeführt wurde das Trio von der patriotischen Kurzfilm-Kompilation "My People, my Country", die alleine bereits über 360 Mio. Dollar eingespielt hat. Auf Platz 2 findet sich "The Captain" über die (reale) Glanzleistung eines Piloten, der einen Passagierjet mit gebrochener Cockpitscheibe sicher landete. Der Film brachte es bislang auf über 340 Mio. Dollar. Und auch wenn die knapp 140 Mio. Dollar, die "The Climbers" über die erste chinesische Besteigung des Mt. Everest eher als kleine Enttäuschung gehandelt wird, rundeten sie ein phänomenales Gesamtresultat für die lokalen Produktionen ab.

Abgehängt wurde da Hollywood: Der Animationsfilm "Everest - Ein Yeti will hoch hinaus" brachte es in zwei Wochen nur auf knapp 15 Mio. Dollar, obwohl der von den chinesischen Pearl-Studios koproduzierte Film derart auf chinesische Befindlichkeiten geeicht war, dass er in Vietnam aus den Kinos genommen wurde. Der Grund: Im Film ist eine Karte zu sehen, die eine umstrittene Seeregion eindeutig China zuweist...