Kino

C1 Cinema wird Astor Filmtheater

Gut ein Jahr lang wurde gearbeitet, rund 7,5 Mio. Euro wurden investiert - und dabei ein Drittel der Sitzkapazität geopfert: Aus einem "gehobenen Multiplex" ist in Braunschweig ein Filmtheater der Premiumklasse geworden.

10.10.2019 17:45 • von Marc Mensch
Hans-Joachim Flebbe mit Theaterleiter Frank Oppermann bei der Gala-Eröffnung des Braunschweiger Astor Filmtheaters (Bild: Marc Stantien)

Zwei Neueröffnungen innerhalb kürzester Zeit? Für Hans-Joachim Flebbe ist das womöglich beinahe schon Routine. Wir erinnern uns: Im Spätherbst 2018 wurden innerhalb weniger Tage zunächst die Hamburger Astor Film Lounge HafenCity und dann die Münchner Astor Film Lounge im Arri eingeweiht. Nun scheint Flebbe erneut kurz hintereinander zwei große Kinopremieren feiern zu können - zumindest dann, wenn die neue Astor Film Lounge in der Frankfurter Zeilgalerie wie aktuell geplant gegen Ende des Monats ihren Betrieb aufnimmt.

Zunächst stand indes erst einmal Braunschweig auf dem Programm - und auch wenn es sich dort nicht um eine Neu-, sondern "nur" um eine Wiedereröffnung handelte, darf man doch behaupten, dass das ehemalige C1 Cinema in den Monaten seit seiner vorübergehenden Schließung am 22. September 2018 ein völlig neues Gesicht erhalten hat. Was sich schon anhand der investierten Summe erahnen lässt: Rund 7,5 Mio. Euro flossen in den Umbau, mit dem das Haus von einem "normalen, wenn auch sehr gehobenen Multiplex" in die Premiumklasse überführt werden sollte, wie Flebbe im Sommer vergangenen Jahres gegenüber Blickpunkt: Film ausgeführt hatte.

Was man für so viel Geld bekommt? Zunächst einmal weniger Kapazität als zuvor. Denn um ausreichend Raum für extrabreite und besonders komfortable Ledersessel mit verstellbarer Rückenlehne (in den Logen zusätzlich mit elektrisch ausfahrbaren Beinablagen versehen) und großzügigen Reihenabstand zu schaffen, wurden rund 30 Prozent der Sitze geopfert. Für gut 1800 Besucher bietet das Multiplex in seinen acht Sälen nun Platz - ausschließlich auf den beschriebenen Luxussesseln, versteht sich.

Auch bei der Technik wurde kräftig aufgestockt, was sich vor allem im größten Saal des Hauses zeigt. Dort wird die laut Flebbe "größte Leinwand Niedersachsens" mit ihren 264 Quadratmetern nun mit 4K-Doppelprojektion bespielt, für den richtigen Ton sorgt eine neue Dolby-Atmos-Installation. Besonderen Wert legt man - hier diente nicht zuletzt der Berliner Zoo Palast von Flebbe als Vorbild - auf die Atmosphäre im gesamten Haus gelegt. Ziel der Maßnahmen: Ein Flair zu schaffen, das sich als "Hommage an die großen Zeiten der Lichtspielhäuser" in den 1950er und 1960er Jahren versteht.

Dass in einem Kino, welches fortan Astor Filmtheater heißt, der Service eine besondere Rolle spielt, bedarf im Grunde keiner Erwähnung - schließlich zählt dies zum Kernkonzept der Astor-Häuser. Rund 80 Mitarbeiter werden sich in Braunschweig künftig um das Wohl der Gäste und um Annehmlichkeiten wie Begrüßungsdrink, Garderobe und Service am Platz kümmern. Eine besondere Rolle spielt in dem von Theaterleiter Frank Oppermann geführten Astor Filmtheater auch die lokale Vernetzung und Identität, die sich nicht zuletzt durch einen an das Wappen der Stadt angelehnten Löwen im Logo ausdrückt. Gerade beim gastronomischen Angebot setzt man auf Partner aus der Region, vom Fingerfood aus der benachbarten Bolero-Bar bis zu Spezialitäten lokaler Unternehmen wie Mandeln, Bier, Likör, Kaffee und Tee. Flebbes Hoffnung: Auch "kinoentwöhnte Fernsehzuschauer" wieder für das große Leinwanderlebnis begeistern zu können.