Kino

Staffelübergabe bei der Filmmesse

Vier Verleihpräsentationen standen am dritten Tag der Filmmesse auf dem Programm - und zwei davon wiederum im Zeichen einer Zäsur. Denn Tradeshows von Concorde und Universum wird es in dieser Form nicht noch einmal geben.

09.08.2019 07:48 • von Marc Mensch
Holger Fuchs überreichte symbolisch eine Replik der berühmten Überschall-Passagiermaschine (Bild: Kurt Krieger)

Zufriedene Gesichter beim Blick auf die täglichen Zahlen - starkes Programm und hilfreiches Kinowetter machen's möglich. Und tatsächlich trifft man in Köln immer mal wieder Betreiber, die von Zuwächsen gegenüber dem Vorjahr im Bereich von 20, 30, im Einzelfall sogar 40 Prozent berichten. Was natürlich leider noch keine Aussage über den Zustand des Gesamtmarktes trifft, der noch ein paar Wochen wie die vergangenen vertragen kann, um auf ein zufriedenstellendes Level zu gelangen. Denn Messlatte für dieses Jahr sollte weniger 2018, als doch vielmehr 2017 sein. Und dort ist man trotz des mittlerweile sehr erfreulichen Vorsprungs auf das Vorjahr beileibe noch nicht angelangt - was womöglich auch Grund für eine Stimmung ist, die im Saal zumindest gefühlt ein klein wenig verhaltener ausfiel als in den Vorjahren. Was sich jedenfalls zeigte: Komödien wurden in aller Regel höchst dankbar angenommen. Und damit zu unserem kurzen Rückblick auf die abschließenden vier Verleihpräsentationen dieser Filmmesse.

Concorde

Um an dieser Stelle die größte (bereits separat berichtete) Neuigkeit voranzustellen: Für Holger Fuchs war es die letzte Tradeshow als Geschäftsführer der Concorde, er verlässt das Unternehmen zum 10. August "auf eigenen Wunsch und in bestem Einvernehmen", wie es in einer Mitteilung hieß. Anmerken ließ er sich dies während der Präsentation indes in keiner Weise - und er kann sich mit einem absoluten Erfolg verabschieden: John Wick: Kapitel 3" pulverisierte mit bislang rund 1,2 Mio. Besuchern die Resultate der Vorgänger. Eine Leistung, für deren gemeinsames Erreichen sich Fuchs ausdrücklich bei den Kinobetreibern bedankte. Vorzustellen hatte er im Rahmen der Tradeshow dann fünf kommende Filme, von denen Concorde gleich drei in kompletter Länge mit nach Köln gebracht hatte, darunter den Science-Fiction-Thriller I Am Mother" mit Hilary Swank und Rose Byrne, in dem eine junge Frau in einer postapokalyptischen Welt mit einem Roboter als vermeintlich einziger Bezugs"person" lebt.

Absolut im Mittelpunkt stand bei Concorde ein weiterer Titel, von dessen Meriten man sich ebenfalls anhand der fertigen Fassung überzeugen konnte: Bei der Vorstellung von Playmobil: Der Film" rückte Fuchs vor allem die extrem prominent besetzte Riege der Synchronsprecher hervor, die neben Matthias Schweighöfer als Agent Rex Dasher unter anderem Christian Ulmen, Oliver Kalkofe, Beatrice Egli, Ralf Schmitz, Michael Patrick Kelly, Felix Neureuther, Regina Halmich oder Kai Blasberg (ja, den Geschäftsführer von Tele 5) umfasst. Die mit einem Millionenbudget versehene Kampagne zähle zu den aufwändigsten, die Concorde jemals lanciert habe. Dementsprechend bat Holger Fuchs die Kinos ebenfalls um Unterstützung und nicht zuletzt einen von "Vernunft" getragenen Einsatz auch in der Abendschiene.

