Produktion

"I Am Mother"-Regisseur Grant Sputore: "Eine glückliche Fügung"

Mit "I Am Mother" gibt der australische Werbefilmspezialist Grant Sputore sein Regiedebüt. In Sundance machte der intensive Science-Fiction-Film mit mit Hilary Swank in der Hauptrolle die große Welle, jetzt kommt er in Deutschland im Verleih von Concorde ins Kino.

20.08.2019 14:35 • von Thomas Schultze
Grant Sputore am Set von "I Am Mother" (Bild: Concorde Filmverleih)

Mit I Am Mother" gibt der australische Werbefilmspezialist Grant Sputore sein Regiedebüt. In Sundance machte der intensive Science-Fiction-Film mit Hilary Swank in der Hauptrolle die große Welle, jetzt kommt er in Deutschland im Verleih von Concorde ins Kino.

Sie haben bereits im Jahr 2006 Ihre eigene Produktionsfirma gegründet, The Penguin Empire, und sich danach einen Namen gemacht als Regisseur von Werbespots. Erst jetzt legen Sie Ihren ersten Spielfilm vor. Warum musste es "I Am Mother" sein?

Grant Sputore: Es ist nicht so, dass ich nicht immer wieder versucht hätte, einen Film an den Start zu bringen. Tatsächlich habe ich es mit Michael Lloyd Green, mit dem ich auch das Drehbuch von "I Am Mother" geschrieben habe, zehn Jahre lang immer wieder versucht, mit den unterschiedlichsten Projekten. Es war nicht so einfach, die richtige Formel für einen Stoff für einen Erstlingsregisseur zu finden, der einerseits unseren Ansprüchen gerecht wurde, andererseits aber auch für ein realistisches und überschaubares Budget gemacht werden konnte. "I Am Mother" erwies sich dann als glückliche Fügung.

Musste es denn ein eigener Stoff sein. Als erfolgreicher Werbefilme gab es doch sicherlich auch Angebote, die man Ihnen vorlegte?

Grant Sputore: Nicht wirklich. Es gibt so viele talentierte Filmemacher, dass man nicht unbedingt auf einen obskuren australischen Regisseur aus der Werbebrache gewartet hat. Nein, mir war immer schon klar, dass es ein eigener Stoff sein müsste, wenn ich wirklich einen Film machen will. Wenn man es nicht selbst anpackt, dann hat man Pech gehabt. Und meine Arbeit als Werbefilmer hätte nicht in irgendeiner Form darauf hingewiesen, dass ich der richtige Mann für "I Am Mother" sein würde. Für diesen Film kam ich nur deshalb in Frage, weil es mein Baby war, meine Idee, mein Drehbuch.

Was war entscheidend dafür, dass Sie den Film schließlich machen konnten?

Grant Sputore: Das Drehbuch, keine Frage. Wir schickten es an verschiedene Produzenten in den USA, die so angetan davon waren, dass es schnell die Runde machte und schließlich in die "Blacklist" der besten nicht produzierten Drehbücher in Hollywood aufgenommen wurde. Auf diese Weise wurde Hilary Swank auf den Stoff aufmerksam: Sie meldete sich bei uns - wir hätten uns niemals vorstellen können, Schauspieler von ihrem Kaliber anzusprechen. Und wir wurden immer wieder darauf angesprochen, die verschiedensten Leute zeigten Interesse, uns bei der Finanzierung und Umsetzung zu unterstützen. Das Drehbuch war der Star.

"I Am Mother" erzählt eine dramaturgisch überzeugende Drei-Personen-Geschichte. Wie wichtig war für Sie beim Schreiben der Gedanke, ein Drehbuch abzuliefern, das bei einer Verfilmung mit überschaubarem finanziellen und logistischen Aufwand umzusetzen sein würde?

Grant Sputore: Michael und ich hatten davor an einer Reihe von Drehbüchern gearbeitet, die sehr unkonventionell und ambitioniert waren, mussten aber feststellen, dass die Aussichten darauf, sie tatsächlich realisieren zu können, eher gering waren. Insofern war "I Am Mother" eine bewusste Anstrengung, einen Stoff zu erarbeiten, der realistisch ein Film werden könnte. Die Handlung ist geradlinig und emotional, die Drehorte sind überschaubar, es gibt nur drei Figuren. Gleichzeitig war es ein Stoff, der voll und ganz dem entsprach, was uns gefällt, eine Science-Fiction-Geschichte, die mit Versatzstücken aus Aliens - Die Rückkehr", "RoboCop" oder "Ex_Machina" spielt.

