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Christian Granderath: "Die Quote ist nicht egal, aber sie ist auch nicht alles."

Vier "Tatorte" und ein "Poilzeiruf, mehrere lang laufende Serien und drei neue Mehrteiler in der Mache. NDR-Fictionchef Christian Granderath hat gut zu tun, fand aber dennoch die Zeit für ein Interview mit Blickpunkt:Film, in dem es neben den neuen Projekten auch um die aktuelle Marktsituation, Pro Quote Regie, den Stellenwert des Mittwochsfilms und den Kino-"Tatort" ging.

07.06.2019 08:15 • von Frank Heine
Christian Granderath, Leiter der Abteilung Film, Familie und Serie beim NDR (Bild: NDR)

Herr Granderath, teilen Sie die Einschätzung, dass der NDR ausgesprochen stark bei Reihenformaten ist, es nach dem Ende des "Tatortreinigers" im seriellen Bereich jedoch Luft nach oben gibt?

Christian Granderath: Unsere Reihen "Nord bei Nordwest" und "Der Usedomkrimi" laufen am Donnerstag tatsächlich sehr erfolgreich, und wenn man den Tatortreiniger" als Maßstab nimmt, mag das zutreffen. Das war ein Volltreffer, der jeden seiner Preise verdient hat und hinter dem natürlich auch eine Menge Handwerk steckt. Ingrid Lausund, Arne Feldhusen und Bjarne Mädel ist da gemeinsam mit unserem früheren Serienchef Bernhard Gleim etwas sehr Außergewöhnliches gelungen. Auf Knopfdruck lässt sich das trotzdem nicht wiederholen. Mit Bjarne Mädel arbeiten wir nun an seinem Regiedebüt. Und Diana Schulte-Kellinghaus, die für die NDR-Serien verantwortlich ist, entwickelt neue Formate. Daneben läuft aber auch unsere Serie Die Kanzlei" sehr erfolgreich auf dem Serienplatz am Dienstagabend und am Vorabend sind wir nach wie vor mit Großstadtrevier" und Morden im Norden" im Ersten präsent. Das sollte man nicht unterschätzen.

Auf keinen Fall. Tägliches Brot ist ein hohes Gut. Gibt es Bestrebungen, noch mehr zu machen oder ist der NDR hier quantitativ am Limit?

CG: Wir haben natürlich auch noch unseren Klassiker Neues aus Büttenwarder" im NDR Fernsehen. Unsere Lust auf anderes und darauf, neues zu probieren, ist nach wie vor da. Jennifer - Sehnsucht nach was Besseres" mit Olli Dittrich und Klaas Heufer-Umlauf war dafür ein Beispiel, auch hier hat es einen Comedy-Preis gegeben. Aber natürlich stellt sich wie allen anderen Kollegen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk im Moment die Frage, wofür wir noch genügend Geld haben. Sehr heftig sogar.

Wie ist es um Ihre Ambitionen im Fernsehfilmbereich bestellt?

CG: Das Einzelstück ist uns wichtig. Im Herbst sind wir wieder mit drei Filmen im Ersten. Nachts baden", eine flirrende Mutter/Tochter-Geschichte mit Maria Furtwängler, die Ariane Zeller geschrieben und inszeniert hat, wird Ende Juni auf dem Münchener Filmfest als Premiere gezeigt. Hanne" ist ein ungewöhnlicher Film von Dominik Graf, bei dem er zum ersten Mal mit Iris Berben zusammengearbeitet hat. Ein wirklich berührendes Drama um Leben und Tod mit einer wunderbaren Iris Berben und nach einem Drehbuch von Beate Langmaack, der Film war eine Koproduktion mit Arte. Und dann zeigen wir noch den neuen Film von Isabel Prahl nach einem Drehbuch von Volker Zahn und Eva Zahn, in dem es um die Nebenwirkungen einer neuen Antibaby-Pille geht. Die Geschichte wird sicher größere Diskussionen auslösen. In Produktion befindet sich aktuell Die Tochter" von Stefan Krohmer und Daniel Nocke mit Mark Waschke als homosexuellem Vater, dessen junge Tochter nach dem Tod der Mutter wieder bei ihm einziehen muss, obwohl sie seine Homosexualität vehement ablehnt. Auf dem Grund", Regie: Thorsten Schmidt, ist ein Schwesterndrama von Susanne Schneider über verdrängte Konflikte mit Claudia Michelsen und Karin Hanczewski. Und Petra Wagner dreht dann im Herbst "Mona und Tommy" mit Senta Berger.

