Kino

Cineplex erweitert Gesellschafterkreis

Erstmals seit 2005 hat Cineplex Deutschland einen neuen Gesellschafter aufgenommen - und mit dem Cinespace Bremen und der Familie Burmester starken Zuwachs im Norden gefunden.

10.10.2019 13:56 • von Marc Mensch
Erst Ende 2018 wurde das Cinespace für rund 1,3 Mio. Euro weiter modernisiert - und in diesem Zuge unter anderem auch das Foyer völlig neu gestaltet (Bild: Cinespace)

Manchmal kann am Ende doch alles ganz schnell gehen. Zumindest dann, wenn sich zwei Parteien unabhängig voneinander dieselben Gedanken gemacht haben. Die nicht von ungefähr kamen - schließlich gab es in der jüngeren Vergangenheit kaum ein Mantra, das im Kinomarkt so eindringlich beschworen wurde wie jenes, (noch) gemeinschaftlicher agieren zu müssen. Dabei waren es nicht zuletzt die im vergangenen Jahr eingeleiteten Umwälzungen im Markt, die entsprechenden Gedanken weiteren Vorschub gaben, darunter natürlich auch die bislang noch nicht abgeschlossene Übernahme von CineStar durch Cinemaxx-Eigentümer Vue, die auf Sicht erhebliches Marktgewicht in Deutschland bündeln wird.

Nicht, dass Cineplex Deutschland nicht auch über die vergangenen Jahre hinweg starkes Wachstum erlebt hätte. Schließlich zeigten sich die unter deren Dach zusammengeschlossenen Gesellschafter nicht nur überdurchschnittlich investitionsfreudig, was Modernisierungen oder Erweiterungen anging. Sondern vor allem auch, was Neubauten betraf. So wurden alleine in den vergangenen Jahren - nicht zuletzt dank der Expansion der KinoGruppe Rusch - neue Häuser an den Standorten Baden-Baden, Bamberg, Germering, Gotha, Penzing, Köln, Meitingen, Neumarkt und Neustadt eröffnet; per Übernahme kam zudem ein Haus in Fürth hinzu. Wobei natürlich anzumerken ist, dass einzelne Neubauten (wie in Baden-Baden oder Meitingen) ältere, kleinere Häuser ersetzten. Und dass Cineplex in dieser Zeit auch drei größere Standorte verlor - allerdings nicht etwa deshalb, weil die Betreiber dem Verbund den Rücken gekehrt oder ihre Häuser unwirtschaftlich gearbeitet hätten. Vielmehr waren die Gründe in einem folgenschweren Brand (Dormagen), einem Verkauf der gesamten Immobilie durch den Eigentümer (Neumünster) und der Nutzung einer Option im ausgelaufenen Untermietvertrag durch Cinemaxx (Hamm) zu suchen. Am grundsätzlichen Wachstum von Cineplex konnten jedenfalls auch diese Rückschläge nur bedingt kratzen.

Indes sprechen wir von einem organischen Wachstum. Einem, das im Großen und Ganzen auf jene Regionen beschränkt war, in denen die Mitgliedsunternehmen bereits tätig waren. Ein Kreis, der über ganze 14 Jahre hinweg nicht erweitert wurde: 2005 hatte Cineplex die letzten neuen Gesellschafter aufgenommen. Interessenten gab es seither durchaus einige, wie Geschäftsführer Kim Ludolf Koch schildert, allerdings sei es nie Ziel gewesen, die gut eingespielte Gemeinschaft beliebig zu vergrößern. Dass der Gedanke nie völlig ad acta gelegt wurde, versteht sich unterdessen (beinahe) von selbst - und am Ende war es eben der vielbeschworene "Marktwandel", der das Thema wieder auf die Agenda brachte. Konkrete Überlegungen zu möglichen Kandidaten machte man sich dann bei einer Tagung im Sommer. Dabei hatte man neben einer gewissen Größe potenziell infrage kommender Häuser nicht zuletzt auch deren Lage im Hinterkopf. Denn auch vor dem Hintergrund der zahlreichen bundesweiten B2B-Kooperationen, die Cineplex pflegt, rückte gerade jene Region in den Fokus, in der die Gruppe bislang nur wenig präsent war. Ergo: der Norden.