Für 21 Bridges" holte sich Chadwick Boseman die hinter seinen größten Erfolgen (u.a. Avengers: Endgame") stehenden Russo-Brüder als Produzenten an die Seite - und den Game of Thrones"-erfahrenen Brian Kirk als Regisseur. Der Titel des Films geht zurück auf die 21 Brücken Manhattans, die im Film im Zuge der Jagd auf skupellose Verbrecher geschlossen werden. Im Horrorthriller 47 Meters Down: Uncaged" (ebenfalls komplett zu sehen) geraten wiederum vier junge Taucherinnen bei einer Exkursion zu einer versunkenen Stadt in das Territorium einer besonders aggressiven Hai-Spezies.

Der letzte Titel, auf den Fuchs in seiner Rolle an der Spitze der Concorde Lust machen durfte, war der neue Film von Guy Ritchie - und mit dem Gangsterdrama "The Gentlemen" begibt er sich wieder auf ein Terrain, mit dem seine Karriere als Regisseur einst ihren Anfang nahm. Zur prominenten Besetzung zählen Matthew McConaughey, Charlie Hunnam, Colin Farrell, Hugh Grant und Michelle Dockery.

Und dann wurde es Zeit, "Auf Wiedersehen!" zu sagen. Zu entsprechender musikalischer Untermalung überreichte Holger Fuchs eine Replik jenes Flugzeugs, das Herbert G Kloiber einst zur Namensgebung inspirierte, an Bernhard zu Castell, der bei dem aus der Tele München Gruppe, Universum Film, i&u TV und Wiedemann & Berg Film entstehenden neuen Medienkonzern als Chief Distribution Officer die Gesamtverantwortung für den Bereich Distribution übernimmt (wir berichteten). Womit auch gleich die Überleitung zur nächsten Präsentation geschaffen wurde.

Universum

Auch für Universum bedeutete die Filmmesse einen Abschied. Denn wie Bernhard zu Castell erläuterte, werde die Aufstellung der neuen Konzernstrukturen voraussichtlich schon in wenigen Wochen so weit gediehen sein, dass man auch den Namen kommunizieren könne. Bei der Filmwoche München werde dann jedenfalls ein gemeinsames Unternehmen auftreten. Im laufenden Jahr würden sämtliche Concorde-Filme indes noch über Concorde vertrieben, deren Geschäfte von Fred Kogel und Markus Frerker geleitet werden. Nach einem Dank an die Teams von Concorde wie Universum Film gleichermaßen stieg Bernhard zu Castell dann in eine Präsentation ein, die durchaus von seiner geradezu ansteckenden Begeisterung für die kommende Staffel profitierte.

In Bernadette" von Richard Linklater (Boyhood") versucht sich Cate Blanchett als einstige Stararchitektin an einer Art "Reboot" eines Lebens, das sie komplett der Familie unterworfen hatte. Im Thriller 7500" wiederum kämpft Joseph Gordon-Levitt als Pilot einer Verkehrsmaschine gegen skrupellose Terroristen. Die unmögliche Wahl, vor der er steht: Ihnen die Kontrolle über die Maschine überlassen oder weitere Exekutionen hinnehmen? Die Dokumentation "2040 - Wir retten die Welt!" nimmt sich der größten Krise der Menschheit an, ergeht sich jedoch nicht in Schreckens-Szenarien, sondern zeigt - bewusst hoffnungsvoll - Wege aus der Bedrohung auf.

Countdown" fügt dem Horror-Genre eine innovative Prämisse hinzu: Eine leichtfertig auf dem Smartphone installierte App zeigt die Zeit bis zum Tod auf die Sekunde genau an - und dieser Wert fällt für eine Gruppe Jugendlicher deutlich kürzer aus, als erwartet. Vom Grusel- zum Kinderfilm: Auf einer überaus populären Spielzeugmarke (der gleichnamigen Figurenreihe von Schleich) basiert Bayala - Das magische Elfenabenteuer". Der kleine Rabe Socke - Suche nach dem verlorenen Schatz" ist wiederum bereits der dritte Teil der Erfolgsreihe. Natürlich wieder mit Jan Delay als Stimme der Titelfigur und Dieter Hallervorden neu in einer Sprecherrolle.

