Kino

KOMMENTAR: So einfach und so schwer

Ohne Förderung geht es nicht. Das wissen alle, die deutsche Kinofilme produzieren oder vertreiben. Nur wie es richtig geht, das würden alle gerne wissen. Die nächste FFG-Novelle steht an, erwartet wird ein großer Wurf und kein Kleinklein wie letztes Mal.

20.06.2019 07:57 • von Jochen Müller
Ulrich Höcherl, Chefredakteur (Bild: Blickpunkt:Film)

Ohne Förderung geht es nicht. Das wissen alle, die deutsche Kinofilme produzieren oder vertreiben. Nur wie es richtig geht, das würden alle gerne wissen. Die nächste FFG-Novelle steht an, erwartet wird ein großer Wurf und kein Kleinklein wie letztes Mal. Die erste Runde am Runden Tisch hat bereits stattgefunden. BKM Monika Grütters hat längst alle Interessenparteien gebeten, in ihren Darlegungen das Ei des Kolumbus zu beschreiben, und macht sich bestimmt schon auf eine gewisse Vielstimmigkeit der Branche gefasst. Der deutsche Film ist nicht so schlecht, wie manche es ihm nachsagen, und er könnte gewiss noch besser sein. Es ist nicht so, dass es zu wenig Kinofilme gibt, und einige sind beachtlich erfolgreich. Und doch zeigt das Publikum vielen, nach herrschender Kritiker- oder Branchenmeinung durchaus gelungenen Exemplaren ernüchternd oft die kalte Schulter. Man muss sich nur die Kinocharts von dieser Woche ansehen und trifft auf viele vertraute Titel, in die sich trotz freundlicher Besprechungen in einschlägigen Medien, trotz nennenswerter Bemühungen, sie professionell herauszubringen, bedrückend wenig Interessierte verirren. Sind das jetzt alles Filme, die nicht ausreichend entwickelt, zu früh und unterfinanziert produziert wurden? Wenige deutsche Kinofilme haben in den letzten Monaten den Nerv des Publikums getroffen, einige dafür richtig. Und wenige deutsche Filme sind in den letzten Jahren in den Wettbewerb der großen Festivals eingeladen worden, viele haben trotzdem gerade auf Festivals großen Anklang gefunden. Es liegt nicht nur am Geld, oder vielleicht doch, wenn es darum geht, die Kreativen ihre Vision auch umsetzen zu lassen, und zwar dann wenn sie reif ist, sie umzusetzen. Längst ist es Gemeingut, dass es nicht ausreicht, die Produktion von Filmen zu fördern. Sie müssen auch den Weg zum Publikum finden. Auch das kostet Geld. Besonders wichtig ist es, diejenigen, die sich die Filme ausdenken und sie professionell realisieren, auch daran verdienen zu lassen, genauso wie diejenigen, die in ihre Herausbringung investieren. An den Runden Tischen der BKM müsste eigentlich das gemeinsame Interesse aller Beteiligten überwiegen. Die Produzenten müssen gestärkt werden, das Kino muss gestärkt werden und die Verleiher am Ende auch. Wie sich dabei das viele Mittelmaß filtern lässt, das zu viele Leinwände blockiert, das kann gerne am Runden Tisch beraten werden. Der deutsche Film braucht Mut zum Risiko, zu Originalität und Innovation. Das können nur die Künstler und nicht die Gremien bewerkstelligen. Das Kino der guten Absichten wird beim Publikum nicht wirklich nachgefragt, zu Filmbildungsanstalten werden Kinos nicht mehr werden. Man muss auch nicht Filmkunst und Kasse gegeneinander ausspielen. Es gibt nur gute und schlechte, heißt langweilige Filme. So einfach ist es - und so schwer.

Ulrich Höcherl, Chefredakteur