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Kai Blasberg: "Appell wider die Faulheit"

Keine Geschäftsflüge mehr innerhalb Deutschlands und der Verzicht auf Dienstwägen: TV-Sender Tele 5 geht mit gutem Beispiel voran. Im Gespräch mit Blickpunkt:Film äußerte sich Senderchef Kai Blasberg zu der Initiative und wettert gegen internationale Großkonzerne wie Google oder Amazon.

14.06.2019 13:55 • von Frank Heine
Kai Blasberg, Geschäftsführer Tele 5 (Bild: Tele 5/Gert Krautbauer)

Herr Blasberg gab es einen konkreten Anlass, gerade jetzt in Sachen Klimaschutz und Nachhaltigkeit aktiv zu werden oder ist es eher ein Nicht-Anlass sprich die Tatenlosigkeit der Politik?

Kai Blasberg: Ich denke, dass die Zeit dafür reif ist. Wenn man Erkenntnisse hat und diese nicht in Handlung umsetzt, führt das zu Depression. Diesen Punkt haben wir erreicht. Menschen sind weitgehend faule Konstrukte, für die Veränderung unglaublich schwierig ist. Wir befinden uns aber im Zeitalter der Veränderung. Wir wissen, dass man für 20 Liter verbrauchende Autos, die gerade vom Fließband gerollt sind und von Kohlekraft hergestellt wurden, keine Umweltauszeichnung bekommt. Wir wissen, dass Plastik die Meere verschmutzt. Seitdem ich denken kann, wähle ich Grün, obwohl bei mir zuhause ein Parteibuch in Rot liegt. Ich habe die Maßnahmen schon vor längerer Zeit bei Tele 5 eingeleitet.

Keine Inlandsflüge mehr bei Dienstreisen von Tele 5-Mitarbeitern - lässt sich das zu 100 Prozent einhalten?

KB: Nein, zu 100 Prozent können wir das nicht schaffen. Privatfernsehen ist ja eine Erfindung des Kapitalismus. Was uns in der letzten Dekade besonders beschwert, ist der Konsumismus. Die hässliche, vertrocknete Tochter des Kapitalismus. Die Menschen sind Opfer des Konsumismus, begeben sich blindlings hinein. Der fatalste Satz unserer Gesellschaft lautet: "Man kann ja nichts dagegen machen." Insofern ist unsere Initiative auch ein Appell wider die Faulheit und Bequemlichkeit der Menschen, die sich ihr Grab selber schaufeln.

Von welchen Dimensionen sprechen wir grob, wie viele Flugreisen fallen weg, wie viele Dienstwägen werden abgeschafft?

KB: Auf dem Peak im Jahr 2015 waren es 503 Flüge, im letzten Jahr sind wir bei 276 Flügen angekommen, weil wir schon seit längerem auf Strecken wie München-Berlin oder München-Frankfurt nicht mehr das Flugzeug benutzen. Die Dienstwägen reduzieren wir von zehn auf null. Aber das ist es nicht allein. Wir haben auch 50, 60 Angestellte, die als Senderbotschafter unser Ansinnen nach außen tragen.

Sie bieten Ihren Mitarbeitern auch ein freies MVV-Jahresticket an, um nicht auf ein Auto angewiesen zu sein. Wie stark wird das angenommen?

KB: Das wird sehr gut angenommen, natürlich. Aber da gibt es auch einen edukativen Hintergrund. Bei uns arbeiten sehr viele junge Menschen, und man muss darauf achten, dass sich nicht in deren Hinterköpfe schleicht, dass der Chef alles bezahlt. (lacht) Dass wir das unseren Mitarbeitern anbieten, ist aber der verkehrstechnisch ungünstigen Lage unseres Standorts geschuldet, das war kein Umweltaspekt. Im Übrigen möchte ich nicht als Umwelt-Guru missverstanden werden, es geht um eine größere Form der Betrachtung. Es ist ein Aufruf zum Wachwerden, was etwa den Umgang mit Unternehmen wie Google oder Amazon betrifft, die es nicht gut mit uns meinen. Deshalb habe ich auch angeordnet, dass wir, wo es geht, bei Otto und nicht mehr bei Amazon bestellen. Ich glaube, dass wir die Bedeutung des Internets vollkommen unterschätzt haben. Die Auswirkungen für die Zukunft kennen wir noch gar nicht. Wir ahnen es langsam. Google hat im vergangenen Jahr 30 Prozent seines Gewinns allein durch Strafzahlungen verloren. Das muss man sich anschauen und dann auch danach handeln.

Glauben Sie, von Tele 5 kann eine Signalwirkung für andere Sender und Medienunternehmen ausgehen?

KB: Natürlich ist das auch ein Appell an die anderen Kollegen, es uns gleich zu tun. Was wir können, können die anderen auch. Ich weiß auch, dass andere schon auf uns reagiert haben. Außerdem haben wir viel Kontakt zu Zuschauern, die uns geschrieben haben, weil sie durch die Presse darauf aufmerksam geworden sind. Als Sender sind wir auch sendungsbewusst. Wir stehen im öffentlichen Leben und haben eine Meinung, die wir auch äußern. Aber wir stehen erst am Anfang, es kommen noch provokantere Aufschläge, die zu Widersprüchen führen werden. Es ist für eine bessere Welt, denn so wie es ist, kann es nicht bleiben.

Das Gespräch führte Frank Heine