Produktion

Alice Brauner zu "Crescendo": "Die Kraft der Musik"

Alice Brauner feiert morgen Abend, am 4. Juli, mit "Crescendo #makemusicnotwar" Weltpremiere in der Reihe Spotlight des Filmfest München. Die CCC Filmkunst-Geschäftsführerin kämpfte um die Realisierung des Dramas.

03.07.2019 17:08 • von Heike Angermaier

Alice Brauner feiert morgen Abend, am 4. Juli, mit "Crescendo #makemusicnotwar" Weltpremiere in der Reihe Spotlight des Filmfest München. Die CCC Filmkunst-Geschäftsführerin kämpfte um die Realisierung des Dramas.

"Crescendo #makemusicnotwar" ist ein engagiertes Drama über ein Orchester aus arabischstämmigen und jüdischen Musiker aus Palästina und Israel. Kein einfaches Thema. Wie haben Sie Partner gefunden?

Das gestaltete sich ziemlich schwierig. Mit voller Begeisterung war von Anfang an HessenFilm und Medien mit an Bord, genauso wie uns auch der IDM Südtirol sofort unterstützt hat. Aber einen deutschen TV-Sender dafür zu gewinnen, erwies sich schlicht als unmöglich, und das, obwohl Andreas Schreitmüller, dem ich diesbezüglich zu großem Dank verpflichtet bin, alles versucht hat, um den für Arte notwendigen Koproduktionspartner unter allen potentiellen öffentlich-rechtlichen Sendern zu finden. Dem Projekt im wahrsten Sinne des Wortes "Flügel" verlieh dann das Red Bull Media House, eher eine Zufallsbekanntschaft auf einer Berlinale-Veranstaltung, die das Projekt mit der Gap-Finanzierung gerettet hat. Walter Köhler und Frank Holderied gebührt großer Respekt und ebenso viel Dankbarkeit für ihren Mut und Support. Es ist meines Wissens das erste Mal, dass Servus TV einen politischen Kinofilm in dieser Form mitfinanziert hat. Sie haben die Realisierung unserer Produktion eigentlich erst möglich gemacht!

Auch der Dreh dürfte eine Herausforderung gewesen sein. Wie war es, mit Musikern und Schauspielern zusammen zu arbeiten und mit ihnen in drei Ländern zu drehen, u.a. in Israel?

Ich denke, dass das für den brillanten Regisseur, Dror Zahavi, nicht ganz einfach war. 70 Prozent des jugendlichen Orchesters bestand aus Laienschauspielern, die er geschickt führen musste. Den professionellen Schauspielern mussten Coaches das Musizieren beibringen. Das haben aber alle ziemlich gut gelernt, wie man an den Nahaufnahmen im Film sehen kann. In drei Ländern zu drehen, ist nie ganz einfach, aber wir haben durch die jeweiligen Teams vor Ort perfekte Bedingungen vorgefunden. Daher lief es eigentlich ziemlich problemlos.

Nach Wunderkinder" 2011 spielt auch in "Crescendo" Musik eine zentrale Rolle. Wie ist Ihre Verbindung zur Musik?

Ich habe die Liebe zur Musik mit Sicherheit von meinem Vater geerbt, der ja eigentlich Opernsänger werden wollte, was das Schicksal glücklicherweise zu verhindern wusste, sonst wären wir wohl alle verhungert (lacht). In nahezu allen Komödien der 50er und 60er Jahre hat er sich musikalisch "ausgetobt", hat die Sehnsucht nach Eskapismus nach dem Krieg mit wundervollen Gesangs- und Tanzeinlagen von Caterina Valente und ihren Brüdern, Bibi Johns, Peter Kraus oder Louis Armstrong gestillt. Ich finde, Musik spielt bei vielen Filmen eine enorm wichtige Rolle, sie kann zum inszenatorischen i-Tüpfelchen werden. In unserem Falle ist sie das wichtigste Bindeglied für den Frieden.

Für einen Musikfilm scheint der Gasteig der perfekte Ort für die Premiere zu sein. Was bedeutet es für Sie beim Filmfest München zu laufen?

Sie können sich gar nicht vorstellen, was das für mich bedeutet! Ich wollte schon immer mal mit einem Film nach München, doch zwei unserer Produktionen wurden abgelehnt, daher hatte ich wenig Hoffnung. Aber sofort nach Ende der Sichtung von "Crescendo #makemusicnotwar" zeigten sich die Festival-Verantwortlichen so begeistert, dass sie uns noch vor Ort eine Zusage gaben. Das macht mich unsagbar stolz!

Inspiriert wurde der Film von Daniel Barenboims West-Eastern Divan Orchestra. Sie hätten auch einen Film darüber machen können. Warum haben Sie sich für eine eigene Geschichte entschieden?

Ich habe monatelang versucht, Daniel Barenboim zu einem Treffen zu bewegen. Aus Zeitgründen kam es nicht dazu. Herr Barenboim, den ich sehr bewundere, wollte, dass wir ihm das Drehbuch schicken. Das kam für mich nicht in Frage, weil sich das Skript noch im Work-in-Progress-Prozess befunden hat. Außerdem hatte ich parallel dazu Paul MacAlindins Buch über sein Orchester mit 43 Jugendlichen aus acht verschiedenen Bevölkerungsgruppen und vier Religionen gelesen und fühlte mich auch davon inspiriert. Insofern geht es in unserem Film darum, wie die Kraft der Musik im Allgemeinen Differenzen überwinden kann und nicht um eine konkrete biographische Person oder um ein ganz bestimmtes Orchester.

Welche Geschichten fürs entwickeln Sie aktuell mit CCC Filmkunst?

Voraussichtlich im September drehen wir die Culture-Clash-Komödie "Matze, Kebab und Sauerkraut" für die Prime-Time am Donnerstag im ZDF. Christoph Schnee führt Regie, Thorsten Ritsch, der mit Mein Freund, das Ekel" eine Rekordquote auf dem Sendeplatz hatte, übernimmt die Redaktion. Tim Tremper schrieb das Drehbuch nach einer Idee von mir.

Seit knapp zwei Jahren entwickeln wir außerdem mit dem WDR einen großen Zweiteiler über Wernher von Braun. Und mit unserem italienischen Koproduzenten von "Crescendo",Peter Trenkwalder von Filmvergnuegen, planen wir die nächste große Familiensaga à la Medicis und Borgias, über die Della Scalas aus Verona. Für das Kino entwickle ich auf Wunsch meines Vaters seinen womöglich letzten Film, eine wahre historische Geschichte, die kaum jemand kennt, die aber die Welt verändert hat. Arbeitstitel ist "Der Mann, der Hitler besiegte" und es geht um den Journalisten Rudolf Roessler, der Informationen der Wehrmacht an Russland weitergab.

Die Fragen stellte Heike Angermaier