Wie hoch war das Budget? Wie haben Sie den Film finanziert?

Grant Sputore: Genau kann ich das gar nicht sagen, aber es waren auf jeden Fall weniger als zehn Mio. Dollar. Also nicht unbedingt viel für einen Science-Fiction-Film, aber doch ein sehr stattliches Budget für ein australisches Regiedebüt. Ich muss gestehen, dass wir uns nicht viele Sorgen machten, es auf die Beine stellen zu können, weil das Drehbuch so gut ankam. Es ist ein kommerzieller Stoff, der mit Versatzstücken spielt, die beim Genrepublikum gut ankommen. Rückblickend kann ich sagen, dass wir wohl mehr Glück als Verstand hatten, aber nachdem das Drehbuch erst einmal geschrieben war, lief alles erschütternd glatt und problemlos. Ich finde, das hatten wir auch verdient, nachdem wir uns davor zehn Jahre lang die Zähne ausgebissen hatten.

War es Ihnen wichtig, dass "I Am Mother" eine australische Produktion war?

Grant Sputore: Ich bin stolz darauf, ein australischer Filmemacher zu sein. Dass wir den Film in Australien gemacht haben, hat sicherlich auch dazu beigetragen, ihn mit einem überschaubaren Budget realisieren zu können. In Hollywood wäre er viel teurer geworden. Aber selbst zu unserem Preis konnten wir "I Am Mother" nur machen, weil wir so großzügig von den australischen Förderstellen - vornehmlich Screen Australia und die South Australian Film Commission in Adelaide - unterstützt wurden. Es gibt eine kleine, aber sehr schöne Tradition von Science-Fiction-Filmen in Australien, ob das These Final Hours" von meinem Freund Zak Hilditch ist oder, wenn man weiter zurückgeht, die "Mad Max"-Filme von George Miller. Tatsächlich spielte "Mad Max" für uns beim Entwurf der Welt außerhalb des Labors eine große Rolle.

Sie konnten auch legendäre Partner aus Down Under gewinnen, Produzent Timothy White und WETA Digital.

Grant Sputore: WETA kam tatsächlich schon sehr früh an Bord. Wir hatten uns ganz naiv überlegt, wer die beste Firma für glaubhafte digitale Effekte sei, und kamen natürlich sofort auf WETA. Was sie bei Filmen wie "Der Herr der Ringe" oder "Chappie" geleistet haben, ist bahnbrechend. Also haben wir ihnen einfach eine Mail mit dem Drehbuch im Anhang geschickt, da gab es noch nicht einmal einen Produzenten. Und sie waren sofort dabei. Ich sage ja, das Projekt war von Anfang vom Glück geküsst.

Wie wichtig war die Premiere in Sundance?

Grant Sputore: Der Film war zu diesem Zeitpunkt bereits in einige Territorien verkauft gewesen, aber in Sundance wurde "I Am Mother" von Netflix gesehen, die so begeistert waren, dass sie sich nicht nur die amerikanischen Rechte sicherten, sondern auch von anderen Territorien die Rechte zurückkauften, um den Film auch dort als Original zeigen zu können. Aber auch sonst war Sundance irre: Mein Film wurde am ersten Freitag zur besten Zeit im größten Kino gezeigt, vor einem begeisterten Publikum. Mehr kann man sich echt nicht wünschen.

Dafür sehen die Menschen in den meisten Ländern den Film jetzt nur auf dem Bildschirm.

Grant Sputore: Das ist ein Kompromiss, den man eingehen muss. Ich bin kein Snob. Der Aufschlag, den wir seit Juni hatten, ist gewaltig. "I Am Mother" wird in Fanforen heiß diskutiert, es gibt sogar Cosplay-Veranstaltungen, zu denen die Leute als Roboter und Mädchen verkleidet gehen. Irrsinn. Aber ich freue mich, dass es trotzdem Territorien gibt, wo der Film regulär ins Kino kommt. Er ist für die große Leinwand gemacht worden, mit viel Liebe.

Wie wird es mit Ihnen weitergehen?

Grant Sputore: Ich habe ein paar Stoffe in der Mache, einer davon ist auch schon spruchreif, "Augmented", ein weiterer Science-Fiction-Thriller mit Margot Robbie in der Hauptrolle, der für Warner Bros entstehen wird. Das ergab sich auch aus der Begeisterung, die "I Am Mother" in Sundance generiert hat. Ich könnte kaum glücklicher sein.

Das Gespräch führte Thomas Schultze