Produktion

Berlin und Köln sind Webvideo-Hochburgen

Eine von der Staatskanzlei NRW beauftragte Studie zur Webvideo-Branche in Deutschland weist Berlin als führenden Standort aus - zumindest was die Anzahl der dort ansässigen Unternehmen betrifft. Bei den erfolgreichsten Kanälen hat die Stadt am Rhein noch klar die Nase vorn.

11.06.2019 16:04 • von Marc Mensch
Helge Jürgens, New-Media-Geschäftsführer des Medienboard Berlin-Brandenburg (Bild: Medienboard Berlin-Brandenburg)

Darüber, dass die Staatskanzlei NRW die Ergebnisse einer von ihr für exakt 118.405 Euro (diese Summe nannte die Landesregierung Mitte März anlässlich einer sogenannten "Kleinen Anfrage") bei der TH Köln, der European Web Video Academy und der Hochschule Mainz in Auftrag gegebenen Studie bislang nicht an die große Glocke gehängt hat, könnte man ebenso schmunzeln wie darüber, dass sie dem Medienboard Berlin-Brandenburg umgehend eine Pressemitteilung wert war, in der man für weitergehende Informationen aber nur auf einen Presseartikel verweisen konnte (die Kollegen von DWDL berichteten zuerst über diese Studie).

Aber was zählt, ist am Ende, was darin steht - und tatsächlich attestieren die Ersteller der Studie "Die Webvideo-Branche in Deutschland. Wirtschaftliche Struktur und Entwicklung der Standorte." dem Standort Köln, nicht genug aus seiner einstigen Vorreiterrole gemacht zu haben. DWDL zitiert hierzu den Geschäftsführer der European Web Video Academy, Markus Hündgen, mit den Worten: "Köln konnte den ursprünglichen Pioniervorteil als 'YouTube-Hauptstadt' in den frühen 2010er Jahren nicht nutzen, um sich klar als Destination Nr. 1 für das Thema Webvideo zu etablieren."

Kurz gesagt: Berlin hat Köln mittlerweile den Rang abgelaufen - zumindest was die Anzahl der dort beheimateten Unternehmen anbelangt. Denn von den insgesamt 2130 untersuchten Unternehmen bzw. Selbständigen, die professionell Videos für YouTube, Twitch, Instagram oder Facebook erstellen und damit mindestens 50.000 Abonnenten erreichen, hatten zuletzt 246 ihren Sitz in der Bundeshauptstadt - und 140 in Köln.

Auch in Anbetracht ihrer doch recht unterschiedlichen Größe muss man indes beide Städte definitiv als Webvideo-Hochburgen ansehen. Umso mehr, wenn man den Vergleich hinsichtlich der erfolgreichsten Angebote heranzieht: So waren in Köln 26 der 100 Top-Kanäle beheimatet, in Berlin lediglich 17. Noch deutlicher wird die Diskrepanz, wenn man auf die Top 10 blickt: Dort finden sich fünf Angebote aus Köln und nur eines aus Berlin.

In Hamburg sitzen übrigens 111 der betrachteten Unternehmen, nahezu gleichauf rangieren München und Frankfurt mit 60 bzw. 59. Was spricht im Vergleich zu Köln für Berlin? Laut der Studie "eine höhere allgemeine Attraktivität und ein stärker ausgeprägtes digitales Ökosystem". Die Stadt am Rhein punktet dagegen mit einer besseren Bewertung der digitalen Infrastruktur.

Auf mehr als 250.000 Abonnenten brachte es übrigens knapp ein Viertel der von den untersuchten Unternehmen betriebenen Kanäle, fast fünf Prozent erreichten mehr als eine Mio. Follower. Umsätze von über einer Mio. Euro erzielten gut drei Prozent der Kanäle. Grundsätzlich kann sich die wirtschaftliche Situation der Webvideo-Produzenten durchaus sehen lassen: Laut der Analyse gaben 61 Prozent von ihnen an, Gewinne zu erwirtschaften, nur elf Prozent beklagten Verluste.

Medienboard-Geschäftsführer Helge Jürgens kommentierte die Studienergebnisse wie folgt: "Die Webvideo-Produktion gewinnt kontinuierlich an wirtschaftlicher Relevanz. Die Veränderungen der Distributionswege veranlassen Produzenten immer häufiger, ihre Inhalte auch auf neue Plattformen wie z.B. Instagram zu platzieren, um junge Zielgruppen zu erreichen. Um diese neuen Entwicklungen zu unterstützen und den Standortvorteil Berlins auszubauen, förderte das Medienboard mit 'Vice snappt bunt' erstmalig ein Community-basiertes Snapchat-Format und mit 'Die Eule' eine Instagram-Serie."