Und Sie sind im Bereich Mehrteiler überaus aktiv.

CG: Wir produzieren gemeinsam mit der Degeto einen Zweiteiler, einen Drei- und einen Vierteiler. Bei Die Toten von Marnow" geht es um einen Skandal, in den Alt-Stasi, Geheimdienste und die westdeutsche Pharmaindustrie verwickelt zu sein scheinen. Diesen Vierteiler inszeniert Andreas Herzog mit Sascha Alexander Gersak und Petra Schmidt-Schaller in den Hauptrollen. Die Dreharbeiten haben Anfang Juni begonnen. Im Juli starten dann die Dreharbeiten zu einer ungeheuerlichen True Crime Geschichte, sie trägt den Arbeitstitel Das Geheimnis des Totenwaldes", Sven Bohse inszeniert diesen Dreiteiler nach Drehbüchern von Stefan Kolditz.

Fehlt noch einer.

CG: Ja, wir nehmen nach Der Mann im Strom", Das Feuerschiff", Die Auflehnung" und Arnes Nachlass" die weitere Verfilmung eines Siegfried Lenz-Romans in Angriff. Oscar-Preisträger Florian Gallenberger verfilmt das Buch Der Überläufer" als Zweiteiler, den wir dann 2020 zum 75. Jahrestag des Endes des II. Weltkriegs ausstrahlen werden. Er hat zusammen mit der Dreamtool einen tollen Cast für das Projekt gewonnen - Jannis Niewöhner, Sebastian Urzendowsky, Rainer Bock, Bjarne Mädel, Ulrich Tukur, Leonie Benesch und Katharina Schüttler.

Ursprünglich hätte Hans Steinbichler den Film inszenieren sollen. Warum kam es nicht dazu?

CG: Hans Steinbichler hat sich sehr kurzfristig dafür entschieden, das Projekt nicht weiter zu verfolgen. Dass wir dann Florian Gallenberger dafür gewinnen konnten, hat uns sehr gefreut. Der Lenz-Roman ist außergewöhnlich und braucht einen Regisseur seines Kalibers. Es gibt nur wenige Filme über Deserteure und Überläufer. Die Veröffentlichung von Lenz' Roman wurde in den Fünfzigern ja zunächst unterdrückt, er erschien 2016 erst postum. Zu seiner Entstehungszeit schien es nicht opportun, die Geschichte eines deutschen Soldaten, der sich 1944 an der Ostfront in eine polnische Partisanin verliebt und die Seiten wechselt, zu erzählen. Welche Loyalitäten hat man, zu welchen Werten steht man, zu welchen Systemen und Herrschaftsverhältnissen? Für wen und für was kämpft man? Heute bemerkt man immer stärker, wie die Erinnerung an die Schrecken der Kriegszeit schwindet. Zusätzlich dazu, dass wir eine spannende und emotionale Liebesgeschichte in Zeiten des Krieges erzählen wollen, geht es auch darum, daran zu erinnern, was Krieg wirklich bedeutet.

Nochmals zu den zuvor erwähnten "Toten von Marnow". Was man hört, arbeitet das ZDF mit "Experiment Ost" an einer Produktion zum gleichen Thema. Ist das ein Problem?

CG: Nicht zwangsläufig. Es kommt immer wieder mal vor, dass Projekte doppelt gemacht werden. Das war in den Achtzigern so mit dem Fall Bachmeier, in den Neunzigern mit den Manta Filmen, es gibt eine Menge Beispiele. "Die Toten von Marnow" wurde dem NDR 2015 von Holger Karsten Schmidt und der Polyphon vorgestellt. Das Projekt hatte dann eine längere Entwicklungszeit, wir werden uns damit nicht verstecken müssen.

Die Partnerschaften zwischen den ARD-Sendern bei solchen Projekten sind eine feine Sache, aber dabei rutscht ein Sender auch gerne mal unter den Tisch, wie etwa bei der Serienpräsentation vor der Berlinale, wo "Die Toten von Marnow" oder andere Projekte primär als Teil der Degeto-Offensive wahrgenommen wurden. Wie sehr kann man als NDR-Fiction-Chef das Motto "Wir sind eins" leben oder besteht doch eine gewisse Rivalität unter den Landesrundfunkanstalten?

