Kino

Matthias Elwardt: "Leidenschaft fürs Kino und seine Macher"

Erstmals wurde in Cannes der Preis der AFCAE verliehen, ein Arthouse-Kinopreis. Matthias Elwardt (Zeise Kinos Hamburg) saß in der internationalen Jury.

29.05.2019 09:07 • von Barbara Schuster
Matthias Elwardt (Bild: Heike Blenk)

Erstmals wurde in Cannes der Preis der AFCAE verliehen, ein Arthouse-Kinopreis. Matthias Elwardt (Zeise Kinos Hamburg) saß in der internationalen Jury.

Sie waren Mitglied der internationalen Jury des neuen Programmkinopreises der AFCAE. Was für eine Organisation ist das?

Matthias Elwardt: Das ist der renommierte französische Filmkunstverband, gegründet 1955, dem 1200 Kinos angehören. Der Name kürzt die schöne Bezeichnung "Association Française des Cinema d´Art et Essai" ab, so etwas klingt im Französischen einfach schön. Dort hat das Kino ja einen sehr hohen Stellenwert als kultureller und sozialer Ort.

Welche Funktion hat der Preis? Kann er die Auswertung der Filme im Kino unterstützen?

Mit dem Preis möchten die Kinos ihre Verbundenheit mit dem Festival ausdrücken und sich gemeinsam für den Ort Kino stark machen. Der Gewinner des Cinema Arthouse Awards "Parasite" gehört auf die große Leinwand und lebt vom Gemeinschaftserlebnis Kino. Alle 1200 Kinos in Frankreich, aber auch die weltweiten Kinomacher in der CICAE, sollen und wollen den Gewinner präsentieren.

Wie viele und welche Filme haben Sie gesehen?

Wir haben 39 Filme gesehen, das gesamte offizielle Programm, Wettbewerb und Un Certain Regard, vier Filme am Tag und viele davon deutlich länger als 120 Minuten.

Welche Erfahrungen haben Sie in der Jury gesammelt? Wie war die Arbeit mit den internationalen Kollegen?

Wir waren Cineasten aus Bulgarien, Kanada, Frankreich und Deutschland. Kino machen ist weltweit ähnlich, wir haben eine enge Verbindung zum Publikum und lieben es, unser Programm bestmöglich zu präsentieren. Arthouse heißt auch Leidenschaft fürs Kino und seine Macher. Es waren viele und gute Gespräche, unsere Entscheidung fiel einstimmig.

Ausgezeichnet haben Sie Bong Joon-hos "Parasite", der auch den Hauptpreis des Festivals gewann, "Les misérables" mit einer lobenden Erwähnung bedacht. Sie haben Ihre Preise vorher vergeben, waren aber ganz nah dran an den Entscheidungen der "großen" Jury.

Das hat uns sehr gefreut. Unsere Pressekonferenz war ja schon Samstagmorgen um 10 Uhr, da hatte der französische Verleiher von ¿Parasite¿ noch nicht vom Festival gehört, ob das Team zur Palmenverleihung kommen soll. Den Hauptpreis bei dem wichtigsten Filmfestival der Welt zu gewinnen, hilft natürlich sehr, ein größeres Publikum zu erreichen. "Parasite" ist vielschichtig und überraschend, aktuell und zeitlos, grandios inszeniert und gespielt. Er gehört auf die Kinoleinwand und in einen vollen Saal. Nach der Vorführung hat man dann Gesprächsstoff für Tage und weiß, man hat ein Meisterwerk gesehen.

Das Gespräch führte Marga Boehle