Festival

Pedro Costa triumphiert in Locarno

Mit einem Doppelsieg - bester Film, beste Darstellerin - war "Vitalina Varela" von Pedro Costa der überragende Film des 72. Locarno Film Festival. Die deutsche Koproduktion "A febre" konnte sich einen Leopard für den besten Darsteller sichern.

18.08.2019 08:04 • von Thomas Schultze
Pedro Costa und der Goldene Leopard (Bild: Locarno Film Festvial / Massimo Pedrazzini)

Schon im Interview mit Blickpunkt:Film vor Beginn des 72. Locarno Film Festivals hatte die neue Festivalleiterin Lili Hinstin von der hohen Qualität der ihr vorgelegten Filme aus Portugal geschwärmt und den neuen Film von Pedro Costa als "Meisterwerk" gerühmt. Dieser Ansicht war offenbar auch die Festivaljury um Catherine Breillat, der auch die deutsche Filmemacherin Valeska Grisebach angehörte: "Vitalina Varela" wurde zum Abschluss des Festival bei der feierlichen Auszeichnung auf der Piazza Grande mit dem Pardo d'oro, dem Großen Preis der Stadt Locarno, als bester Film prämiert. Außerdem konnte sich Costas Hauptdarstellerin Vitalina Varela den Leopard für die beste Darstellerin sichern.

Der Premio speciale della giuria (Spezialpreis der Jury) der Gemeinden von Ascona und Losone ging an "Pa-go" von Park Jung-bum, Südkorea, während der Pardo per la migliore regia (Leopard für die beste Regie) der Stadt und Region Locarno dem Filmemacher Damien Manivel für "Les enfants d'isadora" zugesprochen wurde. Als bester Darsteller wurde Regis Myrupu aus "A febre" von Maya Da-Rin gefeiert, eine deutsche Koproduktion mit Komplizen Film. Überdies gab es Besondere Erwähnungen für "Hiruk-pikuk si al-kisah" von Yosep Anggi Noen sowie "Maternal" von Maura Delpero. Das freiwillige Jahr" von Ulrich Köhler und Henner Winckler, der einzige Beitrag deutscher Filmemacher, ging indes leer aus.

Auffällig ist, dass die von Frauen dominierte Jury bis auf eine der Besonderen Erwähnungen ausschließlich männliche Filmemacher mit Auszeichnungen bedachte. Immerhin wurden fünf der 17 zur Auswahl stehenden Filme von Frauen inszeniert.

In einem Abschluss-Statement fasste das Festival die Tage vom 7. bis zum 17. August selbst zusammen: "Es ist schwierig, einen Moment auszuwählen, mit dem sich elf Tage Festival zusammenfassen und erzählen lassen. Locarno72 waren 246 Filme und 432 Vorführungen. Es war auch die Wärme von Fredi M. Murer, der Kampfgeist von Hilary Swank, das Zusammenspiel von Song Kang-ho und Bong Joon-ho, die Vision von Claire Atherton, das überschäumende Temperament von John Watersund der schöpferische Geist von enrico ghezzi. Außerdem waren es die 9300 Zuschauer bei Tarantino und Joseph Gordon-Levitt (,7500') auf der Piazza Grande. Es war der Beginn von Ginevra Elkanns Regiekarriere mit "Magari" und der bewegende Ausklang mit Kiyoshi Kurosawas "Tabi no owari sekai no hajimari" (To the Ends of the Earth)."