Kino

"Man muss mehr tun"

Nach der Filmmesse ist vor der Filmmesse. Für uns zieht Organisator Martin Molgedey ein Resümee, spricht über erste Planungen für 2020 - und warnt davor, im Kinomarkt auf ein "Weiter so!" zu setzen.

13.08.2019 15:40 • von Marc Mensch
Martin Molgedey (Bild: Dirk Dobiey)

Selten zuvor stand eine Filmmesse so deutlich im Zeichen von Herausforderungen im deutschen Kinomarkt wie die diesjährige Veranstaltung. Wir blicken gemeinsam mit Organisator und MMmedia-Geschäftsführer Martin Molgedey zurück - und nach vorne.

BLICKPUNKT: FILM: Wie empfanden Sie die Rückkehr an den "angestammten" Veranstaltungsort?

MARTIN MOLGEDEY: Ein wenig so, als käme man nach Hause. Womit ich Düsseldorf keineswegs Unrecht tun will. Es war eine großartige Alternative, jeder dort hat sich wahnsinnige Mühe gegeben, es hatte einen ganz eigenen Reiz. Aber vor allem im Hinblick auf die Infrastruktur ist das hier nochmal eine andere Nummer. Wir haben hier zahlreiche Hotels quasi direkt vor der Haustür, wir haben enorm viel Platz, sowohl im Kino als auch davor - und wir haben ein renoviertes Haus, das uns nicht nur tolle Technik und Komfort bietet, sondern auch die Räume, um sich für Gespräche zurückzuziehen. Ich kann mir einfach keinen besseren Ort für die Filmmesse vorstellen.

BF: Was war für Sie die augenfälligste Neuerung im Cinedom?

MM: Der Cinedom hatte ja schon in dem Moment ordentlich gewonnen, als sich das Hans im Glück dort ansiedelte. Es ist einfach ein Riesenvorteil, direkt im Haus einen Ort zu haben, zu dem gerade die jungen Leute sehr gerne kommen, um etwas zu trinken, zu essen, sich zu unterhalten. Das bringt automatisch mehr Leute mit dem Kino in Berührung und wertet den Filmbesuch an sich auf. Umso besser, dass diese Stärken mit dem Ausbau von Hans im Glück und der Neuansiedelung von Coffee Fellows jetzt noch stärker zutage treten - zumal ja auch unsere Veranstaltung davon profitiert. Das Gesamtangebot ist noch eine Ecke runder geworden - und dazu tragen auch die modernisierte Optik und die neuen Luxussäle bei. Der Cinedom versprüht jetzt einfach noch mehr Charme.

BF: Wie haben Sie denn die grundsätzliche Stimmung in diesen Tagen erlebt?

MM: Das ist tatsächlich etwas, auf das ich sehr genau achte. Schließlich bin ich jemand, der erst dann zufrieden ist, wenn er Menschen sieht, die glücklich wirken, die sich angeregt unterhalten, die lachen, die sich begeistert über Filme austauschen. All das gab es auch dieses Jahr - was nicht nur eine Bestätigung für unsere Veranstaltung, sondern wohl auch Ausdruck einer gewissen Zuversicht war. Der Markt hat sich gegenüber 2018 wieder etwas konsolidiert und gerade in den letzten Wochen brummte das Geschäft. Allerdings sollte man sich nicht täuschen lassen. Noch läuft es auch 2019 nicht so, wie es sollte. Ich denke, die Branche muss sich künftig sehr warm anziehen. Man muss viel mehr tun, man muss bereit sein, wirklich für den Kunden da zu sein und auch immer wieder neue Dinge ausprobieren. Ein "Weiter so!" ist nicht drin. Es reicht einfach nicht, wenn die Leute nur noch die Topfilme besuchen.

BF: Heißt "mehr tun" auch "enger kooperieren"?

MM: Sicherlich. Gemeinsam ist man immer stärker - und ich stehe ausdrücklich hinter einer Initiative wie dem Kinofest. Nicht umsonst haben wir nicht gezögert, hierfür einen Slot einzuräumen. Tatsächlich würde ich es für wichtig erachten, dieses Thema bei allen großen Branchentreffen mit auf dem Schirm zu haben.

BF: Waren Sie enttäuscht, dass es nicht für die Verkündung eines konkreten Termins gereicht hat?