CG: Ich halte die Devise "Wir sind eins" für wichtig. Das schließt aber eine - wie ich hoffe - gesunde Konkurrenz nicht aus. Für die Kreativen ist es wichtig, dass sie wissen, wer ihr federführender Ansprechpartner ist, und dass es nicht zu einer Kakophonie im kreativen Prozess kommt. Koordinationsprozesse sind bei einer Koproduktion immer eine Herausforderung. Aber man ist auf Partner angewiesen, und meistens ist das ein fruchtbares Miteinander. Dass wir bei "Die Toten von Marnow", "Der Überläufer" oder beim "Geheimnis des Totenwaldes" redaktioneller Federführer sind, gehört dazu.

Sie sind auch für die Mittwochssendeplätze mit verantwortlich. Stimmt es Sie nachdenklich, dass der Fernsehfilm sich dort jenseits von zeitgeschichtlichen Eventstoffen und Themenabenden zuletzt oft sehr schwer tat? Wie begegnet man dieser Situation?

CG: Natürlich macht das nachdenklich. Wir konkurrieren u.a. mit Krimis und "Aktenzeichen XY" beim ZDF, das macht es schwer, wenn man dagegen mit Vielfalt und Originalität antritt. Die Konkurrenzsituation ist enorm. Wir versuchen trotzdem weiterhin, den Sendeplatz mit Einzelstücken attraktiv zu gestalten, und es gibt ja immer wieder Beispiele, mit denen das gelingt. Wir glauben, dass wir im Herbst wieder attraktive Filme im Angebot haben. Und die Mehrteiler werden auch mittwochs gezeigt.

Sollte der Mittwoch aus Ihrer Sicht trotz einer grassierenden "Verreihung" im deutschen Fernsehen in seiner bisherigen Form bestehen bleiben?

CG: Das sollte so bleiben. Aber natürlich hat man sich auch dem Markt gegenüber zu verhalten. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die sagen, die Quote ist egal. Aber Quote ist nicht alles, das vergessen manche auch. So wie andere vergessen, dass sie auch dazu gehört. Ich habe noch keine überzeugende Erklärung für das Phänomen gefunden, warum die Zuschauer dem Krimi so bedingungslos folgen und warum der Einzelfilm nicht mehr den Stellenwert hat wie noch vor einigen Jahren. Wir haben dieses Jahr versucht mit schrägeren Komödien wie Tödliches Comeback" von Hermine Huntgeburth oder Die Freundin meiner Mutter" von Mark Monheim zu punkten. Das hat nicht funktioniert. Wir beschäftigen uns damit, versuchen daraus zu lernen und es besser zu machen.

Wie empfinden Sie die aktuelle Situation im Markt? Überall wird der Kampf um die Kreativen beklagt, andererseits müssen Sie sich Forderungen wie Pro Quote Regie oder den Forderungen der Autoren von Kontrakt 18 stellen. Sind Sie konkret davon betroffen, bei aktuellen Projekten nicht mit den Leuten zusammenarbeiten zu können, die Sie gerne dafür hätten?

CG: Das gab und gibt es gelegentlich, und das gibt es wegen der vielen Sender und Streaming-Dienste, die gerade produzieren, aktuell verstärkt. Davon können viele ein Lied singen. Ich kann aber nicht wirklich klagen. Wir arbeiten ja zum Beispiel mit Dominik Graf, Sven Bohse, Florian Gallenberger, Andreas Herzog, Stefan Kolditz, Holger Karsten Schmidt, Bernd Lange - das sind in ihren Bereichen ebensolche Könner ihrer Zunft wie Iris Berben, Maria Furtwängler, Claudia Michelsen, Senta Berger, Petra Schmidt-Schaller, Jannis Niewöhner, Ulrich Tukur oder Matthias Brandt vor der Kamera, um nur ein paar Namen zu nennen. Trotzdem ist die Problematik durch den Boom der neuen Anbieter unübersehbar. Wir versuchen dem auch mit unserer Nachwuchsreihe zu begegnen und Talent zu binden. Aber auch da kann es passieren: Wir haben sehr erfolgreich den ersten Film mit Viviane Andereggen gemacht, Simon sagt auf Wiedersehen zu seiner Vorhaut". Wir haben versucht, sie wieder zu bekommen, aber den nächsten Film hat sie mit dem ZDF gemacht. So ist es halt manchmal.

Ein Gegenbeispiel wäre Monika Plura, mit der Sie nach ihrem Debüt den wunderbaren Film 13 Uhr mittags" für den ARD-Hauptabend gemacht haben. Wenn solch ein Sprung gelingt, ist das dann Nachwuchsförderung in Vollendung und eine Möglichkeit den Fundus an Kreativen zu erweitern?

