Kino

KOMMENTAR: Money makes the world go round...

Gerade erobert "Avengers: Endgame" die Kinos der Welt - Gottseidank auch die deutschen! Gerade schlägt die 8. Staffel von "Game of Thrones" eine weltweite Gemeinde vor allen denkbaren Screens in ihren Bann und schreibt damit Geschichte. Und der gemeinsame Nenner?

26.04.2019 08:52 • von Jochen Müller

Gerade erobert Avengers: Endgame" die Kinos der Welt - Gottseidank auch die deutschen! Gerade schlägt die 8. Staffel von Game of Thrones" eine weltweite Gemeinde vor allen denkbaren Screens in ihren Bann und schreibt damit Geschichte. Und der gemeinsame Nenner? Deutsche VFX-Schmieden, die zum Gelingen dieser Programme, die zuverlässig Milliardenbeträge einspielen werden, an entscheidender Stelle beigetragen haben. Es ist alles auf der Leinwand oder auf dem Bildschirm zu sehen, zumeist schwäbische Präzisionsarbeit, die in einer globalen Kooperation zur Wirkung kommt. Diese Aufträge haben sich die Firmen in Baden-Württemberg, Bayern oder auch anderswo durch ihr künstlerisches, technisches und unternehmerisches Können hart erarbeitet, immer hart am Rechnen, weil sie mit Firmen mithalten müssen, die in Kanada, UK oder anderen Ländern beheimatet sind, deren Politiker von selbst erkannt haben, dass es sich beim Geschichtenerzählen in Bewegtbildern um einen der, wenn nicht den größten Markt der Zukunft handelt. Deutsches Know-How beim digitalen Effekteschmieden ist gefragt, mit Ergebnissen, mit denen sich die verantwortlichen Kreativen in die Filmgeschichte einschreiben, aber auch mit Talent, das hierzulande hervorragend ausgebildet wird, um dann in Boomregionen abzuwandern, die durch simple Tax Rebates oder andere lukrative Anreizsysteme im internationalen Wettbewerb die Nase vorn haben. Nun wacht die BKM Monika Grütters ohnehin schon jede Nacht schweißgebadet auf, weil jemand aus dem Filmbereich nach mehr Unterstützung schreit. Und nie ist es genug. Und gewiss ist vieles geraten in den letzten Monaten, wurden dem Finanzminister Millionen abgetrotzt, die er schon seiner schwarzen Null opfern wollte. Auch beim DFFF 2 hat es nicht am guten Willen gefehlt, auch wenn sich die zuständigen Bürokraten wehrhaft im komplexen Regelwerk verschanzen, und schon gar nicht bei den vielen Länderförderern. Benötigt wird aber richtiges Geld. Schon erinnern sich die Älteren in der Politik lebhaft an ausländisches Gelächter über "stupid german money", als es möglich war, Steuergeld ohne regionalen Effekt abzugreifen. Die Zeiten haben sich geändert. Um die Zukunftsindustrien wie Visual Effects, Animation, generell die Filmproduktion wirkungsvoll zu unterstützen, damit sich die Potenziale ausschöpfen lassen, müsste sich jemand trauen, über sinnvolle Tax-Credit -Systeme laut nachzudenken. An ihnen verdient im übrigen der Staat mit, nimmt er doch an anderer Stelle viel mehr ein, als er an Steuern erlässt. Wer ist nur der richtige Ansprechpartner? Ist es Monika Grütters? Ist es doch ihr Kollege, der Wirtschaftsminister, der für Zukunftsindustrien zuständig ist? Oder gar eine Staatsministerin für Digitales? Money makes the world go round - hoffentlich lässt sich das bald auch ins Deutsche übersetzen.

Ulrich Höcherl, Chefredakteur