Kino

Maria Köpf: "Die Präsenz des deutschen Kinos fördern"

Maria Köpf wechselte nach drei Jahren bei der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein im April in die Geschäftsführung der Deutschen Filmakademie nach Berlin. Hier wie dort: Dem Kinofilm den Weg zu ebnen, ist ihre oberste Maxime.

18.04.2019 15:36 • von Heike Angermaier
Maria Köpf (Bild: Deutsche Filmakademie/Florian Liedel)

Maria Köpf wechselte nach drei Jahren bei der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein im April in die Geschäftsführung der Deutschen Filmakademie nach Berlin. Hier wie dort: Dem Kinofilm den Weg zu ebnen, ist ihre oberste Maxime.

Drei Jahre haben Sie die Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein (FFHSH) geleitet. Wie sieht Ihre Bilanz aus?

Maria Köpf: Wir haben es gemeinsam mit den Produzenten erreicht, dass Hamburg als Produktionsort deutlich wahrgenommen wird. Wir haben viele Projekte realisiert, etliche Filme haben Preise gewonnen, zum Beispiel "Drei Tage in Quiberon" und natürlich unser größtes Aushängeschild Fatih Akin, der im letzten Jahr mit Aus dem Nichts" den Golden Globe für den besten fremdsprachigen Film holte und mehrere Preise beim Deutschen Filmpreis gewann. Dann ging, ebenfalls im letzten Jahr, die Ehren-Lola an Hark Bohm. Und in diesem Jahr waren wir wieder mit zwei Filmen im Berlinale-Wettbewerb vertreten, neben Akins Der goldene Handschuh" mit Systemsprenger", für den Nora Fingscheidt den Silbernen Bären (Alfred-Bauer-Preis) erhielt. Außerdem hatten wir einige internationale Koproduktionen hier, etwa Charlie's Angels" und Verschwörung", die Verfilmung des von David Lagercrantz geschriebenen vierten Bandes der Millennium"-Reihe, die Hamburg als Produktionsort große Aufmerksamkeit beschert haben.

Was war Ihre Maxime für die FFHSH?

MK: Mir ging es nicht nur darum, Länderförderung als Standortpolitik zu betreiben, sondern beim deutschen Kinofilm und auch gerne international einen Fußabdruck zu hinterlassen. Das heißt natürlich nicht, dass Standortstrukturförderung keine Rolle spielt. Projekte, die hier entwickelt wurden, die lokalen Talente und die Filmteams lagen mir immer besonders am Herzen. Aber auch dafür ist eine Standortpolitik wichtig, die die Stadt und ihre Möglichkeiten sichtbar macht. Unsere Entschiedenheit bei der Förderung hat ausgezahlt.

Gibt es Projekte, die Ihr Nachfolger Helge Albers weiterverfolgen könnte?

MK: Was konkrete Filmprojekte angeht, ist da das Regiedebüt von Moritz Bleibtreu, der gerade Cortex" abgedreht hat. Dann laufen zurzeit die Dreharbeiten von Hallo Again". Die verwickelte Geschichte, die in einer Zeitschleife spielt, inszeniert Maggie Peren . Anfang April kommt dann Ildikó Enyedi, die hier einen historischen Hamburgfilm drehen wird. The Story of My Wife" spielt in den 20er Jahren und erzählt von einem schrulligen Kapitän, der mit einem Freund in einer Hafenspelunke wettet, dass er die erste Frau, die die Kneipe betritt, heiraten wird, hochkarätig mit Léa Seydoux besetzt. Hamburg ist mit seinen tollen Motiven, und das sage ich voller Überzeugung, ein großartiger Standort. Da sollte man ruhig noch mehr Produktionen nach Hamburg holen. Das sorgt für eine starke Professionalisierung am Standort und die Branche vor Ort profitiert, wenn sie bei hochkarätigen Projekten dabei ist.

Und filmpolitisch?

MK: Da gibt es einige Themen: Wir haben begonnen, unsere Förderrichtlinien weiter zu entwickeln und einen konkreten Vorschlag meinem Nachfolger Helge Albers vorgestellt. So wollen wir beispielsweise die Produzenten in der Projektentwicklung stärken, etwa indem auch Produzentengagen und Handlungskosten kalkuliert werden können. Dann diskutieren wir, ob nicht ein Teil der Gelder, die in unserem kleinen Gremium bis 800 000 Euro für die Produktion von Dokumentar-, Experimental- und Kurzfilmen bzw. für Verleihförderung solcher Filme vergeben werden, als Zuschussförderung anstatt wie bisher als bedingt rückzahlbares Darlehen gezahlt werden könnten. Wir freuen uns natürlich, wenn auch aus diesem kleinen Gremium heraus so tolle Filme wie Wildes Herz" mit über 60 000 Zuschauer entstehen. Die Produktion hat inzwischen die Verleihförderung komplett zurückgezahlt und wird wohl auch noch einen Teil der Produktionsförderung zurückzahlen. Doch das ist eher eine Ausnahme.

