Kino

Thomas Negele: "Ans große Ganze denken"

Probleme erkennen und Lösungen finden: Das ist das Credo von Thomas Negele. Nach 15 Jahren an der HDF-Spitze zieht er im Gespräch mit Blickpunkt:Film Bilanz. Als ihr neuer Präsident will er die SPIO als eine Art Think Tank nutzen und bei der FFG-Novelle echte Innovationen durchsetzen.

02.08.2019 08:29 • von Jochen Müller
Thomas Negele (Bild: HDF)

Probleme erkennen und Lösungen finden: Das ist das Credo von Thomas Negele. Nach 15 Jahren an der HDF-Spitze zieht er im Gespräch mit Blickpunkt:Film Bilanz. Als ihr neuer Präsident will er die SPIO als eine Art Think Tank nutzen und bei der FFG-Novelle echte Innovationen durchsetzen.

Sie sind 2004 an die Spitze des HDF Kino gewählt worden. Stand für Sie fest, nach 15 Jahren den Stab weiter zu geben, oder hat Sie die Aussicht gelockt, als Präsident der SPIO mehr bewegen zu können?

Thomas Negele: Nach 15 Jahren ist es wirklich gut, wenn jemand Neues den Vorsitz beim HDF übernimmt, weniger deswegen, weil die Aufgabe nicht spannend ist, denn die Themen sind in dieser disruptiven Zeit ganz im Gegenteil so vielfältig und anspruchsvoll wie selten zuvor. Man muss wirklich Lösungen anbieten, etwas das mir schon immer Spaß gemacht hat. Aber die Arbeit beim HDF ist immer mehr und immer kleinteiliger geworden. Ich hatte kaum noch Zeit für meine eigenen Firmen, weil ich zu 100 Prozent für den Verband gearbeitet habe. Was noch schwerer wiegt: Nur wenn man in Ruhe über die Herausforderungen nachdenken kann, kommt man wirklich weiter. Aber die täglichen Erfordernisse sind so vielfältig und anspruchsvoll, dass man kaum dazu kommt, in Strukturen zu denken, mit Blick auf die nächsten fünf bis zehn Jahre. Das ist aber elementar wichtig. Und ich habe zu lange ohne zweiten Mann gearbeitet. Seit der Vorstand wieder besetzt ist, lässt sich alles viel leichter bewerkstelligen. Überhaupt wird meine Nachfolgerin Christine Berg eine gute Truppe vorfinden, mit dem Vorstand Martin Turowski, Carolin Lindenmaier für die politische Kommunikation, und vor allem mit Anke Römer, die den Haushalt mit Fatih Örs schmeißt, und nicht zu vergessen die Büro- und Vorstandsassistenz mit Sophie Deutschendorf und Jonas von Fehrn-Stender. Die sind jung und dynamisch und bilden ein gutes Team, um die Vielfalt an Arbeit zu bewältigen. Schon bewährt und gut weiter entwickelt hat sich das Kongressteam mit Michael Leinhoß und Janine Masternak. Letztlich gilt mein großer Dank im Besonderen auch Astrid Artelt für 14 tolle Jahre Zusammenarbeit.

Wie fällt Ihre Bilanz nach 15 Jahren aus. Konnten Sie umsetzen, was Sie sich vorgenommen hatten?

Thomas Negele: Ich hatte nicht gedacht, dass es so viel umzusetzen geben würde. Als ich anfing, war von den Herausforderungen auf europäischer Ebene noch keine Spur, und das Kinogeschäft lief für alle Seiten so ruhig und zufriedenstellend, dass man sich eher mit Leihmietendiskussionen herumgeschlagen hat als mit wirklich existenziellen Fragen. Schon gar nicht stellte sich die Frage, ob es mit dem Kino noch weiter geht. Das hat sich geändert. Aber ich wäre auch nicht so lange geblieben, wäre nicht die Zeit so spannend für mich geworden. Als Unternehmer bin ich ein Lobbyist, der immer Lösungen anbietet, das Problem erkennt und der Politik Handlungsvorschläge macht, die gleichzeitig den Nutzen für jeden beschreiben. Für mich war es wesentlich, nicht zu jammern und um Geld zu bitten, sondern für ein Problem einen Lösungsansatz zu finden, bei dem am Ende für alle ein Mehrwert herauskommt. Das war der Grund, dass ich fast immer alles bekommen habe. Bei der letzten FFG-Novelle etwa habe ich durchbekommen, was ich erreichen wollte. Und auch beim Zukunftsprogramm Kino ist man mir bis auf die Höhe doch wieder gefolgt.

