Kino

"Vermarktung der Filme in den Fokus stellen"

Mit ihrer Stellungnahme zur anstehenden FFG-Novellierung tritt die AG Verleih dafür ein, die Ermöglichung guter Verleiharbeit in den Fokus zu rücken. Gleichzeitig tritt der Verband unter anderem für eine Abkehr von der förderbedingten Herausbringungspflicht ein - die Sperrfristen will man indes unangetastet sehen.

08.04.2019 15:22 • von Marc Mensch
Leopold Grün, Geschäftsführer der AG Verleih (Bild: Susann Jehnichen)

"Was nützen immer mehr deutsche Produktionen, die ohne eine relevante Kampagne ins Kino gebracht werden und somit keine Wahrnehmung und damit auch keine gesellschaftliche Relevanz mehr erfahren?!" Mit dieser Frage bringt die AG Verleih ihre wichtigsten Anliegen zur kommenden Novellierung des FFG für die Jahre ab 2022 auf den knappen Punkt. So habe sich gerade in den vergangenen Jahren gezeigt, "wie wichtig die Arbeit eines Verleihs als Bindeglied zwischen Produktion und Kino und als "Agent" des Filmes" sei. Ohne dessen Rückendeckung verschwänden Filme in der Flut der Neustarts, könnten sich im Kino nicht behaupten. Ergo solle die "Ermöglichung guter Verleiharbeit" ein Fokus der kommenden FFG-Novelle sein.

Die AG Verleih verweist dabei nicht nur darauf, dass Kampagnen im medialen Konkurrenzumfeld immer kostenintensiver ausfielen - sondern auch auf das steigende unternehmerische Risiko, bei dem höhere Mindestgarantien von begrenzten Einnahmequellen in der Folgeverwertung durch Rechtebindung bei koproduzierenden Sendern und rückläufiger Lizenzankäufe internationaler Arthouse-Filme durch die Öffentlich-Rechtlichen begleitet werden.

Kurz zusammengefasst, hebt die AG Verleih folgende Punkte hervor:

1. Umdenken in der Vergabe der Fördermittel

Während Produktionsförderung konsequent ausgebaut werde, stagnieren laut der AG Verleih die Mittel für Verleihförderung. Die Forderung: Auf Bundesebene sollten über alle Förderinstrumente hinweg mindestens 30 Prozent der insgesamt zur Verfügung stehenden Mittel für eine Stärkung der Filmvermarktung verwendet werden. In diese Forderung sei der bislang ausschließlich auf die Produktionsförderung beschränkte DFFF ausdrücklich mit einbezogen, wenngleich der Verband seine Forderung (wie auch bei der selektiven kulturellen Filmförderung des Bundes) diesbezüglich auf einen Anteil von mindestens 15 Prozent beschränkt - was in der Konsequenz die Forderung nach einem deutlich höheren Anteil als 30 Prozent bei FFA und Länderförderern bedeuten würde.

2. Sitz im Verwaltungsrat

Die AG Verleih fordert einen eigenen Sitz im FFA-Verwaltungsrat.

3. Echte Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

Gerade kleinere und mittlere Filme würden in gleichem, wenn nicht sogar deutlich höherem Maße als hoch budgetierte Produktionen, ihren Beitrag zur Rückführung gewährter Fördermittel leisten. Eine Wirtschaftlichkeitsbetrachtung solle daher am Verhältnis von Förderung und Kinobesuchern festgemacht werden. Gleichzeitig spricht man sich dafür aus, dass rückgezahlte Förderdarlehen zu 50 Prozent zurück in den Pool fließen und zu 50 Prozent dem Antragssteller als revolvierende Förderung wieder zur Verfügung gestellt werden.

4. Anerkennung von Vorlaufkosten als Verleihvorkosten

Anders als in der Produktion würden im Verleih sämtliche im Vorfeld anfallenden Kosten wie Lektorat, produktionsbegleitende Verleiharbeit, Testscreenings, Software, etc... nicht als Teil der Vorkosten anerkannt und müssten allein aus dem Verleihanteil bestritten werden. Dies stelle eine Ungleichbehandlung der Marktpartner dar. Die AG Verleih plädiert für eine pauschale Anrechenbarkeit der Vorlaufkosten in Höhe von 10 Prozent als Verleihvorkosten, gedeckelt bei maximal 20.000 Euro.

5. Entpflichtung von der Herausbringung

Es sei gerade in den letzten Jahren deutlich geworden, dass es den Markt negativ beeinflusse, wenn eine Produktion nur aufgrund der DFFF-Verpflichtung im Kino gestartet worden sei, obwohl sie die notwendige Qualität vermissen lasse. Die AG Verleih plädiert dafür, Möglichkeiten für eine "Entpflichtung" von der Herausbringung zu schaffen, bei der dem Produzenten keine Nachteile entstehen. Um den DFFF dabei vor der Inanspruchnahme durch TV-Produktionen zu schützen (so zumindest das Argument der AG Verleih), solle diese "Entpflichtung" nur dann stattfinden können, wenn FFA und federführende Länderförderer eine Verleihförderung für den konkreten Film ablehnen.

6. Anerkennung der Gesetzesform

Die AG Verleih fordert dass die FFA ihrem Geschäftsauftrag ausschließlich auf Basis von FFG und Richtlinien nachkommt. Eine Berufung auf Leitlinien und geübte Spruchpraxis führe zu Intransparenz in den Förderentscheidungen.

7. Sperrfristen

Die AG Verleih spricht sich klar für die Beibehaltung der Sperrfristen aus.

8. Home Entertainment / Folgeauswertung

Die AG Verleih befürwortet die Anerkennung des Royalty-Modells bei der Videoauswertung. Ebenso fordere man, dass Erlöse aus den Folgeverwertungsstufen auch weiterhin ohne Beschränkungen solange beim Verleih verbleiben müssten, bis die Investitionen in die Kinoauswertung erwirtschaftet seien. Die Nutzung dieser Rechte, vor allem in den Mediatheken öffentlich-rechtlicher Sender, sei mit dem Verleih abzustimmen und dürfe die Auswertung der Folgeverwertungsstufen nicht behindern.

9. Neustrukturierung der Medialeistungen

Es sei schwer nachvollziehbar, warum der von den TV-Anstalten beigesteuerte Anteil an derFilmförderung in einem gesonderten Topf zu besonderen Bedingungen vergeben werde, zumal diesbezüglich Listenpreise ohne marktübliche Rabatte vergeben würde. Man schlage daher vor, dass die TV-Anstalten künftig Barmittel in den Förderhaushalt einzahlen. Sollte keine diesbezügliche Regelung getroffen werden, plädiere man für eine Integration der Medialeistungen in die reguläre Fördervergabe als Darlehensförderung. Aktuell liest sich dieser Punkt des Forderungskatalogs übrigens noch missverständlich, tatsächlich übertreffen auch bei ARD und ZDF die Geldleistungen die Sachleistungen (Medialeistungen) deutlich.

Zur kompletten Stellungnahme der AG Verleih