Szenenwechsel: In Bremen hatten Gunnar Burmester und sein Sohn Björn, der im vergangenen November zum zweiten Geschäftsführer bestellt wurde, schon seit einiger Zeit über strategische Vorteile einer Zugehörigkeit ihres Cinespace zur Cineplex-Gruppe nachgedacht. "Im Hinterkopf hatte ich das schon seit Längerem", schildert Gunnar Burmester, "aber es war ja bekannt, dass Cineplex schon seit geraumer Zeit niemanden mehr aufgenommen hatte, von daher kam es nie zu einer direkten Kontaktaufnahme." Auch nicht, als sich die Wettbewerbssituation in Bremen durch die neue Preispolitik im ortsansässigen Cinemaxx (die CineStar wiederum mit eigenen Angeboten spiegelte) verschärfte. 5,99 Euro lautet dort seit Frühjahr vergangenen Jahres (und noch bis zum für November erwarteten Abschluss der Modernisierungsarbeiten) der Einheitspreis für 2D-Filme. Eine Maßnahme, die dem Cinespace - wenn auch mit mehrmonatiger Verzögerung - zunächst "erhebliche Marktanteile vor Ort kostete", wie Burmester unumwunden zugibt.

Am Preiskampf beteiligen wollte sich die Familie allerdings nicht, stattdessen investierte man alleine im Herbst 2018 rund 1,3 Mio. Euro, um das Haus mit seinen elf Sälen und der nach Angaben der Betreiber größten Leinwand Norddeutschlands (einem ehemaligen Imax-Auditorium) "endgültig in die Premiumklasse zu heben", so Burmester damals (wir berichteten). In einem Kino, das bereits zuvor über drei Dolby-Atmos-Installationen und Laserprojektion verfügte, wurden 2000 neue Luxus-Ledersessel mit verstellbarer Rückenlehne verbaut, wurden zwei Säle mit je zehn D-Box-Sitzen ausstaffiert, wurde das Foyer völlig neu gestaltet und ein großer Lounge Bereich geschaffen. Und wurde - dies sei besonders im Kontext des Krisenjahres 2018 betont - der Mitarbeiterstamm aufgestockt. Eine Strategie, mit der man sich einen Gutteil der verlorenen Anteile zurückerobert habe, wie Burmester schildert - und mit der man generell gut fahre. Zumal in einem Jahr wie 2019, in dem es grundsätzlich besser laufe. Nicht zuletzt aber auch eine Premium-Strategie, die die Beachtung der Cineplex-Gesellschafter fand - und so war es laut Koch gerade der Name "Burmester" der sich bei besagtem Brainstorming im Sommer als idealer Kandidat herauskristallisiert habe.

Nun hätte man womöglich noch ein paar Monate länger aneinander vorbei gedacht, hätte sich nicht eines Tages Cinespace-Betriebsleiter Bernd Aurin in einer völlig anderen Angelegenheit bei Koch gemeldet - und hätte ihn dieser nicht mit der scherzhaften Frage begrüßt, ob Aurin von seinem Chef vorgeschickt werde, um die Perspektiven einer Aufnahme bei Cineplex auszuloten. Wurde er zwar nicht - aber der Funke sprang über. Was folgte, war ein Rückruf von Gunnar Burmester, ein umgehendes Treffen in Berlin Anfang September und schon kurz danach eine Gesellschafterversammlung von Cineplex, die für Burmester förmlich zum Heimspiel wurde, fand sie doch zufällig just in Bremen statt. Dort traf er auf Gesellschafter, die "wie eine große Familie agierten, eine Familie, die unglaublich gut zu uns passt", wie Burmester schildert. Gerade auch, weil man die Erfahrung gemacht habe, dass viele der Cineplex-Betreiber "die gleiche strategische Ausrichtung verfolgen, wie wir dies tun."