Was sind die besonderen Errungenschaften oder Verdienste während Ihrer Amtszeit? Auf welche sind Sie besonders stolz?

Thomas Negele: Ich will nicht zu kleinteilig werden, aber da gibt es viele Punkte. Zu Beginn meiner Amtszeit galt es vor allem, die beiden Kinoverbände wieder zusammen zu führen. Das war eine harte Zeit. Danach kam schon das große Hochwasser. Mit vier Millionen Euro hat die Politik die Kinos unterstützt. Bei meiner ersten FFG-Novelle habe ich es hinbekommen, dass die Kinodarlehen zu dreißig Prozent als Zuschuss vergeben wurden, und für die Möglichkeit gesorgt, dass Altdarlehen umgewandelt werden konnten. Dann ist es gelungen, den Ort Kino in das Gesetz zu schreiben. Auch konnte das Kinofenster in der erforderlichen Länge festgeschrieben werden, auch wenn es flexibel gehandhabt werden kann. Eine prägende Zeit für mich waren auch die vier Jahre bis zur Entscheidung über die Verfassungsklage gegen das FFG. Diese Zeit war ziemlich hart, weil alle gegen einen waren. Und jeder hatte Angst, dass alles zusammen bricht, wenn die Klage durch geht, was sicher nicht der Fall gewesen wäre, um das so deutlich zu sagen. Aber Angst essen Seele auf, und viele sehen auch heute noch nur ihren Betrieb und nicht das große Ganze.

Macht Ihnen dieser Blick aufs Ganze den Wechsel zur SPIO leichter?

Thomas Negele: Es reizt mich schon, dass ich bei der SPIO ans große Ganze denken darf. Wenn es eine Erkenntnis in der disruptiven digitalen Welt gibt, dann die, dass man in größeren Einheiten oder Zusammenhängen denken muss. Für kleine und mittlere Kinos kann das eine Genossenschaft sein, die sich aber mit den größeren zusammen tun muss, um etwas bewegen zu können. Ganz generell muss man sich aber fragen, wo in Zukunft vor allem der lokale Content für die Kinos herkommt? Erfolgreicher Content für die Kinos entsteht, wenn sich Verleih, Kino und Produktion gemeinsam mit den Kreativen auf den Weg machen, um Produkte herzustellen, die vermarktbar sind, damit die Erlösstruktur der Kinos nicht nur bestehen bleibt, sondern sich von heute 1,8 Mrd. Euro Gesamteinnahmen auf drei Mrd. in den kommenden Jahren verbessern kann. Vermarktbare Produkte sorgen auch dafür, dass Produzenten und Verleiher mehr Geld verdienen. Deswegen ist auch bei der Förderung eine Strukturreform notwendig. Wo wir schon dabei sind, muss man klar konstatieren, dass die Kinos nur zwei Quellen für Content haben: Das sind amerikanische Filme, ob von den Studios oder den Independents, und das sind deutsche bzw. europäische Produktionen. Von den großen Streamingplattformen wie Netflix bekommen wir kein Produkt unter Beachtung unserer Exklusivität. Bei Amazon ist das noch anders, aber da müssten die Kinos Ansprechpartner sein. Wir können noch nicht einmal einen gemeinsamen Ansprechpartner für Amazon für Deutschland benennen. Da muss sich etwas tun.

Was ist beim Blick zurück nicht gelungen? Gibt es Enttäuschungen oder Versäumnisse?