Auf rund 100.000 Kinobesucher brachte es das Anime "Your Name" in Deutschland - und das in AC-Auswertung. Voraussichtlich im Winter 2020 holt Universum auch den Nachfolger Weathering With You" nach Deutschland. Bei seinem Start in Japan stellte das Sequel den Vorgänger übrigens in den Schatten.

Action gehört für Universum seit jeher zum "Brot- und Buttergeschäft" - und nach Köln hatte man drei besonders vielversprechende Titel mitgebracht: Angel Has Fallen" mit Gerard Butler folgt auf Olympus Has Fallen" und London Has Fallen" und wurde bei der Filmmesse auch in kompletter Länge gezeigt. Dies blieb Rambo: Last Blood", der nicht mehr rechtzeitig fertig wurde, leider verwehrt - denn beileibe nicht nur Bernhard zu Castell zählt diesen Film offenbar zu seinen (kommenden) Favoriten. Mit Midway - Für die Freiheit" tritt Roland Emmerich schließlich ein wenig in die Fußstapfen von Michael Bay und inszeniert ein Werk, das nicht umsonst Erinnerungen an Pearl Harbor" weckt - sich dabei aber auf noch fortgeschrittenere Tricktechnik verlassen kann. Den abschließenden Höhepunkt setzte man mit dem Mystery-Krimi Knives Out", der zwar noch nach einem deutschen Titel sucht, aber schon jetzt mit der Starbesetzung um Daniel Craig, Chris Evans, Jamie Lee Curtis, Michael Shannon, Toni Collette und Don Johnson punkten konnte.

DCM

Rasant wurde in die Präsentation von DCM gestartet - mit packenden Szenen aus dem Leben eines Ausnahme-Rennfahrers. Die Dokumentation Schumacher" sollte ursprünglich Anfang Dezember in die Kinos kommen, verschiebt sich nun jedoch auf 2020, nachdem die Zusammenarbeit mit der Familie von Michael Schumacher so vertrauensvoll ausfiel, dass mehr Material als erwartet entstanden sei, wie Dario Suter betonte. Ebenfalls einen Blick auf einen Sportler, der einst seinesgleichen suchte, wirft Diego Maradona". Die Dokumentation, die Aufstieg und Fall der Fußball-Ikone beleuchtet, gleicht laut Suter einer "modernen Version einer griechischen Tragödie" - und spreche damit auch Besucherschichten an, die mit dem Kampf um das runde Leder erst einmal keine allzu große Leidenschaft verbindet.

Seit dem Start von Astrid" im Dezember vergangenen Jahres habe DCM mit seinen Filmen rund eine Mio. deutsche Kinobesucher erreicht, freute sich Suter in Überleitung zum nächsten Titel. Die Komödie Get Lucky - Sex verändert alles" mit Paulina Rojinski soll die Erfolgsgeschichte jedenfalls nicht nur fortsetzen, sondern noch ausbauen. Dass die Teenie-Komödie nicht so platt ist, wie man womöglich angesichts des Titels befürchten könnte, demonstrierte nicht nur der Trailer, sondern auch die Tatsache, dass Vision Kino den Film begleitet. In Suicide Tourist", von Jonas Alexander Arnby checkt Nikolaj Coster-Waldau als Tumorpatient in ein Hotel ein, dass betreuten Suizid anbietet - und geht damit eine Verpflichtung ein, aus der es keinen Check-Out mehr geben soll...

Abgerundet wurde die DCM-Show mit einem echten Knaller: Ersten Szenen aus Lindenberg! Mach Dein Ding" von Hermine Huntgeburth, in dem Jan Bülow als Darsteller von Udo Lindenberg im wahrsten Sinne des Wortes die Leinwand rockt.

