Festival

Nicola Jones: "Freude auf das Kino vermitteln"

Nicola Jones freut sich auf das 40. Jubiläum des Deutschen Kinder Medien Festivals Goldener Spatz (2.-8. Juni). Hier verrät die GF der Deutschen Kindermedienstiftung und Leiterin des Festivals, auf welche Highlights und Neuerungen sie sich besonders freut.

22.05.2019 16:15 • von Barbara Schuster
Nicola Jones (Bild: Deutsche Kindermedienstiftung)

Nicola Jones freut sich auf das 40. Jubiläum des Deutschen Kinder Medien Festivals Goldener Spatz (2.-8. Juni). Hier verrät sie, auf welche Highlights und Neuerungen sie sich besonders freut.

Sie haben Ende 2016 das Ruder von Margret Albers übernommen und begehen mit der diesjährigen Ausgabe Ihr nunmehr drittes Festival. Mit welchen Zielen sind Sie damals angetreten? Welche neuen Ideen konnten Sie bereits umsetzen?

Nicola Jones: Auch ein Festival muss sich immer wieder verändern und Entwicklungen der Filmwirtschaft und Medienlandschaft aufgreifen. Eine der Besonderheiten beim Goldenen Spatz ist, dass wir uns nicht nur auf das Kino und Fernsehen konzentrieren, sondern auch digitale Medien einbeziehen. Um diese noch stärker im Festival sichtbar zu machen, haben wir eine Zukunftswerkstatt etabliert. In diesem Jahr haben wir zudem einen Medienbus - das FABMOBIL - dabei, in dem die Angebote aus dem Wettbewerb Digital und weitere kreative Technologien ausgiebig getestet werden können. Wichtig war mir auch, jugendliche Filmfans stärker miteinzubeziehen und einen Fokus auf die Jugendfilmreihe zu legen. Mit dem im letzten Jahr eingeführten Publikumspreis können nun auch junge Erwachsene abstimmen und ihren Favoriten auszeichnen. Als Geschäftsführerin der Deutschen Kindermedienstiftung leite ich neben dem Festival auch international ausgerichtete Projekte, die wir mit dem Festival verzahnen. Das Projekt KIDS Regio ist eine Lobbyinitiative, die sich für den europäischen Live-Action Kinderfilm einsetzt. Hier bringen wir im Rahmen der Branchenveranstaltung "Window to Europe" europäische und deutsche Akteur*innen zu verschiedenen Themen auf dem Festival zusammen.

2019 ist ein ganz besonderes Jahr, der Goldene Spatz feiert 40. Jubiläum. Auf welche Highlights Ihres umfangreichen Sonderprogramms freuen Sie sich besonders?

Nicola Jones: Besonders freue ich mich natürlich auf unsere Jubiläumsveranstaltung in Gera, zu der wir viele ehemalige Weggefährt*innen und Unterstützer*innen des Festivals eingeladen haben. Dort zeigen wir den DEFA-Film "Als Unku Edes Freundin war" von Helmut Dziuba in der Johanniskirche auf einem 35-mm-Projektor. Hier erwarten wir u.a. die Darstellerin der Unku, Jaqueline Schmidt, sowie den Chef der Thüringer Staatskanzlei, Benjamin-Immanuel Hoff, den Vorstand der DEFA-Stiftung, Ralf Schenk, sowie den Regisseur Bernd Sahling. Wir wollen über das Festival aber auch über den Film und die Sichtweise des Regisseurs zu seiner Arbeit diskutieren. Außerdem zeigen wir in der Retrospektive weitere wegweisende Kinderfilme aus den letzten Festivaljahren, "Pünktchen und Anton" aus dem Jahr 1999, die romantische Komödie "Groupies bleiben nicht zum Frühstück" von 2010 und "Pauls Reise", ein Roadmovie basierend auf einem originärem Stoff, von 1998.

Wodurch zeichnet sich das diesjährige Programm aus?

Nicola Jones: Das diesjährige Festival macht den Rückblick nach vorn. Wir zeigen daher nicht nur die bereits erwähnte Retrospektive, sondern haben auch den Wettbewerb Digital neu konzipiert. Dieser beschäftigt sich nicht mehr nur mit Websiten und Apps, es werden auch Games, VR-Anwendungen und Multiplattform-Content-Projekte unter die Lupe genommen. Auch die Besucher*innen sind wieder eingeladen, sich aktiv zu beteiligen - sei es beim Ausprobieren der neuen Techniken im FABMOBIL, bei der Vergabe des Publikumspreises in der Jugendfilmreihe oder im Dialog mit den Filmschaffenden, die zu den Filmen und Beiträgen kommen. Und wie immer, das ist nicht nur in diesem Jahr, sondern immer eine Besonderheit bei uns, entscheidet unsere Kinderjury, welche Film- und Fernsehbeiträge und welches digitale Angebot mit einem Goldenen Spatz ausgezeichnet werden.

Das Festival wandelte sich im Lauf der Zeit vom Filmfestival zum Film- und Medienfestival. Die Neuen Medien sind integrierte Bestandteile. Das Konsumieren von Bewegtbildinhalten auf Smartphones wird bei den Jugendlichen immer wichtiger. Gerät der klassische Kino-/TV-Film ins Hintertreffen bei der nachwachsenden Zielgruppe?

Nicola Jones: Natürlich werden die Neuen Medien immer präsenter und gewinnen dadurch auch in unserem Festival an Bedeutung. Aber auch hier geht es immer um die Qualität der Inhalte und darum hochwertigen Angeboten eine öffentlichkeitswirksame Plattform zu bieten, Kinder für eine Vielfalt von Formen und Themen zu sensibilisieren und sie auf vielfältige Weise aktiv in das Festivalgeschehen einzubinden. So vermitteln wir durch unsere Arbeit Neugier und Freude auf das Kino. Für manche Kinder ist der Besuch beim Festival auch der erste Kinobesuch. Entsprechend der Zielgruppe werden alle Veranstaltungen moderiert und viele Filmemacher*innen sind anwesend und stehen den Kindern nach den Veranstaltungen Rede und Antwort. Das macht den Festivalbesuch zu einem besonderem und einprägsamen Erlebnis. Das Kino als besonderen Ort für Film zu stärken ist und bleibt eine Herzensangelegenheit der Festivalarbeit.

Sie bieten auch ein medienpädagogisches Programm an: Was ist dieses Jahr Thema und warum?

Nicola Jones: Das Programm besteht aus der nun mehr dritten Zukunftswerkstatt, bei der am Eröffnungssonntag unsere Besucher*innen eingeladen sind, neue Technologien auszuprobieren. So können sie eigene Handyladestationen bauen, Quadrokopter fliegen und mit einem Roboter interagieren. Hier geht es im Wesentlichen darum, die Möglichkeiten der neuen Medien zu zeigen und wie man sie ohne Berührungsängste für sich nutzen kann. In den Workshops werden Kompetenzen im Umgang mit verschiedenen Medien geschult und es werden Themen wie Cybermobbing, Gerechtigkeit, Algorithmen und Nachhaltigkeitsbildung im digitalen Zeitalter behandelt. Damit lernen junge Menschen die Nutzung der medialen Angebote in einem sinnhaften und für sie relevanten Kontext.

Das Gespräch führte Barbara Schuster