Langer Rede kurzer Sinn: Ende September wurde die Beitrittserklärung unterschrieben, dieser Tage erfolgt der Erwerb der Kommanditanteile und damit auch der Eintritt in alle relevanten Rahmenvereinbarungen, die Cineplex mit diversen Lieferanten und Dienstleistern unterhält. Formal wird die Familie Burmester mit dem Cinespace ab 31. Oktober zum Kreis der Cineplex-Mitglieder zählen. Was natürlich vielmehr den Beginn als den Abschluss der damit verbundenen Maßnahmen bedeutet. Schließlich steht nun vor allem die Anpassung der technischen Infrastruktur bevor, insbesondere hinsichtlich des bei Cineplex eng mit Showtime Analytics verknüpften Kassensystems und des gesamten Online-Shops. Ein Prozess, der laut Koch voraussichtlich im Lauf des ersten Quartals 2020 abgeschlossen werden wird.

Seinen bekannten Namen wird das 2003 eröffnete Haus unterdessen behalten und künftig unter Cineplex Cinespace firmieren.Was sich natürlich auch nicht ändert, ist die Unternehmensphilosophie im jüngsten Multiplex der Hansestadt. "Nahe am Gast zu sein" ist laut Björn Burmester ein Anspruch, der sich auch in solchen Details wie regelmäßig stattfindenden (und jederzeit auf Anfrage organisierten) Führungen hinter die Kulissen des Kinobetriebs ausdrückt. "Unsere Wunschvorstellung ist es, dass sich unsere Gäste mit unserem Haus und uns als Betreibern identifizieren. Wir wollen kein anonymer Kasten sein, sondern vielmehr die Vorteile ausspielen, die ein familiengeführtes Unternehmen bietet." Und das, wie sein Vater ergänzt, unter besseren Rahmenbedingungen als je zuvor: "Ich denke, es ist heutzutage unheimlich wichtig, Teil einer starken Partnerschaft zu sein. Das schafft ganz andere Voraussetzungen, um der Marktsituation gerecht zu werden." Und Koch freut sich - auch im Namen der bisherigen Gesellschafter - über einen "echten Blockbuster, den wir mit dem Cinespace im Norden hinzugewinnen".

Über die Cineplex-Gruppe:

Ihren Ursprung hat die heutige Cineplex-Gruppe im sogenannten "Frankfurter Kreis", in dem sich 1996 Gerhard Closmann, Felix Esch, Marc Ewert, Horst Martin, Freymuth Schultz und Dieter Spickert zusammenfanden. Unter Ulrich Becker und Kim Ludolf Koch erhielt dieser Zusammenschluss 1997 mit der Gründung der Cineplex GbR eine Organisationsstruktur, den gemeinsamen Markennamen stellten quasi die Filmtheaterbetriebe Spickert, die ihn sich schon im Jahr zuvor für ihre Kinos in Mannheim und Bruchsal gesichert hatte. Mit dem zunehmenden Wachstum der Gruppe wurde die Rechtsform der GbR unpraktikabel, weswegen 2002 die heutige Cineplex Deutschland GmbH & Co. KG gegründet wurde. Diese erfuhr vor allem in den Jahren 2004 und 2005 einen neuerlichen Wachstumsschub, 2005 wurden mit den Familien Vesper (Passau), Jaeger (Frankfurt & Neckarsulm) sowie Stürtz (Aachen & Alsdorf) die vorerst letzten Gesellschafter aufgenommen - bis heute. Zählt man die Familie Burmester mit dem Cinespace hinzu, agieren unter dem Dach von Cineplex nun 26 Familienunternehmen mit insgesamt 544 Leinwänden in 90 Kinos, Open-Air-Säle nicht mitgezählt.