CG: Das ist ein Baustein. Trotzdem wäre es Blödsinn zu denken, dass jemand, der für die "Nordlichter" gearbeitet hat, nur noch für den NDR Filme drehen sollte. Das ist nicht das Motto unserer Nachwuchsarbeit. Mich freut es sehr, wie es für Viviane Andereggen, Martina Plura, Hanno Olderdissen und andere gelaufen ist. Die "Nordlichter" sind eine hervorragende und vergleichsweise unkomplizierte Startrampe für den Nachwuchs, für die sich auch unser Fernsehdirektor Frank Beckmann und Intendant Lutz Marmor stark machen. Der Einstieg geht bei uns aber nicht nur über die "Nordlichter". Thomas Stuber habe ich sehr früh für den Tatort: Verbrannt" angesprochen, bei dem wir den skandalösen Tod des afrikanischen Asylberwerbers Oury Jalloh in einer deutschen Polizeizelle aufgegriffen haben. Das war Stubers erster abendfüllender Fernsehfilm. Vorher hatte er für uns drei Folgen beim "Großstadtrevier" gemacht. Den Kinofilm Herbert" hat er dann mit dem MDR gemacht. Die Projekte laufen parallel, da darf man dann auch nicht zu eitel sein.

Wie ist der aktuelle Stand bei den "Nordlichtern"? Gibt es eine neue Ausschreibung?

CG: Momentan arbeitet Sabine Holtgreve noch an der aktuellen Staffel mit Liebesgeschichten. Da drehen wir im Herbst die Miniserie Big Dating". Bonnie & Bonnie", bei dem Daniela Mussgiller die Redaktion hatte, feiert auf dem Filmfest Emden Premiere. Die nächste Ausschreibung ist schon angelaufen, erstmals ohne Vorgabe eines Genres, weil wir uns diesmal aus einem breiteren Fundus an Geschichten bedienen wollen.

Wie stehen Sie den Forderungen von Pro Quote Regie gegenüber?

CG: Puh - ich halte das im Moment für eine zum Teil sehr überhitzte Diskussion. Mich interessiert bei einem Filmprojekt vor allem, ob die Handschrift passt, ob es eine gemeinsame Vision gibt, ob man ein Projekt unter den jeweils gegebenen Umständen gemeinsam hinbekommt. Da war in 30 Jahren nicht einmal die Frage des Geschlechts von Belang. Trotzdem muss man die Zahlen von Pro Quote natürlich zur Kenntnis nehmen. Von daher habe ich Verständnis für die Forderung, und die Diskussion dazu macht auch vieles bewusst. Dabei erlebt man auch aberwitziges. Aberwitzig ist zum Beispiel, dass eine Regisseurin, die eine Quotierung für Regisseurinnen fordert, dann die Zusammenarbeit mit einer Kamerafrau ablehnt, weil sie besser vertrauensvoll mit einem Kameramann zusammenarbeite. Ich würde mir in der Diskussion mehr Gelassenheit wünschen. In der Wirtschaft finde ich eine Quote notwendig und berechtigt, bei künstlerischer Arbeit ist das in meinen Augen deutlich schwieriger. Für den NDR und mich aber gilt: Wir wünschen uns mehr Frauen auch hinter der Kamera und ermutigen Regisseurinnen, Autorinnen und Kamerafrauen grundsätzlich zur Zusammenarbeit.

Wie gehen Sie in der Praxis mit der Thematik um?

CG: Natürlich achten wir bei unseren Regiecastings darauf, dass wir auch Frauen dazu einladen. Wir entscheiden uns aber aufgrund einer künstlerischen Handschrift und eines Konzepts oder einer Vision zum Stoff und nicht aufgrund des Geschlechts. Wenn jemand wegen des Geschlechts abgelehnt wird, ist das verwerflich. Ich habe das in dreissig Jahren allerdings auch nur einmal erlebt, dass ein Produzent eine Regisseurin nicht für einen Mehrteiler akzeptieren wollte, weil sie den langen Drehzeitraum als Frau angeblich nicht so gut wie ein Mann durchstehen würde. Das ist natürlich Blödsinn. Aktuell haben sich die Autorinnen beschwert, dass sie bei den Sonntagsfilmen nicht ausreichend präsent seien und sie vermuten hier einen systematische Diskrimierung. Wenn man sich dann bei den Redaktionskollegen umhört, erfahre ich zum Beispiel von meiner Kollegin Daniela Mussgiller, die unseren "Polizeiruf" verantwortet, dass sie in den vergangenen acht Jahren nur zwei Stoffvorschläge von Autorinnen bekommen hat, aber viele von Autoren. Wir haben in allen Sendern so viele Redakteurinnen, die Autorinnen und Regisseurinnen sicher mit offenen Armen und Augen begegnen und ich kenne niemanden, der die Devise ausgibt, grundsätzlich keine Frauen zu engagieren oder diese gezielt zu benachteiligen. Ich halte nichts davon, die Hunde zum Jagen zu tragen. Wenn wir attraktive Angebote bekommen, wären wir ja mit dem Klammerbeutel gepudert, wenn wir diese nicht wahrnehmen würden.

