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Michael Podogil zum Start von "Prost Mortem"

Am heutigen 9. Oktober startet um 21 Uhr bei 13thStreet mit "Prost Mortem" die zweite Serieneigenproduktion des NBC-Universal-Senders, entstanden in Koproduktion mit Puls 4 aus Österreich. Blickpunkt:Film sprach mit Regisseur Michael Podogil über die Serie und seine Arbeit.

09.10.2019 14:46 • von Frank Heine
Michael Podogil (Bild: Dana Netolicky)

Prost Mortem" basiert auf einem Konzept aus der NBC Universal-Redaktion. Können Sie beschreiben, was Sie vorfanden und was Sie daraus gemacht haben?

Michael Podogil: Aufgrund meines Kurzfilms "Fucking Drama" kannte man bei NBC Universal meinen Humor. Das Konzept, das mir und meinem Koautor Matthias Writze vorgelegt wurde, sah vor, einen schwarzhumorigen Krimi in einer Kneipe zu erzählen. Klar war auch, dass eine Wirtin als starke Hauptfigur den Mörder ihres Mannes unter den Gästen sucht. Wir haben uns dann in einem Writers' Room an die Drehbucharbeit gemacht. Uns war klar dass wir die Geschichte an einem Abend würden spielen lassen und die Geschehnisse um den Mord in Rückblenden erzählen. In jeder Folge aus einer anderen Perspektive. Zum Spaß haben wir gesagt, wir machen "Rashomon für Arme". Weil wir begrenzte Möglichkeiten hatten, haben wir uns auf die Details gestürzt und versucht, in diesem Mikrokosmos möglichst viele Ideen unterzubringen. Wenn wir unsere Ideen Puls 4 und NBC Universal vorgetragen haben, kamen die immer gut an. Mit dem Drehbuch waren wir dann ziemlich schnell. Von Beginn des Schreibens bis zum ersten Drehtag vergingen zweieinhalb Monate.

Das ist enorm schnell.

MP: Ja, dadurch hatte das einen besonderen Drive und die Energiekurve war immer weit oben. So sind wir auch in den Dreh gegangen und haben das bis zum Schluss durchgezogen. Kurze Produktionszeiten können auch Vorteile haben.

Vielleicht hätte die Serie noch ein bisschen österreichischer sein dürfen? Diesen Aspekt bedient ja vor allem der wunderbare Simon Schwarz mit seiner Figur.

MP: Eine erste Idee war, die Geschichte in einer Stammtischrunde spielen zu lassen. Dann wäre es eher eine Milieustudie geworden und alle hätten mehr oder weniger in einer Sprache gesprochen. Da wäre es vielleicht aber zu Verständnisschwierigkeiten in Deutschland gekommen. Es war jedoch ein klares Anliegen, dass wir nicht untertiteln mussten. Es wäre auch schwieriger geworden, deutsche Schauspieler zu besetzen. Wir haben uns statt des Stammtischs für eine Abschiedsfeier entschieden, um möglichst viele verschiedene Charaktere einzubringen. Durch die Vielfältigkeit der Figuren haben wir viel für die Geschichte gewonnen. Und Simon Schwarz spielt eben den trinkfreudigen Stammgast. Wenn es davon mehrere gäbe, würde diese Figur nicht so hervorstechen.

Wie sind Sie bei der Besetzung vorgegangen? Haben Sie die Leute gekannt und direkt angefragt, war eine Casting Agentur involviert?

MP: Als wir die Charaktere geschrieben haben, hatten wir niemanden Konkretes im Kopf. Wir haben uns mit NBC Universal und Puls 4 abgestimmt darüber, wen sie gut fänden und wen wir gut fänden. Da gab es einen großen Konsens. Die Schauspieler haben dann auf Basis von noch nicht einmal zu Ende geschriebenen Drehbuchfassungen zugesagt.

Sie bescheren den Zuschauern ein Wiedersehen mit Doris Kunstmann!

MP: Ich kannte sie vorher nicht persönlich. Aber als wir Doris Kunstmann anfragten, war sie zufällig in Wien. Und bei einem ersten Treffen haben wir gleich festgestellt: es passt einfach. Sie ist der Typ für so eine gestandene Wirtinnenfigur. Die macht zwar einige furchtbare Dinge, aber man mag sie, weil man sie versteht.

Solch ein Kammerspiel erfordert vermutlich eine besonders intensive Arbeit mit den Schauspielern. Ist das eine Ihrer Stärken?

MP: Ich glaube, es ist enorm wichtig, dass man glaubt, was man sieht. Das fängt schon bei den Texten an. Ich will von den Schauspielern immer, dass sie die Texte für sich mundgerecht machen. Sie müssen sie als glaubhaft empfinden. Proben mache ich eigentlich nie, auch wenn das manche irritierend finden. Wir spielen nur die Abläufe durch. Ich bereite mich akribisch vor, so dass ich mich beim Drehen auf das Wesentliche konzentrieren kann. Es gibt einen Plan einer Szene, ich vermittle meine Haltung dazu, aber dann lass ich gleich drehen. Das schlimmste, was passieren kann, ist, dass wir es noch einmal drehen. Wenn man aber etwas probt und gelingt richtig gut, ist es doch traurig, wenn man das nicht schon festgehalten hat.

Zu Ihren Lehrern gehören Michael Haneke und Wolfgang Murnberger. Was haben Ihnen die beiden mit auf den Weg gegeben?

MP: Auf jeden Fall den Aspekt des guten Vorbereitens und des Glaubhaftmachens. Dass Figuren in sich glaubhaft sind. Mein Koautor Matthias Writze und ich, wir klopfen uns da immer gegenseitig ab und überprüfen, ob der eine glaubt, was der andere schreibt.

Ihr Kurzfilm "Fucking Drama", mit dem Sie den Shocking Short Award gewonnen haben, war der Türoffner für Ihre erste Serie. Glauben Sie, dass Ihnen "Prost Mortem", den Weg zum nächsten, vielleicht noch größeren Engagement bereitet?

MP: Mein großer Traum ist es, mit dem Filmemachen über die Runden zu kommen und mein Leben bestreiten zu können. Insofern hoffe ich natürlich, dass "Prost Mortem" und die Art und Weise, wie wir es erzählt haben, gut ankommen und daraus wieder etwas Neues entsteht. Das bin ja nicht nur ich, wir sind ein Team und dieser Teamgedanke ist mir wichtig. Wir schreiben schon wieder an einem Drehbuch für einen Langfilm.

Das Interview führte Frank Heine