Kino

Massive Kritik an HessenFilm-Geschäftsführer

Der Druck auf Hans Joachim Mendig wächst: Nachdem sich der HessenFilm-Geschäftsführer im Juli bei einem Treffen mit AfD-Spitzenfunktionär Jörg Meuthen ablichten ließ, werden nun die Rufe aus der Branche nach Aufklärung und vermehrt auch seinem Rücktritt lauter.

13.09.2019 16:46 • von Thomas Schultze

Man könnte sich an dieser Stelle angesichts jüngster Wahlergebnisse durchaus die Frage stellen: Werden Treffen zwischen Förderfunktionären und AfD-Politikern schon bald zum Tagesgeschehen gehören? Vermeiden lassen wird es sich auf Sicht wohl kaum, operieren die Länderförderer doch zu einem Gutteil mit Steuermitteln, über deren Verteilung immer häufiger Vertreter der AfD (mit)bestimmen.

Im speziellen Fall von Hans Joachim Mendig stellt sich die Frage indes nicht in dieser Form. Denn wie er selbst auf Nachfrage erklärt haben soll, war ein Treffen mit AfD-Spitzenfunktionär Jörg Meuthen sowie dem zuletzt auch durch rechtspopulistische Äußerungen aufgefallenen Berater Moritz Hunzinger "rein privater" Natur. Immer mehr Produzenten und andere Filmschaffende äußern sich indes empört über Hans-Joachim Mendigs Verhalten - wenn es denn ein "angeregter und konstruktiver politischer Gedankenaustausch" gewesen sei, wie Jörg Meuthen in seinem Instagram-Post erklärt, der von einem Foto begleitet wird, in dem Meuthen, Hans Joachim Mendig und Moritz Hunziker in die Kamera lachen, könne es sich kaum um ein "privates" Treffen gehandelt haben. Rücktrittsforderungen werden lauter. Regisseurin Julia von Heinz machte die Causa bereits vor drei Tagen auf Facebook öffentlich und rief ihre Kollegen zur Solidarität auf: "Je mehr Filmemacher wir sind, die diese Verbindung verurteilen, desto weniger Angst müssen wir haben." In einem mittlerweile fast 100 Mal geteilten Facebook-Post erklärt Produzent Jochen Laube, er halte "es für unabdingbar, dass wir hier gemeinsam klare Kante zeigen und eine eindeutige Reaktion der HessenFilm und Medien GmbH einfordern".

Heike Wiehle-Timmund Rolf Silber haben aus der Causa bereits Konsequenzen gezogen und sind heute aus dem Fördergremium von HessenFilm und Medien ausgetreten. Sie haben dies mit folgendem Schreiben getan.

"Sehr geehrte Frau Ministerin Dorn-Ranke,

mit großer Enttäuschung haben wir, der Autor und Regisseur Rolf Silber und die Filmproduzentin Heike Wiehle-Timm, in der Presse die lauwarme Erklärung des Geschäftsführers der HessenFilm, Hans Joachim Mendig, zu seinem Treffen mit Herrn Meuthen und Herrn Hunzinger vernommen, welches er als ,privat' charakterisiert, während es im Tweet des AfD-Politikers als ,politisch und konstruktiv' bezeichnet wurde.

Als langjährige Mitglieder der ,großen' Förderkommission der HessenFilm interpretieren wir dieses Foto, das die Herren in trauter und offenbar zugeneigter Dreisamkeit zeigt, plus den dazugehörigen Text, als problematisch genug, dass es uns, nach der unbefriedigenden Erklärung von Herrn Mendig, unmöglich erscheint, der Förderkommission weiter anzugehören.

Die AfD hat sich, abgesehen von anderen Aussagen auf anderen Gebieten, als eine Partei erwiesen, deren Kulturverständnis so reaktionär und rückwärtsgewandt ist, dass ein Vertreter einer so wichtigen Institution wie der HessenFilm gut daran getan hätte, hier 'eine Armlänge' Abstand zu halten.

Mit großem Bedauern beenden wir hiermit unsere Tätigkeit und hoffen, das Ministerium und die HessenFilm sieht sich in der Lage, den Sachverhalt zu klären und daraus Konsequenzen zu ziehen."

