Produktion

Produzenten und ARD finden zu neuen Eckpunkten der Zusammenarbeit

Produzentenallianz, VDFP und Film- und Medienverband NRW haben neue Eckpunkte mit der ARD vereinbaren können, die vor allem eine fairere Rechteverteilung bei Kino-Gemeinschaftsproduktionen vorsehen - und Pay-TV-Auswertungen erleichtern.

27.05.2019 11:33 • von Marc Mensch
MDR-Intendantin Karola Wille (Bild: MDR)

Über zwei Jahre wurde intensiv verhandelt, am Ende steht eine Vereinbarung, die zwar nicht alle Forderungen der Produzenten abdeckt, die von den Vertragspartnern jedoch unisono positiv bewertet wird. Wie Produzentenallianz, VDFP und der Film- und Medienverband NRW in einer gemeinsamen Pressemitteilung verkünden, hat man sich mit der ARD über die vertragliche Zusammenarbeit zu Film-/Fernseh-Gemeinschaftsproduktionen und vergleichbare Kino-Koproduktionen der ARD verständigt.

Wie es dazu heißt, werde mit den neuen Eckpunkten im Sinne einer fairen Rechteverteilung erstmals durchgängig eine Differenzierung der Rechteeinräumung nach Finanzierungsbeteiligung der ARD-Anstalten vorgenommen. Was bedeutet: Je kleiner der Finanzierungsanteil der Sender ist, desto mehr Rechte verbleiben beim Produzenten - und umgekehrt. Ein wesentlicher Punkt: Bei gemeinsam realisierten Projekten mit geringer Finanzierungsbeteiligung der Sender ist eine Pay-TV-Auswertung vor Erstausstrahlung in einem ARD-Sender künftig ohne dessen Zustimmung möglich, gleichzeitig verzichte die ARD in diesen Fällen zugunsten der Refinanzierung der Produktionen auf eine Erlösbeteiligung.

Grundsätzlich wurden die Sperrfristen für eine kommerzielle VoD-Auswertung im Eckpunktepapier deutlich nach unten korrigiert, sie sind abhängig von der jeweiligen Höhe der Finanzierungsbeteiligung eines Senders. Im Gegenzug wurden für Produktionen mit hohem Senderanteil die Verweildauern in den Mediatheken verlängert. Neu geregelte Öffnungsklauseln sollen beiden Seiten zusätzliche Flexibilität für Einzelfälle bieten.

"Es freut mich, dass wir uns trotz unterschiedlicher Ausgangsvorstellungen auf gemeinsame Regelungen und ein für beide Seiten gut vertretbares Gesamtpaket verständigen konnten. Auf der Basis dieser neuen Eckpunkte werden ARD und Produzenten ihr gemeinsames Engagement für Kino-Gemeinschafts-Produktionen erfolgreich fortsetzen. Im Rahmen der vereinbarten Evaluierung dieser Eckpunkte werden wir u. a. die Auswirkungen der neuen Regelungen auf die kommerziellen Auswertungsmöglichkeiten der Produzenten und etwaigen Anpassungsbedarf prüfen", kommentiert MDR-Intendantin Karola Wille die Vereinbarung.

Die Produzentenallianz, der Verband Deutscher Filmproduzenten und der Film- und Medienverband NRW, die die Verhandlungen auf Produzentenseite gemeinsam geführt haben, erklären: "Eine Anpassung der schon zum Ende des Jahres 2016 gekündigten Regelungen war überfällig. Dabei war es unser Ziel, den Umfang der dem Sender zustehenden Rechte und das Ausmaß der von den Produzenten hinzunehmenden Rechtseinschränkungen in Kongruenz zu bringen mit der Höhe der Beteiligung des Senders. Das ist mit der jetzt vorliegenden Vereinbarung gemeinsam gelungen und wir konnten auch eine Öffnungsklausel zugunsten der Produzenten erreichen. Auch wenn wir einige andere Forderungen nicht durchsetzen konnten und weitere Anliegen auf die künftige Evaluierung vertagen mussten, sind wir doch überzeugt, nun einen Rechtsrahmen geschaffen zu haben, der es den Sendern der ARD und der Degeto erlauben sollte, sich verstärkt in Kino-Koproduktionen einzubringen und damit ihrer Verantwortung für diesen wichtigen Bereich des audiovisuellen Schaffens in Deutschland gerecht zu werden."

Die Eckpunktevereinbarung wird drei Monate nach der Unterzeichnung in Kraft treten und hat eine Laufzeit bis 31. Dezember 2021.