Festival

CICAE erneuert Ermahnung an Filmfestivals

Die Einladung der beiden Netflix-Titel "Marriage Story" und "The Laundromat" zur morgen beginnenden Mostra hat erneut den Kinobetreiberverband CICAE auf den Plan gerufen.

27.08.2019 16:01 • von Jochen Müller
CICAE-Präsident Christian Bräuer (Bild: AG Kino)

Im vergangenen Jahr war mit Alfonso Cuarons Roma" ein Netflix-Film bei der Mostra mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet worden, in wurden mit Steven Soderberghs The Laundromat" und Noah Baumbachs Marriage Story" erneut zwei Netflix-Produktionen an den Lido eingeladen. Nachdem der europäische Kinoverband UNIC die Mostra bereits kurz nach Bekanntgabe des Wettbewerbsprogramms Ende Juli für die Einladung der beiden Titel kritisiert hatte, hat der Kinobetreiberverband CICAE einen Tag vor Beginn des Festivals seine Mahnung an die Filmfestivals erneuert, die Herausbringung eines Films im Kino als Bedingung für eine Wettbewerbsteilnahme zu machen.

"Es ist schwer nachvollziehbar, warum Big-Tech-Unternehmen von den gleichen Regeln freigestellt werden sollen, denen Studios, Produzent*innen und Kinos seit Jahrzehnten folgen. Ganz besonders beunruhigt es uns, dass das Filmfestival in Venedig vorbehaltlos einen Streamingdienst umgarnt, dessen Ziel von seinen Partnern als 'Weltherrschaft' beschrieben wird", erklärt der Präsident der CICAE, Christian Bräuer.

Nach Ansicht des Verbands müssten Festivals klare und einheitliche Regeln für große und kleine Player gleichermaßen schaffen und auf deren Einhaltung drängen, um Vielfalt und Rezeption von Filmen zu erhalten. "Eine dieser Regeln muss das Bestehen auf einer ordentlichen Kinoauswertung für alle Filme in Wettbewerben sein. Kino ist nicht nur aus technischen Gründen der beste Ort, um einen Film zu erleben. Das Kino ermöglicht Filmen, aus vielfältigen Perspektiven vermarktet, gesehen und diskutiert zu werden", so Bräuer.

Es gehe jedoch nicht darum, Streaming an sich auszuschließen, heißt es in der CICAE-Mitteilung weiter. Streaming sei eine "großartige Art und Weise, Filme und Serien in die eigenen vier Wände zu bringen", biete aber keinen Vergleich zum gemeinsamen Kinoerlebnis. "Wir freuen uns über jedes Streaming-Unternehmen, das seinen Filmen einen echten Kinostart ermöglichen will. Aber jede neue Partnerschaft muss auf den gleichen Werten basieren, wie sie die Kinos mit großen Studios sowie unabhängigen Filmschaffenden und Verleihern über Jahrzehnte aufgebaut haben", so Bräuer.