Kino

KOMMENTAR: Das kann (nur) Kino!

Zwei Highlights in Cannes sorgen dafür, dass Kino in allen Medien fast rund um die Uhr für Gesprächsstoff sorgt. Tarantinos neuer Film und "Rocketman" sind wirklich in aller Munde. Gleichzeitig ziehen die "Avengers" erstmals über fünf Mio. Menschen bei uns ins Kino. Das ist der Rückenwind, den die Branche braucht. Den gilt es zu nutzen!

23.05.2019 07:42 • von Jochen Müller

Zwei Highlights in Cannes sorgen dafür, dass Kino in allen Medien fast rund um die Uhr für Gesprächsstoff sorgt. Tarantinos neuer Film und Rocketman" sind wirklich in aller Munde. Gleichzeitig ziehen die "Avengers" erstmals über fünf Mio. Menschen bei uns ins Kino. Das ist der Rückenwind, den die Branche braucht. Den gilt es zu nutzen! Der Eröffnungsfilm war noch eher für Cineasten, aber spätestens der Auftritt von Elton John und Taron Egerton, seinem jugendlichen Alter Ego, beim nächtlichen Duett an der Croisette sorgte dafür, dass die sozialen Netzwerke heiß liefen. Ob YouTube, Facebook, Twitter oder Instagram, überall war diese gigantische Werbeveranstaltung für einen neue Maßstäbe setzenden Musikfilm zu sehen und wurde millionenfach geteilt. Den Film gibt es ab Ende Mai nur im Kino zu sehen, und er hat das Zeug dazu, am Ende noch Bohemian Rhapsody" den Rang abzulaufen.

Auch Once Upon a Time in, der neue Kinofilm von Quentin Tarantino, extra auf Kinofilmmaterial gedreht, sorgt nun schon tagelang für Schlagzeilen. Die Weltpresse ist nach Cannes fast nur für diesen Film gekommen, und auch er scheint keine Wünsche offen zu lassen. "Mehr Kino geht nicht!", schreibt mein Kollege Thomas Schultze vom Kinofilmfest an der Côte d'Azur, und seine Kollegen jubeln mit ihm im Gleichklang (bis auf die notorischen Spaßverderber). Auch wenn wir bis Mitte August warten müssen, bis die geniale Hommage an Hollywood und das Kino bei uns startet, dann zeigt sie doch, über welch eminente Wirkung und schillernde Strahlkraft das Kino mit seinen besten Leistungen verfügt. Die Zeit ist vorbei, um in Sack und Asche zu gehen und die gezielt platzierten Abgesänge auf das Kino länger ernst zu nehmen. Die Filme und ihre Macher, die ihr Medium und ihr Publikum lieben, schaffen es auch in Deutschland, die Zuschauer in Bann zu ziehen. Hierzulande wird mit Avengers: Endgame" zum ersten Mal seit ungezählten Jahren einer der so gern und unnötig geschmähten Superheldenfilme mehr als fünf Mio. Zuschauer erreichen - und das ist noch nicht das Ende. Schon zeigt ein Blick auf Umsatz und Besucherzahlen, dass das Kinojahr auf einem guten Weg ist. Und schon in den nächsten Tagen werden Filme wie "Aladdin", John Wick: Kapitel 3" oder eben "Rocketman" zeigen, dass die neue Kinobegeisterung kein kurzlebiger Hype ist. Den Rückenwind, den die weltweite Faszination für die großen Kinoerzählungen entfacht, gilt es aufzunehmen. Genauso begeisternd wie das Geschehen auf der Leinwand muss auch die Erfahrung vor Ort sein. Schön, dass sich hier neue Initiativen bilden wie die brandaktuelle Genossenschaft "Kinomarkt Deutschland", die gleich eine "neue Ära für das Kino in Deutschland" einläuten will. Nur zu, es kann gar nicht genug Engagement für den magischen Ort Kino geben, an dem sich die Begeisterung von Cannes nahtlos fortsetzen soll.

Ulrich Höcherl, Chefredakteur