Lassen Sie uns noch zu den Reihenformaten kommen. Wie bewerten Sie im Nachhinein das Unterfangen Kino-"Tatort"?

CG: Als im Ergebnis nicht erfolgreich.

Gab es eine Phase in der der Fortbestand des Tschiller-"Tatort" in Gefahr war?

CG: Ob Til Schweiger jemals ans Aufhören gedacht hat, kann ich Ihnen nicht sagen. Der nächste "Tatort" ist jetzt in neuer Konstellation mit Eoin Moore und Anika Wangard als Autorenteam entstanden. Eoin Moore führt zudem Regie.

Gleicht das einem Neustart? Auch die Produzentin hat gewechselt.

CG: Alle Beteiligten hatten Zeit, die Wunden zu lecken. Durch die Zusammenarbeit mit Produzentin Iris Kiefer und Eoin Moore, die gemeinsam schon viele "Polizeirufe" für uns gemacht haben, wird es zu einer Akzentverschiebung kommen. Ich bin nicht der Redakteur, das ist wie beim Kino-"Tatort" mein Kollege Thomas Schreiber, der den Programmbereich Fiktion & Unterhaltung im NDR Fernsehen leitet.

Beim "Tatort" in Niedersachsen ermittelt jetzt Florence Kasumba als neue Partnerin von Martina Furtwängler und erste schwarze Kommissarin. Das hat hervorragend gepasst. War diese Besetzung über das filmische hinaus ein gezielt gesetztes Statement?

CG: Vergleichbare Besetzungen haben beim NDR eine lange Tradition. Wir haben das vielleicht mit einer größeren Selbstverständlichkeit praktiziert als andere. Dafür stehen doch Fatih Akin, %Almila Bagiracik%, Mehmet Kurtulus, Sibel Kekilli, Fahri Yardim und nun eben Florence Kasumba. Maria Furtwängler hatte den Wunsch mit einem Partner oder einer Partnerin an ihrer Seite zu ermitteln. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mit Florence bereits über ein Engagement als "Tatort"-Kommissarin gesprochen, und zwar nicht, weil sie in Black Panther" zu sehen war, das wusste ich damals gar nicht. Florence hat schon 2010 in dem von mir produzierten Film Kongo" mitgespielt. Aber natürlich spielt in Zeiten, in denen Typen im Bundestag sitzen und sagen, es sei keine Selbstverständlichkeit, jemanden wie Jerome Boateng zum Nachbar zu haben, der Kontext schwarze Ermittlern eine Rolle. Doch das war nicht der Grund für die Besetzung.

Und wie geht es weiter?

CG: Wir drehen wir jetzt im Sommer zwei Filme mit den beiden hintereinander. Einmal wird Jobst Oetzmann Regie führen, das andere Mal Franziska Buch. Die Drehbücher stammen stammt von Christian Jeltsch, und von Florian Oeller.

Dann lassen Sie uns abschließend noch Ihre Aktivitäten im Kino streifen.

CG: Aktuell arbeiten wir mit Anne Zohra Berrached und Razor an dem Film "Geliebt". Der erzählt die Geschichte einer Frau, die eines Tages feststellt, dass der Mann, den sie liebt, ein Doppelleben führt. Aber da ist es schon zu spät. Im Herbst dreht Andreas Kleinert nach dem Drehbuch von Thomas Wendrich einen Film über das extreme Leben von Thomas Brasch, den Michael Souvignier für die Zeitsprung als Produzent verantwortet, NDR, BR, WDR und arte koproduzieren. Brasch war ein faszinierender Mensch, auf den es sehr unterschiedliche Sichtweisen gibt. Sein Leben als Dichter, Schriftsteller und Regisseur war maßgeblich dadurch geprägt, dass sein Vater stellvertretender Kulturminister der DDR war, der den eigenen Sohn wegen staatsfeindlicher Aktivitäten an die Stasi verraten und ins Gefängnis gebracht hat. Es ist aber nicht nur eine sehr besondere Vater-Sohn Geschichte, Brasch ist wie nur wenige andere auch eine deutsch-deutsche Geschichte.

Das Interview führte Frank Heine