Kino

Krise bei französischer Filmförderungsbehörde CNC

Es ist der (beinahe erwartete) Paukenschlag: Frédérique Bredin hat gestern Nacht ihr Amt an der Spitze des CNC niedergelegt. Hintergrund ist nicht zuletzt ein Streit um eine mögliche Reform der Behörde, die tiefgreifende Einschnitte bedeuten könnte.

11.07.2019 17:53 • von Marc Mensch
Frédérique Bredin hat im Streit um eine Reform des CNC hingeworfen (Bild: Unifrance)

Nach zwei Amtszeiten ist Schluss für Frédérique Bredin als Vorsitzende der französischen Filmförderungsbehörde CNC. Bredin, die zum 15. Juli 2013 Eric Garandeau abgelöst hatte, kündigte gestern Nacht an, ihr Amt mit sofortiger Wirkung niederzulegen. Der Schritt erfolgte, nachdem sich eine Ministerratssitzung am Mittwoch nicht auf eine dritte dreijährige Amtszeit Bredins hatte festlegen wollen. Ihr Vertrag wäre an diesem Wochenende ausgelaufen, Bredin hätte zunächst interimsmäßig auf ihrem Posten verweilen sollen. Dementsprechend wurde auch noch kein(e) Ersatzkandidat(in) benannt, weswegen das CNC zunächst von Geschäftsführer Olivier Henrard geleitet werden soll, der aber offenbar nicht zu Entscheidungen ermächtigt ist, die der Vorsitzenden obliegen.

Französische Medien sprechen von einem Timing, das nicht schlechter sein könnte. Denn im Hintergrund steht eine Auseinandersetzung über eine grundsätzliche Reform der Behörde. Bredin hatte sich überaus entschieden gegen Vorstöße der Parlamentarier Marie-Ange Magne und Céline Calvez aus Macrons Regierungspartei En Marche! ausgesprochen, die der Förderung des CNC in einem Papier zu geringe Effizienz bescheinigten und radikale Reformen forderten.

So solle nicht nur das CNC-Budget unabhängig von den Zuflüssen der verschiedenen Formen der Filmabgabe (die zuletzt über 80 Prozent des CNC-Jahresbudgets ausmachten) gedeckelt werden, sondern die Abgabe solle künftig auch nicht mehr direkt vom CNC, sondern dem Finanzministerium erhoben werden. Zudem solle die Förderung nicht mehr länger nur dem Kinosektor zufließen, sondern auch ins TV wandern.

Zwar hat sich Kulturminister Franck Riester klar gegen diese Vorschläge ausgesprochen, beruhigen konnte er die aufgebrachten französischen Filmschaffenden damit aber nicht. Die Debatte dürfte der deutschen Branche allzu bekannt vorkommen. So hatte Calvez unter anderem bemängelt, dass über die Hälfte der jährlich im Kino gestarteten lokalen Produktionen keine 50.000 Besucher im Heimtaland erreichen würden. Über 800 Filmschaffende entgegneten dem in einem kürzlich publik gemachten offenen Brief, dass eine Erfolgsbewertung nicht nur anhand der Kinoergebnisse angestellt werden dürfe - und dass zahlreiche Filme einen nicht in nackten Zahlen messbaren kulturellen Wert besäßen. Die Vielfalt, so der Brief, mache die Stärke des heimischen Kinomarktes aus.

Aus deutscher Sicht lässt sich jedenfalls nur sagen: Hätten wir hierzulande einen lokalen Marktanteil von 39,5 Prozent, wie UNIC dies Frankreich für 2018 bescheinigte, hätte sich so manche Debatte über die Ineffizienz des Fördersystems erledigt. Wobei man natürlich ergänzen muss, dass das CNC alleine im vergangenen Jahr über ein Budget von über 800 Mio. Euro verfügte...

Als möglicher Kandidat für die Nachfolge Bredins wird übrigens Produzent Dominique Boutonnat gehandelt, der sich gegenüber der Regierung in einem Bericht für eine stärkere private Finanzierung des audiovisuellen Sektors ausgesprochen hatte.