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Sat.1 setzt weiter auf Fiction und holt "Big Brother" zurück

Bei den Screenforce Days in Köln gewährte Senderchef Kaspar Pflüger Einblick in die Programmpläne für die die neue TV-Saison.

26.06.2019 18:56 • von Frank Heine
Kaspar Pflüger (Bild: ProSiebenSat.1 / Martin Saumweber)

Sat.1-Geschäftsführer Kaspar Pflüger gab auf den Screenforce Days den Optimisten: "Wir werden wieder wachsen. Unsere Programme haben die Kraft, Menschen zu begeistern. Und das nicht nur im TV, sondern auch digital." Lauf Pflüger verbrächten wöchentlich mehr als 43 Millionen Zuschauer "Zeit mit unseren Inhalten. Das Bedürfnis nach guter Unterhaltung wächst und wächst."

Auch wenn der Sendeplatzwechsel vom Dienstag auf den Montag nicht für den erhofften Aufschwung sorgte, hält man in Unterföhring an der deutschen Fiction fest. Der Fokus liegt dabei stärker auf Reihenformaten, Event- und Themenfilmen, neue Serienankündigungen gibt es bis auf eine Ausnahme nicht. Sat.1 versucht mit der neuen Sitcom "Think Big" (AT) sein Glück. %Hanna Plaß% spielt in der halbstündigen Dramedy-Serie eine junge Frau aus einem Plattenbau in Köln-Chorweiler, die für den Traum vom eigenen Nagelstudio nicht davor zurückschreckt, mit gekauftem Abi BWL zu studieren und so in eine ganz neue Welt eintaucht. Außerdem bringt der Sender im Frühjahr die schon seit längerem angekündigte Comedy-Serie "Die Läusemutter" an den Start. Die bereits fertiggestellte Adaption eines niederländischen Serienhits ist bereits jetzt auf der neuen P7S1-Steaming Plattform Joyn zu sehen. %Pina Kühr% spielt in der Titelrolle eine, alleinerziehende Mutter die sich an einer Grundschule mit dem kompliziertem Ökosystem, verschrobenem Personal und nervtötenden Eltern auseinandersetzen muss. Ihre Aufgabe: nach den Ferien die Kinder auf Läuse untersuchen.

Im Crime-Bereich nimmt sich Sat.1 nach dem Ende von "Der Bulle und das Biest" und "Einstein" eine Serienauszeit. Hier geht der Trend klar in Richtung Reihe. Für %Tim Bergmann% als Rechtsmediziner Dr. Fred Abel und %Sandra Borgmann% als Profilerin Julia Durant stehen jeweils zwei neue Filme an. Die Abel-Krimis "Zerschunden" und "Zerbrochen" basieren auf den gleichnamigen True-Crime-Thrillern von %Michael Tsokos%. Bei "Mörderische Tage" und "Kaltes Blut" verhält es sich ähnlich, die Durant-Filme folgen den gleichnamigen Bestsellern von %Andreas Franz%. Nächste Sat.1-Ermittlerin wird %Josefine Preuß%, die als Kommissarin Sabine Nemez nach den Romanen des Österreichers Andreas Gruber eine neue Krimireihe etablieren soll. "Todesfrist", so der Arbeitstitel, startet bereits im Herbst 2019. Hand und Fuß bekommt die ebenfalls bereits im Frühjahr 2018 angekündigte Romanverfilmung "Im Schatten das Licht" (AT) nach dem Bestseller von Jojo Moyes. %Vivian Naefe% wird Regie führen, %Anna Schudt% spielt in der Hauptrolle die Anwältin Natasha. Sat.1 will damit an seine Event-Tradition anknüpfen. In der Kategorie Themenfilm, in der es im Frühjahr um Zivilcourage, Stalking und K.o-Tropfen ging, liegt beim Drama "Aus Haut und Knochen" (AT) der Fokus auf Magersucht. %Anja Kling% , %Oliver Mommsen% und %Lisa-Marie Koroll% spielen darin eine betroffene Familie.

Garanten für gute Quoten waren in der Vergangenheit häufig Kinokoproduktionen wie "Fack Ju Göhte" oder "Frau Müller muss weg". Nun ruhen die Hoffnungen vor allem auf "Willkommen bei den Hartmanns", dazu gesellen sich "Vier gegen die Bank", "Lommbock" und "Stadtlandliebe". Zu den internationalen Kino-Highlights zählen "BFG - Big Friendly Giant" von %Steven Spielberg%, das Animationsspektakel "Ferdinand - Geht STIERisch ab!" und die Neuverfilmungen "Mord im Orient Express" und "Die Schöne und das Biest".

Zu den größten Sat.1-Baustellen gehört der Vorabend. Nachdem bereits wieder eingestellten Versuch mit der Daily "Alles oder nichts" soll es künftig eine Neuauflage von "Big Brother" richten. Im Jahr 2020 zeige sich die Welt so, wie "Big Brother" sie 2000 entworfen habe, heißt es dazu. Man wolle zeigen, dass das Experiment "Big Brother" nichts von seiner Aktualität eingebüßt habe. "Was im Jahr 2000 noch unvorstellbar war, ist heute Alltag: Menschen, die alles von sich preisgeben - und das 24 Stunden täglich. Und genau hier setzt das neue Experiment an", lässt Sat.1 verlauten. Klingt ein wenig nach der "Prism Is A Dancer"-Show von Jan Böhmermann. Der Plan von Sat.1 lautet jedenfalls auf Events zu setzen, "um am Vorabend Akzente zu setzen", so Kaspar Pflüger. "Wir entwickeln mit Hochdruck für diesen wichtigen Sendeplatz und arbeiten auch an neuen Quiz- und Dokutainment-Formaten."

Comedy-Trumpf %Luke Mockridge% wird am "Sat.1 Fun Freitag" in die Prime Time befördert. Auf "Luke! Die Woche und ich" folgt nun "Luke! Die Greatnightshow", beworben als "die größte, beste und früheste Late-Night-Show aller Zeiten". Darüber hinaus werden die Mockridge-Formate "Catch! Die Deutsche Meisterschaft im Fangen" und "Luke! Die Schule und ich" fortgesetzt. Um soziales Engagement und Umweltbewusstsein soll es in "Lass ma mache" gehen, einer Show mit dem von RTL abgeworbenen Comedian Bülent Ceylan. Außerdem lässt der Sender die einstige WDR-Reihe "Nightwash" ab Herbst 2019 wieder aufleben. Eine Mischung aus viel Bewährtem (u.a. "The Voice of Germany", "Promi Big Brother", "Dancing On Ice", "The Taste") und wenig Neuem soll als Schlüssel zum Show-Erfolg dienen. In "300 - Kampf der Fans", so der Arbeitstitel, treten zwei Musikstars samt dem harten Kern ihrer Fans gegeneinander an.