Kino

KOMMENTAR: Von Löwen und Löwenartigen

Auf den "König der Löwen" ist Verlass. Mit ihm und anderen macht das Kino Boden gut. Keinen Film haben im dritten Quartal und im ganzen Jahr mehr Menschen gesehen. Aber auch andere führen den Löwen im Wappen und glauben fest an die Zukunft des Kinos.

10.10.2019 08:08 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Auf den "König der Löwen" ist Verlass. Mit ihm und anderen macht das Kino Boden gut. Keinen Film haben im dritten Quartal und im ganzen Jahr mehr Menschen gesehen. Aber auch andere führen den Löwen im Wappen und glauben fest an die Zukunft des Kinos. Seit Deutschlands Filmkritiker störungsfrei streamen können, schreiben sie das Kino tot. Dabei ist es sehr lebendig. Die Zahlen, die man laut Filmkritikern lieber nicht zum Erfolgsmaßstab machen sollte, sondern besser ihre fundierten Einschätzungen, belegen es. So hat das Kino im dritten Quartal mächtig aufgeholt, konnte ein Drittel mehr Karten als im Vorjahresquartal verkaufen und liegt insgesamt deutlich über Vorjahr. Der deutsche Film hat mit der leuchtenden Ausnahme von Leberkäsjunkie" nicht viel dazu beigetragen. Der schöne Erfolg von Systemsprenger" bei Publikum und Kritik ist dabei noch nicht eingerechnet. Nun mögen sich Experten bei kinopolitischen Tagen und ersten Novellierungsrunden die Köpfe zerbrechen, wie es den zahllosen deutschen Filmen öfter gelingen könnte, mehr Kinozuschauer zu erreichen. Das Publikum hat das Kino jedenfalls nicht aus seinem »relevant set« gestrichen. Die Löwendompteure bei Disney sind mit wenig Filmen für ein Viertel aller Ticketverkäufe verantwortlich. Auch wenn das nicht mehr das Kino von Martin Scorsese ist, so tragen diese gigantischen Joyrides doch zur unerreichten Stärke des Kinoerlebnisses bei. In ihrem Schatten ist immer noch viel Platz für das Kino, das Scorsese vermisst und ihm nun andere Player ermöglichen. Content ist alles in diesen Zeiten.

Das wissen auch andere, die das Löwenartige zu ihrem Markenzeichen erhoben haben. Über Monate kreißte der Berg, um den Namen Leonine zu gebären. Davor war bei jeder Nennung des neuen Players ein Rattenschwanz aus gekauften und fusionierten Firmen aufzuzählen. Angeführt wird das neue Programmhaus von Medienmacher Fred Kogel, der sich vom Finanzinvestor KKR mit einem stattlich neunstelligen Budget ausstatten ließ, um Firmen zu kaufen, mit denen er nicht zuletzt das Kino in diesen goldenen Zeiten für Programmhersteller und -verwerter erfolgreich beliefern möchte. Der Name gab der Branche anfangs Rätsel auf, ob er deutsch auszusprechen sei wie der Name der Schwester von Tante Malwine oder wie "lionein" für englisch "löwenartig". Alles geklärt: Nicht Mentor Leo Kirch ist die Wahl geschuldet, sondern dem bayerischen Leu und der Leopoldstraße, dem anvisierten Firmensitz. Im neuen Powerhouse wird laut ersten Interviews auch nur mit Wasser gekocht, aber nach allen Regeln der Kunst. Aus einer Hand wird dort professionell Programm für alle Abnehmer kreiert und vermarktet werden, wie das die Firmen vorher einzeln taten. Dennoch ist die millionenschwere Investition ein starkes Signal und hilft hoffentlich auch dem Kino in der öffentlichen Wahrnehmung zu neuer Löwenstärke.

Ulrich Höcherl, Chefredakteur