Paramount

Ehrlich jetzt? 25 Jahre soll es also schon her sein, dass ich mich einst in einem Kalifornien-Urlaub für einen Film entschied, dessen Titel mir absolut nichts sagen wollte, dessen Hauptdarsteller einen Kinobesuch aber angeraten erscheinen ließ? 25 Jahre, seit ich mich in einem dunklen Saal ernsthaft durch eine halbe Packung Taschentücher schneuzen musste - und das nicht etwa, weil ich gesundheitlich angeschlagen gewesen wäre... Dass irgendeiner der Fachbesucher im vollen Saal 4 des Cinedom den Schuldigen hierfür nicht kennt, ist praktisch nicht denkbar - aber Forrest Gump" zum Jubiläum im Oktober noch einmal auf der großen Leinwand begrüßen zu können, jedenfalls eine Freude.

Von einem ganz großen Klassiker zu einem Film, der nicht zuletzt in technischer Hinsicht Maßstäbe setzen will - und man konnte es nur ausdrücklich begrüßen, dass sich die Kinobetreiber nach einer ersten Demonstration bei der CineEurope nun auch im RGB-Laser-bewehrten Cinedom einen unmittelbaren Eindruck von Gemini Man" in seiner HFR-3D-Fassung mit 60 fps machen konnten. Beeindrucken kann jedenfalls schon einmal die Tricktechnik, mittels derer Regisseur Ang Lee in diesem Actionthriller Will Smith gegen einen jüngeren Klon antreten lässt.

Paramount zählt zu den frühen Unterstützern der App SoundFi, die es mittels Smartphone und Kopfhörer erlaubt, Dialoge im Kino auch in anderen als der Hauptsprachfassung zu hören. Wie Tobias Riehl bei der Präsentation ausdrücklich betonte, bietet man als einen der ersten Titel den Horrorthriller Crawl" entsprechend an. Genrespezialist Alexandre Aja entfesselt hier riesige Alligatoren in einer von einem Hurrikan überfluteten US-Kleinstadt.

Als eine Art kindgerechte Variante großer Abenteuerfilme wie Jumanji" oder "Indiana Jones" könnte man Dora und die goldene Stadt" betrachten. Der Film bedient sich aber nicht etwa nur bei fremden Vorbildern - vielmehr basiert der aufwändige Abenteuerfilm auf einer enorm populären Zeichentrickserie rund um die junge Entdeckerin Dora. Spaß für die ganze Familie verspricht auch Chaos auf der Feuerwache" - und der Titel ist hier Programm. Denn ein von John Cena angeführte Truppe von Elite-Feuerwehrmännern gerät an eine Aufgabe, die sie mehr fordert als jeder Waldbrand: verirrte Kinder.

(Nicht nur) Games-Enthusiasten ist Sonic the Hedgehog" selbstverständlich ein Begriff. Schließlich hat es kaum ein anderer Charakter zu ähnlicher Popularität gebracht wie der blaue Igel, der selbst knapp 30 Jahre nach seinem Debüt noch regelmäßig in neuen Spielen auftritt. Die in Köln gezeigten Ausschnitte legten (auch weil am finalen Look der Titelfigur noch gearbeitet wird) indes den Fokus auf seinen Widersacher Dr. Robotnik, verkörpert von Jim Carrey.

Blieb, nach einem kurzen Blick auf kommende Titel wie "Der Prinz aus Zamunda 2", A Quiet Place 2", Monster Problems", "The Lovebirds" und "Dungeons & Dragons", noch ein finales Highlight: Das Leinwand-Debüt des bislang nur online zu sehenden Trailers zu "Top Gun: Maverick". Ein würdiger Abschluss des Tradeshow-Reigens, der einfach nur eines war: Top!