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Serienpanel: "Die Schätze werden gehoben"

Mit den Auswirkungen des Serien-Hypes setzte sich ein Filmfest-Panel von Arri Media auseinander. Eine Zeit der großen Chancen, aber auch noch abzustimmender Rahmenbedingungen mit den Streaming Diensten.

08.07.2019 18:08 • von Frank Heine
Die Panelteilnehmer: Sven Nuri, Robert Marciniak, Corinna Mehner, Gabriele Pfennigsdorf, Jana Burbach, Josef Reidinger, und Moderator Michael Neubauer vom BVK (Bild: Arri Media)

Eine sehr gefragte Gesprächspartnerin ist derzeit Jana Burbach, die zum Autorenteam des Serienerfolgs Bad Banks" gehört und auf dem von Arri Media veranstalteten Panel "Spielfilm, Serie - alles unter einem Dach. Was passiert durch den Serienhype?" über ihre Erfahrungen aus diversen Writers' Rooms berichtete. Für Burbach, die ursprünglich aus dem Theater kommt, bedeutet die Arbeit im Team keine Umstellung ("Ich wollte es so"). Zu den großen Vorzügen der Arbeit in der Gruppe zählt sie, dass individuelle Stärken viel mehr zum Vorschein kommen. "Nicht jeder Autor ist in allen Bereichen gleich gut, der eine ist stark im Plotten, die andere bei Dialogen." Trotzdem sind hierarchische Strukturen wichtig. "Es gibt immer jemanden, der den Raum anleitet, die Diskussionen führt", meist der Headautor oder der Showrunner. Amerikanische Writers Room-Modelle seien nicht 1:1 auf den deutschen Markt anwendbar, lautet eine weitere Erfahrung Burbachs. Zudem gebe es Größenunterschiede: Sieben bis acht Autoren sind in den USA nicht unüblich, die Standardgröße eines deutschen Writers Rooms liege bei drei Autoren.

Zu den Profiteuren des Serienhypes gehört auch der Postproduktionsbereich. Dabei geht es nicht nur um eine höhere Auslastung. Sven Nuri, Postproduction-Supervisor u.a. bei Dark" und Ballon", freut sich über eine cineastischere Art des Arbeitens und eine höhere Wertschätzung seiner Tätigkeit. Inzwischen rücke man viel näher an die physische Produktion heran und werde früher in die Projekte eingebunden - "das macht Spaß!"

Die Produzentenseite wurde durch Corinna Mehner von Blue Eyes Fiction und Robert Marciniak von Lieblingsfilm vertreten. Die beiden unabhängigen Firmen fielen bislang verstärkt durch ihre Kinofilme auf, für Lieblingsfilm ist die Serienproduktion gänzlich neues Terrain. Mehner empfindet die neuen Entwicklungen auf dem Markt als "tolle Gelegenheit", weil sich viele Türen öffneten. Marciniak spricht von "tollen Chancen", weil man Geschichten erzählen und Genres bedienen könne, wie sie im Kino nicht möglich seien. Gleichzeitig wird die Produzententätigkeit arbeitsintensiver. Ihr Adressbuch habe sich verachtfacht, so Mehner und die Fianzierungsarten änderten sich, europaweit. Der Fachkräftemangel macht sich bemerkbar. Mit Autoren werden feste Verbindungen eingegangen, Investitionen in die Ausbildung spielen eine große Rolle. Bei Lieblingsfilm hat man sich personell noch einmal verstärkt, um den Schritt in den Serienbereich zu vollziehen. Ein mit Risiko behafteter Schritt, wie Robert Marciniak deutlich machte, der hoher finanzieller und zeitlicher Ressourcen bedarf. Dass sich das erhöhte Arbeitspensum finanziell niederschlagen würde, davon kann noch nicht die Rede sein. Der Tenor von Produzenten, die bereits mit Streamern zusammenarbeiteten: Die Rahmenbedingungen und die Anforderungen ans Team sind hart. Gastgeber Josef Reidinger, Geschäftsführer von Arri Media, bekräftigte, dass es noch einer Abstimmung der Rahmenbedingungen bedarf. Er verlangt Maßgaben vor allem von Produzentenseite. Am Ende könne ein Budgetrahmen nicht durch Einsparungen in der Postproduktion gehalten werden - "das schadet unserem Ruf".

Auch in der Filmförderung macht sich der Serinehype bemerkbar. Beim FFF Bayern wurden zu Jahresbeginn die Richtlinien dahingehend verändert, dass inzwischen auch für Serienprojekte Entwicklungsförderung beantragt werden kann. FFF-Vizechefin Gabriele Pfennigsdorf machte aber auch auf die Konkurrenz, in der alle Formate zueinander stehen, aufmerksam: "wenn man das eine mehr tut, muss man das andere stärker lassen." Mehr Serien- = weniger Kinofilmförderung lautet die Gleichung. Weil der Hauptfördertopf nur Produktionen mit einem Sender als Koproduzenten und mit linearer Ausstrahlung vorbehalten ist, können Produktionen für einen Streaming-Dienst nur Gelder aus dem "Nebentopf" für internationale Produktionen beziehen.

Dass sich die Streamer inzwischen auch in Deutschland so entfalten, liege -so der einhellige Tenor auf dem Podium - an der hohen Qualität - inhaltlich und technisch deutscher Produktionen in all ihren Bereichen, an der Qualität der Kreativen und ihrer Arbeit. "Und diese Schätze werden jetzt gehoben, das ist ein unheimlich schöner Prozess", resümierte Josef Reidinger.