Thomas Negele: Große Enttäuschen habe ich nicht erlebt. Tatsächlich muss ich mich bei BKM und den Ländern bedanken, weil sie dem Kino schon immer sehr zugetan sind. Man weiß um die Wichtigkeit dieses Ortes in der digitalen Zeit. Es ist schön, dass selbst der Präsident der Filmakademie, Ulrich Matthes, sagt, dass man den Ort Kino nie vergessen darf, dass er wahnsinnig wichtig ist für die Entwicklung der Gesellschaft, für die Kultur, in den Städten und auf dem Land. Das den Politikern noch stärker begreiflich zu machen, ist eine schöne Aufgabe. Ich bin niemand, der in die Vergangenheit schaut, denn was gestern war, kann ich nicht mehr ändern. Es gilt jetzt den Leuten klar zu machen, dass man dem Kino helfen muss. Wenn die Kinoerlöse wegfallen, ist die Erlösstruktur für die gesamte Produzentenlandschaft, für die Verleiher und die Kreativen bedroht. Wenn es Kino nicht mehr geben würde, wäre jede neue Produktion nur ein weiterer Film, der im Netz auftaucht.

Was sind für Sie die gravierenden Unterschiede in der Situation der Kinos damals und heute?

Thomas Negele: Man muss einfach sehen, dass sich das Sehverhalten wirklich verändert hat. Man ist jetzt bereit, ein Fußballspiel auf dem iPhone anzusehen, und man kann es jederzeit und überall anschauen. Früher hat man die tollen Produkte nur bei uns bekommen, oder im öffentlich-rechtlichen oder privaten TV. Dieses "jederzeit, überall und möglichst umsonst" ist eine neue Lebenskultur, aber auch eine neue Seuche. Jetzt geht es darum, klar zu machen, dass Kino eine echte Alternative ist, wichtig auch für die Orientierung in unserer Gesellschaft. Im Netz kann man mit einem Fake alles Mögliche anrichten. Keiner kann widersprechen. Im Kino trifft man auf Menschen, auf Gleichgesinnte, hier kann man diskutieren, sich orientieren, auf andere Lebensentwürfe treffen. Ich glaube, dass es eine Rückbesinnung darauf gibt, was den Menschen ausmacht. Kino ist ein schöner Ort, um ihn da abzuholen, ein Kurzurlaub auf Stunden, auf digitalem Niveau. Aber dann muss der Ort auch mehr sein als nur Film.

Sehen Sie das Kino in der Krise?

Thomas Negele: Das Wort Krise ist für mich ein Non-Wort. Krise gibt es nicht, es gibt nur etwas, das man nicht bedacht hat, wenn man Unternehmer ist. Im Prinzip haben wir uns zu lange ausgeruht. Dieser Blick nach vorne, die Zeit, die sich jeder Kinobetreiber nehmen muss, um zu überlegen, wohin sich sein Markt entwickelt, diese Zeit haben die meisten nicht investiert, weil sie mit ihrem täglichen Geschäft zu beschäftigt waren. Genau das habe ich beim HDF gemacht. Ich habe immer versucht, auf unser Geschäft zu blicken, als wäre ich kein Kinoinhaber. Darauf habe ich meine Arbeit und meine Vorschläge im Verband aufgebaut. Daraus haben sich neue Ansätze wie diese Genossenschaft ergeben, die so wichtig ist, weil wir auf eine gemeinsame Plattform gehen müssen, große, mittlere oder kleine Betreiber, um Nichtkinogänger wieder zu erreichen mit B-to-B-Geschäften, und Kinogänger digital so zu erfassen, damit wir uns mit Netflix oder Amazon zumindest in Ansätzen messen können.

Können sich die Kinos in der digitalen Konkurrenz behaupten?

Thomas Negele: Wenn wir das digitale Niveau erreichen, um mit unseren Kunden zu kommunizieren und die Modelle, die uns vorschweben, umzusetzen, wie Dynamic Pricing, Wunschkino oder Gaming im Kino, dann werden sich die Kinos behaupten. Wenn der Ort Kino stimmt, wenn er zukunftsorientiert ist, von der technischen Einrichtung bis zur digitalen Kundenansprache, dann ja. Und wenn der Content stimmt! Wir sind reiner Verwerter. Die Gamer treiben eine Technologie voran. Das haben wir früher auch gemacht. Wir müssen wieder für Innovation stehen. Darüber müssen wir nachdenken und dieses Feld wieder neu aufmachen.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Zukunftsprogramm Kino? Reicht die finanzielle Ausstattung, um die Kinos zu unterstützen?