MM: Ich bin ja der Typ, der im Zweifel sagt: "Einfach anfangen!" Vom Start weg zu versuchen, es Allen recht zu machen, ist unheimlich schwierig. Ich spreche da aus Erfahrung: Als wir mit der Messe begonnen haben, waren beileibe nicht alle Verleiher dabei; mancher gab sich ausgesprochen skeptisch. Am Anfang wird es immer Hürden geben, das liegt in der Natur der Sache. Wichtig wäre es, endlich einmal zu beginnen, einen Termin zu setzen, notfalls ein wenig kleiner zu starten.

BF: Im Filmmesse-Ablauf nehmen die Kurzpräsentationen mittlerweile mehr Zeit ein als die Screenings. Könnte sich der Schwerpunkt weiter verschieben?

MM: Nein - und man muss ja auch berücksichtigen, wie viele Screenings wir parallel laufen haben. Das ergibt dann wieder eine ganz andere Rechnung. Es ist richtig, dass die Präsentationen Verleihern wie Betreibern gleichermaßen wichtig sind, weil man in der kompakten Form natürlich über viel mehr Filme informieren kann, als dies mit Screenings möglich wäre. Diese bieten wiederum den Vorteil des vollständigen, des absolut genauen Blicks auf das einzelne Produkt. Am Ende zählt die Mischung und wir verfolgen seit Jahren die klare Linie, dass an den beiden Haupttagen ab 14:30 Filme laufen, ganz egal wie hoch die Nachfrage nach weiteren oder längeren Präsentationen ist. Natürlich sehen wir jedes Jahr gewisse Schwankungen beim Filmangebot. Das hängt ja nicht nur von den Startterminen ab, sondern auch davon, welche Spielregeln die US-Studios aufstellen. Dass Screenings zunehmend restriktiver gehandhabt werden und immer näher an den Starttermin rücken, sieht man ja schon in Las Vegas und Barcelona. Umso mehr freue ich mich darüber, für welche tollen Filme tatsächlich Freigaben erteilt wurden. Und wenn ein langjähriger Partner einmal nicht dabei ist, weil er zu diesem Termin nichts zu zeigen hat, dann ist das doch auch in Ordnung.

BF: Disney und Fox sind bereits eine Einheit, Concorde und Universum werden es kommendes Jahr sein. Schafft das Freiräume, die den vierten Tag womöglich wieder obsolet werden lassen?

MM: Wir haben uns tatsächlich überlegt, ob wir den Freitag wirklich noch brauchen - und sehen eine charmante Lösung darin, uns im kommenden Jahr auch die oberen Säle des Cinedom für Screenings zu sichern und dafür den vierten Tag wieder zu streichen. Wobei wir mit dem Gedanken spielen, sowohl den Dienstag-, als auch den Donnerstagabend weiter aufzuwerten, indem wir - abgesichert durch Screening-Möglichkeiten im Cinedom - jeweils auf Open-Air-Veranstaltungen setzen, die dann auch der Öffentlichkeit zugänglich wären. Wir sind hier in Gesprächen, um etwas auf die Beine zu stellen, was nicht nur die Fachbesucher begeistern, sondern die Außenwirkung vervielfachen würde. Man könnte quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Darüber werden wir jetzt im Anschluss mit unseren Partnern reden - aber gehen Sie schon einmal davon aus, dass wir für 2020 von Dienstag bis Donnerstag planen.

BF: Wie zufrieden sind Sie mit der diesjährigen Resonanz?

MM: Sehr zufrieden. Mit 1340 Besuchern und davon über 700 Kinobetreibern haben wir erneut eine Bestmarke gesetzt - und das nach so schwierigen Monaten im Markt. Da sind wir schon etwas überrascht gewesen! Ehrlich gesagt sehe ich da gar nicht mehr viel Luft nach oben, wenn man die Filmmesse in dieser zwar eng durchgetakteten, aber doch entspannten und geradezu familiären Atmosphäre fortführen will. Und ich will an dieser Stelle noch einen großen Dank loswerden: an unsere Sponsoren, an die Stadt Köln und an die Filmstiftung. Ganz besonders möchten wir den KollegInnen des Cinedom danken. Ohne die Unterstützung der Sponsoren könnte eine Veranstaltung dieser Größenordnung nicht funktionieren - und es macht mich stolz, wie treu uns diese Partner sind. Das zeigt, dass Zusammenhalt möglich ist, wenn man eine Sache für wichtig erachtet.

Das Gespräch führte Marc Mensch