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Dietmar Güntsche zum CineCoPro Award: "Eine beachtliche Summe"

Heute wurde im Rahmen des Filmfest München erstmals der CineCoPro Award vergeben. Dietmar Güntsche, Geschäftsführer von Weltkino sowie der Neuen Bioskop, bildete zusammen mit Regina Ziegler und Bero Beyer die Jury. Im Nachgefragt erzählt er über die Arbeit und warum internationale Koproduktionen stärker gefördert werden müssten.

05.07.2019 15:45 • von Thomas Schultze

Heute wurde im Rahmen des Filmfest München erstmals der CineCoPro Award vergeben. Dietmar Güntsche, Geschäftsführer von Weltkino sowie der Neuen Bioskop, bildete zusammen mit Regina Ziegler und Bero Beyer die Jury. Im Nachgefragt erzählt er über die Arbeit und warum internationale Koproduktionen stärker gefördert werden müssten.

Internationale Kinokoproduktion ist ein wichtiger Bestandteil produzentischer Arbeit in Deutschland - das wird jetzt erstmals in Deutschland mit einem Preis gewürdigt. Das wird vielen Produzenten aus der Seele sprechen.

Dietmar Güntsche: Unbedingt. 100.000 Euro Preisgeld sind eine beachtliche Summe. Ich weiß gar nicht, wo es einen so hoch dotierten Preis sonst noch gibt. Gerade bei diesen kleineren, schwieriger zu finanzierenden Filmen, deren Entstehung oftmals ein fortwährender Sisyphos-Kampf ist, ist das eine Summe, mit der sich wirklich etwas bewegen lässt.

Neun Filme standen im ersten Jahr des CineCoPro Award zur Auswahl. Was ist Ihnen aufgefallen?

Dietmar Güntsche: Erst einmal war es eine starke Auswahl. Sicherlich gab es noch eine ganze Reihe anderer Filme, die mit deutscher Beteiligung entstanden sind, die eine Option gewesen wären. Aber gerade angesichts der Tatsache, dass der Preis doch sehr kurzfristig zu Stande gekommen ist - er wurde erst vor zwei Monaten ausgelobt - und wir so nur sehr knapp vor Beginn des Festivals als Juroren angefragt werden konnten, fand ich das alles sehr rund und beachtlich.

Wie war die Arbeit in der Jury selbst? Mit Regina Ziegler, Bero Beyer und ihnen war sie doch sehr heterogen zusammengesetzt.

Dietmar Güntsche: Es hat großen Spaß gemacht. Wir haben uns zunächst über jeden einzelnen Film unterhalten, bis sich am Ende doch eine recht deutliche Spitzengruppe herauskristallisiert hatte. Da gab es dann schon auch unterschiedliche Meinungen, aber am Ende konnten wir uns dochschnell auf den Gewinnerfilm festlegen. Da gab es dann durchaus eine Einstimmigkeit.

Ihren eloquenten Begründungen merkte man an, dass Sie mit Begeisterung bei der Sache waren.

Dietmar Güntsche: Die ganze Veranstaltung fand ich gelungen. Besonders herausgreifen möchte ich Edward Bergers Keynote, die auf eine sehr persönliche und eindringliche Weise herausgestellt hat, warum internationale Koproduktionen gerade für deutsche Filmemacher eine so wichtige Angelegenheit sind.

Und in einem sich sehr schnell ändernden Markt künftig sicherlich immer mehr sein werden.

Dietmar Güntsche: Man kann die Wichtigkeit dieser Produktionen nicht genug betonen und herausstellen, wieviel dahintersteckt. Gerade Arthousefilme haben es gegenwärtig besonders schwer. Die Sender haben nicht mehr so viel Geld parat und es gibt bei den großen Sendern kaum Sendeplätze für diese Filme. Die Förderinstitutionen legen ihren Fokus bei internationalen Koproduktionen weniger auf diese etwas kleineren Filme, die diese Unterstützung aber besonders benötigen würden. Deshalb finde ich es besonders toll, dass es diesen Preis gerade am Standort München gibt. Hier gibt es einen tollen Topf für internationale Großproduktionen, die aber in der Regel eher einen Dienstleistungscharakter für die deutschen Produzenten haben. Die künstlerisch ambitionierte Koproduktion kommt dagegen nicht so stark vor.

Hoffen Sie, dass sich das ändert - gerade vor dem Hintergrund des CineCoPro Awards?

Dietmar Güntsche: Es wäre wünschenswert. Man hat hier in München die Filmhochschule, man hat die Ausbildungsstätte für die Talente. Und das sind die Filme, mit denen der deutsche Film im Ausland bekannt gemacht werden kann. Das war schon in den Siebzigerjahren so. Es gibt also auch eine Tradition. Wenn wir Deutschland wieder auf die Landkarte kommen wollen, dann ist das der Weg, auch über solche Filme dahin zu kommen.

Das Filmfest nimmt also die Förderung in die Pflicht?

Dietmar Güntsche: Ich weiß nicht, ob es da eine Abstimmung gibt. Aber ich wünsche es mir. In dem breiten Spektrum von Filmen, die man unterstützen kann, ist diese Art von Produktion einfach immens wichtig. Diese Filme müssen weiterhin einen Platz haben in einer Landschaft, wie wir sie aktuell vorfinden, in der es auch die Programmkinos schwer haben. Wir müssen alles unternehmen, das Publikum auch für dieses Kino wieder stärker zu interessieren.

Das Gespräch führte Thomas Schultze