Thomas Negele: Natürlich reicht das Geld nicht. Über eine Erhöhung wollen wir mit den Abgeordneten auch noch reden. Aber im Prinzip bin ich dankbar, dass das BKM jetzt einen Betrag im Haushalt festgeschrieben hat. Dankbar bin ich auch, dass die Ministerin die gesamte Fördersumme im Blick hat, und Überlegungen anstellt, mit Hilfe der FFA und weiteren Ansätzen den ganzen Betrag zu erreichen. Gleichzeitig diskutieren wir darüber, dass ein Kinofilm auch eine gewisse Qualität haben muss, die sich nicht mit drei Mio. Euro Produktionsbudget realisieren lässt. Zusätzlich muss von Anfang an die Herausbringung mit 30 Prozent auf die Herstellungskosten mitgedacht werden. Wenn also ein Kinofilm sechs Mio. kostet, sind weitere 1,8 Mio. erforderlich, um ihn am Markt sichtbar zu machen. Darüber hinaus muss eine Art Drehbuchpool gewährleistet sein, damit wir überhaupt Stoffe fürs Kino bekommen. Dafür müssen die Drehbuchautoren so bezahlt werden, dass sie davon leben können. Ein Produzent muss auch mal drei, vier Drehbücher wegwerfen können und nicht gezwungen sein, von zwei Büchern eins verfilmen zu müssen, um von Handlungskosten und Producers Fee leben zu können. Produzenten müssen von Anfang an am Einspiel beteiligt sein, damit sie Geld verdienen können und ein vitales Interesse am Erfolg ihres Films haben. Auch die Bedingungen für die Verleiher müssen verbessert werden.

Das sind aber schon Punkte, die bei der Novellierung des FFG bedacht werden müssen.

Thomas Negele: Ja, genau. Aber sie sind elementar, um eine neue Struktur zu schaffen, um wirklich tollen Content zu bekommen. Es ist schon erschreckend, wenn man sieht, dass nur mit den erfolgreichsten 15, 20 geförderten Filmen weit über zwei Drittel des Umsatzes mit deutschen Filmen erzielt wird. Da gibt es aber Leute, die gutes Kino machen können, und man muss sehen, dass nicht alle zu Netflix gehen. Es besteht ein Nachfragemarkt, den wir beachten müssen. Wir müssen an Qualität zulegen, um mit besserem Kinocontent die Erlösstrukturen auf 3 Mrd. zu verbessern, und wir müssen die guten Leute an uns binden und anders bezahlen. 440 Mio. Euro gehen in die Förderung, 230 Mio. davon nur in die Förderung von Kinofilmen, das ist nicht wenig, aber es bedeutet, dass wir weniger Filme machen können. Das kann man nur ändern, wenn man Finanzierungsstrukturen schafft, die auch für Private Equity interessant sind. Dann muss der Produzent nicht von vornherein alle Rechte hergeben, und man zwingt den Verleih nicht, Minimumgarantien abzugeben. Solche Konzepte müssen jetzt angedacht werden, das finde ich spannend, an solchen Konzepten bin ich interessiert, und das ist auch der Grund, warum ich die neue Aufgabe bei der SPIO angenommen habe.

Was sind heute die besonderen Herausforderungen, um ein Kino erfolgreich zu betreiben?

