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"Diversität 360" - Dritte Drehbuchwerkstatt von ARD und VDD

In Hamburg haben sich mehr als 60 Autoren und Redakteure für die dritte Drehbuchwerkstatt von der ARD und dem Verband Deutscher Drehbuchautoren (VDD) getroffen. Themen waren dabei unter anderen die Diversität von Erzählungen und moderne Frauenfiguren.

04.10.2019 12:56 • von
Der NDR-Intendant Lutz Marmor (Bild: NDR)

Auf Einladung der ARD-Koordination Fernsehfilm haben sich am 30. September mehr als 60 Autorinnen und Autoren sowie Redakteurinnen und Redakteure in Hamburg getroffen. Sie sprachen darüber, wie die Realität im fiktionalen Fernsehen sichtbar gemacht werden kann, vielfältig und losgelöst von allen Stereotypen und Rollenklischees. Dabei ging es nicht nur um die Frage, wie Erzählungen inhaltlich divers gestaltet werden können, sondern auch um Zuschauererwartungen und die Chance, unterschiedliche Bevölkerungsgruppen als Publikum zu gewinnen.

Fiktionale Stoffe und die gesellschaftliche Vielfalt stärker in Einklang zu bringen, ist das gemeinsame Ziel der Programmverantwortlichen der ARD und des Verbandes Deutscher Drehbuchautoren (VDD). In Hamburg in der nun dritten Drehbuchwerkstatt wurde auch diskutiert, wie Frauenfiguren zukünftig modern und ohne Klischees gestaltet werden können und welche Rolle Frauen insbesondere bei Krimi-Formaten vor und hinter der Kamera einnehmen.

"Das regelmäßige Gespräch von Drehbuchautorinnen und -autoren mit der ARD ist wichtig. Schön, dass sich dieses Format etabliert hat", sagte der Intendant des gastgebenden NDR, Lutz Marmor. Das Thema Diversität verdiene besondere Aufmerksamkeit. "Wir möchten veraltete Denkmuster aufbrechen und neue inspirierende, auch vom Erwartbaren abweichende Geschichten erzählen", führte Marmor weiter aus. So sieht es auch der geschäftsführende Vorstand des VDD, Peter Henning: "Unser gemeinsames Anliegen ist, die Vielfalt in Deutschland in den Erzählungen und damit im ARD-Programm sichtbarer zu machen und so die wichtige kulturelle Bedeutung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zu stärken."

Durchaus selbstkritisch merkten Teilnehmende Veränderungsbereitschaft an. Da in Deutschland selbst längst vielfältige Lebenswelten existierten, sollen sie auch im Fernsehen stärker erfahrbar gemacht werden: Entweder nehme man sie konkret in den Fokus oder man erzähle Vielfalt "en passant" über Nebenfiguren. Bereits in der Entwicklungsphase von fiktionalen Stoffen sollte Diversität im Detail angelegt und dann beim Casting der Figuren - bis hin zur Komparserie - berücksichtigt werden. Dabei sei es wichtig, "Diversität als etwas sehr Normales zu erzählen" und nicht in einen "Ausstellungscharakter mit pädagogischem Zeigefinger" abzugleiten. Insgesamt sei bereits vieles in Bewegung gekommen, lautete der gemeinsame Befund des seit 2017 jährlich stattfindenden Treffens. Weitere direkte Gespräche zwischen allen Beteiligten seien aber nötig, um noch mehr zu erreichen.