Aktuell hat auch die Deutsche Filmakademie eine öffentliche Nachfrage an Hans Joachim Mendig geschickt, die wir hiermit im Wortlaut veröffentlichen.

"Am 24.7.2019 teilte der Sprecher der Bundestagsfraktion der AfD Jörg Meuthen ein Foto auf Instagram, auf dem er selber mit dem Geschäftsführer der HessenFilm und Medien GmbH Hans Joachim Mendig und einer weiteren Person, Moritz Hunzinger, zu sehen ist. Jörg Meuthen schreibt über das Treffen, es hätte einen sehr ,angeregten und konstruktiven politischen Gedankenaustausch' gegeben. Erst nach Veröffentlichung dieses 'posts' durch eine Frankfurter Zeitung teilte Herr Mendig nach Auskunft der Ministerin für Wissenschaft und Kunst in Hessen, in deren Zuständigkeit die HessenFilm und Medien GmbH liegt, mit, dass es sich um eine 'private Gelegenheit' gehandelt habe, die nicht in Bezug zur HessenFilm und Medien GmbH gestanden hätte.

Hans Joachim Mendig hat bisher allerdings nicht erklärt, welchen ,angeregten und konstruktiven politischen Gedankenaustausch' er mit Herrn Meuthen geführt hat. Diese Einschätzung des Treffens durch Herrn Meuthen blieb in der Erklärung von Herrn Mendig undementiert und unkommentiert. Als Geschäftsführer der hessischen Filmförderung müssten ihm aber die filmpolitischen Forderungen der AfD, insbesondere ihres kulturpolitischen Sprechers Marc Jongen bekannt sein. Dieser fordert immer wieder in Presseerklärungen und Stellungnahmen im Kulturausschuss des Bundestages ,die ideologische Entschlackung der deutschen Filmförderungen' und deren ,Neuevaluierung'. In der Bremer Bürgerschaft forderte Jongen auch schon mal die ,völkische Homogenität' als ,Basis der Demokratie'. Angesichts der Preisverleihung der letzten Berlinale betonte Herr Jongen ,die Notwendigkeit einer Entideologisierung des Kulturbetriebes'... da die .politische Absicht der Jury', in der ,Sensibilität für Randgruppenthemen oder die ,gendergerechte' Auswahl der RegisseurInnen' erkennbar gewesen wäre. Dies sei - so Jongen - ein ,Schlag ins Gesicht des deutschen Films' gewesen.

Da Herr Mendig an entscheidender Stelle Verantwortung für das steuerlich finanzierte Filmfördersystem trägt, hat die Öffentlichkeit und insbesondere die Fachöffentlichkeit ein berechtigtes Interesse, über seinen "konstruktiven Gedankenaustausch" mit einer Partei zu erfahren, die genau dieses Fördersystem radikal ändern möchte. Unserer Meinung nach gehört eine solche Erklärung über den besagten Austausch durch Herrn Mendig zu seiner vorrangigen Aufgabe als Geschäftsführer einer Förderung, deren erste Richtlinie betont, dass die ,die HessenFilm (sich) verpflichtet, nur solche Projekte und Produktionen zu fördern, die die Würde des Menschen achten, die Grundrechte respektieren und die Achtung vor dem Leben fördern.' Konkreter heißt es weiter, vorrangig zu fördern seien ,Filme unterschiedlicher Bereiche und Genres sowie künstlerisch und kulturell bedeutende, gesellschaftlich relevante, qualitativ hochwertige Film- und Fernsehproduktionen und sonstige audiovisuelle Projekte, die einen wichtigen Beitrag zur Filmkultur leisten'. Da sich diese Richtlinien nur schwer in Übereinstimmung mit den kulturpolitischen und allgemein-politischen Forderungen der AfD bringen lassen, erwartet die Deutsche Filmakademie von Herrn Mendig eine inhaltliche Erklärung über den Austausch mit der AfD. Sollte diese nicht erfolgen, halten wir seine Abberufung durch die Ministerin für Wissenschaft und Kunst in Hessen für berechtigt."

Um Herrn Mendig Gelegenheit zu geben, auf die Vorwürfe zu reagieren und zu erklären, wie es zu dem Treffen kam und was genau besprochen wurde, hat Blickpunkt:Film ihm einen entsprechenden Fragenkatalog geschickt.