Thomas Negele: Die wichtigsten Punkte sind qualitativer Content und eine funktionierende digitale Kundenansprache. Kino braucht herausragenden Content - und den exklusiv. Das exklusive Fenster ist für uns elementar. Die Exklusivität kann dann anders gehandhabt werden, wenn genügend gute Ware vorhanden ist, um die Reichweite von Kino wieder um 30, 40 Prozent zu erhöhen, also die verlorenen zehn Mio. Kinogänger zurückgewonnen sind und wieder mindestens 35 Mio. der Deutschen regelmäßig ins Kino gehen. Für die digitale Kundenansprache brauchen wir Glasfaserkabel. Der Staat muss verstehen, dass der Ort Kino als allererstes eine Glasfaseranbindung braucht, um in der digitalen Welt mitspielen können. Und natürlich muss das Haus in einem guten Zustand sein. Dann ergeben sich Geschäftsmodelle von ganz alleine. Wenn man viele Besucher erreicht, können Kinos über die Genossenschaft auch Kinofilme mitfinanzieren, vielleicht mit einem Anteil von zehn oder zwanzig Prozent. Das ist noch ein weiter Weg, aber die Kinobetreiber müssen stärker Verantwortung für den lokalen Content übernehmen, sich als Deutschland AG begreifen. Natürlich müssen sie zuerst wieder Rücklagen bilden können, aber danach sind solche Modelle durchaus denkbar.

Was haben Sie sich in Ihrer neuen Aufgabe vorgenommen?

Thomas Negele: Die Erlösrückgänge im letzten Jahr zwischen 18 und 23 Prozent waren heftig und haben dazu geführt, dass die Branche darüber nachdenken muss, stärker zusammenzurücken. Die SPIO bildet den perfekten Rahmen, um miteinander zu reden und vielleicht zu einem neuen Grundsatzpapier zu kommen. Die Branche versteht zum ersten Mal, dass sie ihr eigener Unternehmensberater sein muss. Gerade im Bereich der Förderung kann das der Staat nicht vorgeben, auch wenn er zu tun versucht, was am besten ist. Von den Produzenten ist zu hören, dass sich das Herstellen von Kinofilmen für sie nicht lohnt, dass sie viele produzieren müssen, um von Handlungskosten und Fee leben zu können. Die Verleiher beklagen, dass sie ihre Minimumgarantie nicht mehr einspielen. Wir müssen gemeinsam über neue Modelle nachdenken.

Wie sehen Sie die Rolle der SPIO für die Zukunft?

Thomas Negele: Ich habe mir vorgenommen, mit Hilfe meiner Kollegen im Präsidium - und ich bin dankbar, dass hier alle aktiv sind und ich in Christian Sommer einen tollen Vizepräsidenten habe - eine Struktur für die SPIO zu finden, die sie auf verschiedenen Feldern gut aufstellt. Die SPIO eignet sich hervorragend zu einer Art Think Tank für die Zukunft, in dem wir Marktentwicklungen schon im Vorfeld miteinander diskutieren können, und nicht erst wenn sie eingetreten sind. Statt zu reagieren, wollen wir agieren. Die SPIO ist und bleibt sehr aktiv in der EU, um unsere Themen den deutschen Europa-Abgeordneten näher zu bringen. Und natürlich bleiben Jugendschutz, die FSK und das neue Selbstklassifizierungstool bestimmende Themen. Für die Zukunft gilt es zu überlegen, wie man in diese Spitzenorganisation auch die neuen Player holt, und es gilt gemeinsame Interessen mit den TV-Sendern auszuloten und dort neue Brücken zu bauen.

Werden Sie in Ihrer neuen Funktion einen besonderen Blick auf die Situation der Kinos behalten?

Thomas Negele: An meine Kinokollegen werde ich immer denken, schon weil ich selbst Kinos betreibe. Aber Lösungen findet man meines Erachtens immer nur, wenn man den Gesamtmarkt betrachtet.

Und was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Thomas Negele: Ich wünsche mir nur Gesundheit. Und ich wünsche mir, dass wir bei dieser Novelle des FFG echte Innovationen durchbekommen, die das Produkt für alle verbessern und die Erlösstrukturen verändern. Das ist essentiell für den deutschen Markt. Kino ist Kulturort, und als solchen muss man ihn verstehen. Und dann habe ich die verdammt Pflicht und Schuldigkeit dafür zu sorgen, dass der deutsche Contentmarkt, die Produktion und Herausbringung von Content, auf ein Niveau gehoben wird, dass diese Produkte den Kinos und allen Beteiligten Wachstum bescheren und später auch noch gut ins Ausland verkauft werden können. Aber zuerst muss wieder richtig Umsatz in den Kinos erzielt werden. Darauf basiert alles andere.

Das Gespräch führte Ulrich Höcherl