Und schließlich steht die Frage an, ob sich die FFHSH bei der Förderung auf Kino beschränken oder in Richtung digitale Formate expandieren will. Wir haben auch begonnen über die Förderung von Serienformaten zu diskutieren, was an anderen Standorten bereits gefördert wird. Zum Beispiel haben wir zusammen mit einer Förderung in West-Dänemark ein kleines Programm aufgelegt. Da wurden deutsche Autoren und Produzenten mit jenen aus der Region zusammengebracht, um gemeinsame Serienstoffe zu entwickeln. Zwei Projekte sind daraus entstanden, eins ist ziemlich weit in der Finanzierung mit einem dänischen Sender, und, wie ich zuletzt hörte, sind auch die Gespräche mit deutschen Sendern gut gelaufen. Für finanzielle Programme dieser Art fehlen uns aber bisher die Mittel. Nicht zuletzt durch die Serienförderung des Bundes oder durch den Deutsch-Französischen Serienfonds, an dem einige andere regionale Filmförderungen beteiligt sind, geht es in Gesprächen mit den politisch Verantwortlichen und den Gesellschaftern darum, ob die FFHSH bei Serien in Zukunft aktiv werden muss - ein Thema, das sicherlich bei Helge Albers ganz weit oben steht.

Wenn da so viele Projekte zur Entscheidung anstehen. Warum verlassen Sie Hamburg?

MK: Dass ich mich gegen eine Vertragsverlängerung um fünf Jahre entschieden habe, hat persönliche Gründe. Ich habe halt den berühmten Koffer in Berlin, weil ich große Teile meines Lebens dort verbracht habe. Ich freue mich aber, mit dem Gefühl weggehen zu können, viele Dinge angeschoben und großartige Projekte realisiert zu haben.

Was hat Sie gereizt, zur Deutschen Filmakademie zu wechseln?

MK: Ich glaube, dass ich in der Filmakademie meine unterschiedlichen Erfahrungen sehr gut einbringen kann. Ich habe im Kino gearbeitet, war lange Produzentin, habe bei X-Filme auch die Gründung des Verleihs eng verfolgt und kenne mich inzwischen auch mit Filmförderungen aus. Für mich ist es eine großartige Herausforderung, zusammen mit Anne Leppin in der Geschäftsführung der Filmakademie daran mitzuarbeiten, diskursive Impulse zu setzen. Als ich vor sechs Jahren mit Martin Hagemann zusammen im Vorstand angetreten bin, bestand unsere Prämisse darin, die Filmakademie zu einem Ort für eine stärkere filmpolitische Diskussion zu öffnen. Das ist schon gut gelungen, doch wir wollen diese Prozesse noch stärker nach außen tragen. Dafür braucht es eine Nachhaltigkeit, um die sich jemand jenseits der ehrenamtlichen Tätigkeiten kontinuierlich kümmern muss.

Welche Themen wollen Sie dort vorantreiben?

MK: Die Deutsche Filmakademie versteht sich als die Lobby für den deutschen Kinofilm und will ihn im Sinne eines kulturpolitischen, künstlerischen und auch gesellschaftspolitischen Diskurses im Fokus halten und noch weiter nach vorne bringen. Das ist eine extrem spannende Aufgabe. Die Akademie ist ja getragen von Mitgliedern aus verschiedenen Sektionen, was eine großartige Basis darstellt, um übergreifend für die Interessen des Kinofilmes zu sprechen. Personell sind wir hierfür großartig aufgestellt mit Ulrich Matthes als unseren neuen Präsidenten, Benjamin Herrmann im Vorstandsvorsitz und Anne Leppin in der Co-Geschäftsführung.

Worum wird es konkret gehen?

MK: Wir werden in der Akademie die Diskussion weiter führen, auch zusammen mit den Kinos, welchen Stellenwert die Kinos und die Kinofilme in der Filmlandschaft haben. Da muss es darum gehen, wie wir die Kinos und den Kinofilm stärken können angesichts der Entwicklung in Bezug auf die Streaming-Plattformen und die Serienproduktion, nicht nur mit Blick auf das Zuschauerverhalten, sondern auch mit Blick auf die vielen Kreativen, die inzwischen in beiden Bereichen arbeiten. Wir alle sind starke Kämpfer und wollen Impulse setzen, dass das Kino ein lebendiger Ort bleibt. Konkret muss man schauen, wie die Forderung nach stärkerer Kinoförderung funktionieren kann, wie man die Verleiher in die Diskussion einbezieht, wie man stärker zusammenarbeitet, auch im Hinblick auf die anstehende Novelle des FFG. Und es gibt interessante Projekte zum Thema Filmbildung, die die Filmakademie auflegt. Das könnte sicherlich noch erweitert werden, etwa durch ein Mentorenprogramm. Die Präsenz des deutschen Kinos zu stärken, aber auch interagierende Projekte zum Thema Film zu fördern - darauf freue ich mich.

Das Gespräch führte Herdis Pabst