Kino

"Neue Ära für das Kino in Deutschland"

Wettbewerbsnachteilen entgegenzuwirken und dem mittelständischen Kinomarkt eine langfristige Zukunft zu sichern, hat sich die neu gegründete Genossenschaft "Kinomarkt Deutschland" auf die Fahnen geschrieben. Kern der Maßnahmen ist eine Verkaufs- und Vermarktungsplattform, die insbesondere die digitale Kundenkommunikation im weitesten Sinne auf ein neues Level heben soll.

16.05.2019 17:59 • von Marc Mensch
Markus Köther, Christian Pfeil, Jonathan Janssen, Thomas Negele, Margarete Söhner, Thomas Riethenbach, Ralf Holl, Jonas Janssen, Gunnar Schäfers, Markus Schmölz, Astrid Artelt, Annegret Eppler, Steffen Presse, Kathrin Muckli-Sinningen, Florian Stiglhöfer, Ulrich Jacobi und Claus Wollenschläger bei der Gründungssitzung (Bild: Kinomarkt Deutschland)

"Nur gemeinsam lassen sich die Herausforderungen der Zukunft bewältigen." So oder so ähnlich war es gerade erst wieder beim jüngsten Filmtheaterkongress unzählige Male zu hören. Und tatsächlich spürte man nicht erst hinter den Kulissen in Baden-Baden eine gewisse Aufbruchstimmung, die der heutigen Ankündigung vorausging. 16 Kinobetreiber mit insgesamt 37 Betriebsstätten haben sich nahe Frankfurt getroffen, um offiziell zu besiegeln, was über viele Monate in der Planung war: die Gründung der Genossenschaft "Kinomarkt Deutschland".

Was ist der Hintergrund? Nun, um es mit den Worten der Gründungsmitglieder selbst zu sagen: "Die Kinolandschaft befindet sich im Wandel - attraktive Angebote, Kundenfreundlichkeit und moderne Buchungsmöglichkeiten sind Schlüsselelemente zur Wettbewerbsfähigkeit. Der Wettbewerb im Entertainment sowie die rasant wachsende digitale Konkurrenz von Netflix, Amazon, Apple und Co. sind hier schon seit längerem viel weiter. Vor allem für kleine und mittelständische Kinounternehmen wird es zunehmend schwieriger, das gleiche Angebot und die gleiche Qualität wie die stetig wachsende Konkurrenz bieten zu können. Aus eigener Kraft sind Investitionen in neue, moderne Techniken sowie verkaufsfördernde Vermarktungskampagnen nicht realisierbar."

Diesen Wettbewerbsnachteilen soll nun entgegengewirkt werden, um die langfristigen Zukunftsperspektiven des mittelständischen Kinomarkts signifikant zu verbessern. Dies bedeutet nicht nur, die einzelnen Unternehmen grundsätzlich stärker im Wettbewerb zu platzieren und über nachhaltige Kooperation Lerneffekte in sämtlichen Bereichen zu erzielen. Sondern konkretes Ziel ist es vor allem, an der Stelle anzusetzen, bei der dem Kino allgemein der größte Nachholbedarf attestiert wird: bei der digitalen Kundenbindung.

Wie die Kinomarkt Deutschland eG ankündigt, werde man eng mit Technik- und Vermarktungsexperten zusammenarbeiten, die eine neutrale, transparente und skalierbare eCommerce-Kinoticketplattform zur Verfügung stellen sollen, welche wiederum sämtlichen Mitgliedern die Vermarktung nicht nur von Kinotickets, sondern auch Zusatzprodukten auf neuartige Weise ermöglichen soll. Zu diesem Zwecke werde nicht nur eine speziell für die Bedürfnisse des Kinomarktes entwickelte digitale Verkaufsplattform zur Verfügung gestellt, über welche Tickets unter eigenem Namen online verkauft werden können. Sondern Kinos sollen über die Plattform auch die Möglichkeit erhalten, verfügbare Tickets für Partner und Reseller zum freien Vertrieb zur Verfügung zu stellen. Zudem soll die Plattform die Mitglieder der Genossenschaft auch in die Lage versetzen, budgetoptimierte Kampagnen zur Absatzsteigerung zu kreieren, sowie Kundenbindungsmaßnahmen im Rahmen von CRM-Projekten zu gestalten und umzusetzen. Auch eine Kampfansage an DeinKinoticket.de? In einer ersten Mitteilung wollte man es zumindest nicht so formulieren.

Vorgenommen hat sich "Kinomarkt Deutschland" einiges. Nicht nur mit Blick auf die jährlich etwa 750 Mio. unbesetzt bleibenden Kinosessel, die man zur Illustration des Potenzials heranzieht. Sondern auch, was ihr eigenes Wachstum anbelangt. So strebe man an, ganze zwei Drittel der heute rund 1500 existierenden Kinobetriebsstätten als Genossenschaftsmitglieder zu gewinnen - was sich derzeit in ein von der Genossenschaft repräsentiertes Boxoffice von rund 500 Mio. Euro pro Jahr übersetzen ließe. Schon jetzt hätten über 300 Betriebsstätten ihre Teilnahme zugesagt, teils in Vorgesprächen, teils bereits mittels geschlossener Vorverträge. Die Gründungsmitteilung jedenfalls überschrieb man durchaus selbstbewusst mit "Der Beginn einer neuen Ära für die Zukunft des Kinos in Deutschland".

Die Namen hinter der Genossenschaft sollten jedenfalls mehr als geläufig sein. So gehören dem ersten gewählten Aufsichtsrat Katrin Muckli, Thomas Negele, Christian Pfeil, Steffen Presse (stellv. Sprecher), Gunnar Schäfers (Sprecher), Claus Wollenschläger und Ulrich Jacobi an. Zum Vorstand bestellte der Aufsichtsrat Ralf Holl, zu seiner Stellvertreterin Margarete Söhner. Und auch die Büroleitung wandert in bewährte Hände: Astrid Artelt steht Mitgliedern wie auch Interessierten für Rückfragen und Informationen zur Verfügung.

"Ich freue mich sehr darüber, dass wir mit der Kinomarkt Deutschland eG eine langjährige Vision verwirklichen können, die den Kollegen völlig neue Möglichkeiten eröffnet. Ich bedanke mich für das Vertrauen des Aufsichtsrates in meine Person und werde mit Tatendrang und Herzblut meine Arbeit so fortführen, dass die Ziele der Genossenschaft erreicht werden", erklärte Initiator Ralf Holl anlässlich seiner Ernennung zum Vorstand. Er lade sämtliche Kinokollegen ein, sich über das Vorhaben zu informieren und der Genossenschaft beizutreten. "Denn je größer der Verbund, desto größer der Nutzen für uns alle." Die Mitgliedschaft in der Genossenschaft ist nach deren Auskunft für Kinobetreiber "zu einem geringen Kostendeckungsbeitrag" möglich.