Kino

Österreich stärkt Filmwirtschaft mit Steueranreizmodell

Anfang Mai wurde die Einführung eines Steueranreizmodells für Filmfinanzierung ab 2020 in Österreich im Ministerrat beschlossen. Im Zuge der Steuerreform soll ein vielfach gefordertes Zukunftspaket für den österreichischen Filmstandort endlich eingeführt werden. Die Details sollen nun ausgearbeitet werden.

15.05.2019 09:55 • von Barbara Schuster
Kulturminister Gernot Blümel unterstützt die österreichische Filmwirtschaft (Bild: gernot-bluemel.at)

Anfang Mai wurde die Einführung eines Steueranreizmodells für Filmfinanzierung ab 2020 in Österreich im Ministerrat beschlossen. Im Zuge der Steuerreform soll ein vielfach gefordertes Zukunftspaket für den österreichischen Filmstandort eingeführt werden. Die Details sollen nun ausgearbeitet werden. Immer wieder hatten österreichische Filmverbände und Produzenten darauf hingewiesen, dass ihre Filmwirtschaft im globalen Wettbewerb an ihre Grenzen stieße. Bereits während der Berlinale wurde in Aussicht gestellt, ein Tax Incentive System unter die Lupe zu nehmen. Alexander Glehr, Geschäftsführer von Novotny & Novotny Filmproduktion und Ko-Präsident des Filmproduzentenverbands AAFP, sagt: "Das ist ein großartiger Schritt, ein Gamechanger in der Filmfinanzierung in Österreich, der im Angesicht des sich verändernden Marktes zum richtigen Zeitpunkt kommt und nun auch endlich die Möglichkeit für Österreichische Produzenten schaffen wird, auf Augenhöhe mit der internationalen Konkurrenz die vielfältigen Verwertungsmöglichkeiten, die unsere Zeit bietet, zu bedienen - sei es Kino, Streaming, klassisches TV und was sich da sonst noch alles tut. Dieses Steueranreizmodell ist äußerer Ausdruck des Bekenntnisses, das Österreich an der audiovisuellen Wertschöpfung in Europa nicht nur teilhaben, sondern vorn dabei sein will. Jetzt, in der Detailarbeit der Ausarbeitung des Modells muss darauf Acht gegeben werden, dass sich dieses Steueranreizmodell klug in die bestehenden Gegebenheiten der Filmfinanzierung in Österreich einfügt und diese optimal erweitert, dass es sowohl den Wirtschaftsstandort, die Infrastruktur und die Beschäftigungssituation stärkt, wie auch den österreichischen Film in seiner Gesamtheit und vor allem auch in seiner Vielfalt bestmöglich nach vorne bringt. Sicher wird diese neue Finanzierungsform auch vor allem das ÖFI entlasten - was dringend notwendig ist, denn hier hat sich in der Dotierung seit vielen Jahren nichts mehr getan: Der Betrag, der dort für die Herstellung von Filmen bereitgestellt wird, schrumpft zusehends, weil mehr und mehr Strukturmaßnahmen aufpoppen und auch gefördert werden. Das soll mir alles recht sein. Aber das ÖFI kann auch nicht für alles zuständig sein, und das Steueranreizmodell wird nicht alle Probleme in diesem Bereich lösen können. Die Einführung dieser neuen Finanzierungsform muss insofern auch von den anderen Förderinstituten als Chance wahrgenommen werden, sich neu zu definieren und ihre Förderbereiche und -ziele neu zu definieren. Diese Diskussion schieben wir vor uns her - zugunsten einer Konfliktvermeidung."

Danny Krausz, Obmann des Fachverbandes der Film- und Musikwirtschaft in der WKO, sagt: "Für die heimische Filmwirtschaft sind das wichtige und impulsgebende Signale. Das in der Steuerreform in Aussicht genommene Modell macht uns wirtschaftlich, im internationalen Zusammenhang, wettbewerbsfähig und wird die österreichische Wertschöpfung und Produkionsdichte nachhaltig und schlagartig erhöhen." Auch Helmut Grasser, Präsident von Film Austria, begrüßt das Reformvorhaben und sieht darin die Chance einer klaren Positionierung des Filmstandorts Österreich: "Zahlreiche Länder in der unmittelbaren Umgebung zu Österreich haben in den letzten Jahren mit unterschiedlichen Steueranreizen internationale Investoren ins Land geholt und ihre jeweilige Filmwirtschaft zur Blüte geführt. Mit einem intelligenten Anreizmodell kann Österreich nun eine Vorreiterrolle im deutschen Sprachraum einnehmen und einen Investitionsschub auslösen, der letztendlich auch zu mehr Beschäftigung führt." Dem pflichtet auch Thomas Pridnig, Vorstand des Filmproduzentenverbands AAFP, bei: "Ich verstehe ein Anreizmodell als einen wichtigen Baustein, um die österreichische Filmwirtschaft im europäischen Vergleich auf Augenhöhe zu bringen. Im Hinblick auf den stark im Wandel begriffenen digitalen Markt, ist so ein Modell die richtige Ergänzung zu den bestehenden Finanzierungssäulen und ein wesentlicher Beitrag für die Herstellung österreichischer Filme."