Kino

"Umdenken zur Kinokultur"

Der Vorstand des Bundesverbandes kommunale Filmarbeit hat eine ausführliche Stellungnahme zur anstehenden Novellierung des FFG für die Jahre ab 2022 veröffentlicht. Demnach bestehe "dringender Optimierungsbedarf", nicht zuletzt vor dem Hintergrund des "dramatischen Schwunds an Kinoeintritten".

04.04.2019 18:27 • von Marc Mensch
Bei seiner jüngsten Klausurtagung hat der BkF-Vorstand die Forderungen erarbeitet: Andreas Heidenreich (Vorsitz), Rita Baukrowitz, Lars Henrik Gass, Borjana Gakovic (Medienpolitische Sprecherin), Alfred Tews, Waldemar Spallek, Claudia Engelhardt und Christiane Schleindl (Bild: Fabian Schauren)

Leider legt die FFA ihre detaillierten Auswertungen zu den Kino-Sonderformen traditionell erst im Sommer vor. Insofern lässt sich noch nicht exakt beziffern, wie sich die kommunalen Kinos 2018 gegenüber den herkömmlichen Filmtheatern geschlagen haben. 2017 waren sie ihnen beim Besucher- und Umsatzplus jedenfalls etwas voraus - wobei ihr Saalbestand noch deutlich stärker gewachsen war, als die Besucherzahlen.

Allzu lange ist das nach Umsatz zweitstärkste Kinojahr der Geschichte jedenfalls noch nicht her, aber aktuell prägen natürlich die miserablen Ergebnisse des Vorjahres die Debatten. Umso mehr, als nach dem ersten Quartal 2019 noch kein Aufschwung im Gesamtmarkt verzeichnet werden konnte (wir berichteten). Dass diese Situation die mitunter künstlichen Gräben zwischen der kulturellen und der wirtschaftlichen Seite des Kinos massiv vergrößert hat, zeigt sich derzeit an allen Ecken und Enden - und der Bundesverband kommunale Filmarbeit macht da keine Ausnahme.

So sind die in einer ausführlichen Stellungnahme zusammengefassten Forderungen zur anstehenden Novellierung des Filmförderungsgesetzes für die Jahre ab 2022 von der Haltung getragen, dass sich die gewinnorientierte Auswertung von Film in Kino "im freien Fall" befinde. Wobei es durchaus nicht geschadet hätte, wenigstens bei der Behauptung, dies sei auch "im europäischen Maßstab erkennbar", etwas zu differenzieren. So aber steht sie direkt neben jener, der nicht gewinnorientierte Bereich der Filmauswertung sei einer Erhebung der FFA zufolge gegenüber der gewinnorientierten "enorm" angewachsen. Eine Einschätzung, welche die bereits oben erwähnte Studie nicht wirklich hergibt.

Ablenken lassen muss man sich von solchen Passagen aber nicht - und wie heißt es so schön: Trommeln gehört zum Handwerk! Und ein Satz wie "Bestandteil eines Zukunftsszenarios könnte überdies die Frage sein, ob und wie sich die Auswertung von Filmen in Kino und Internet gegenseitig befruchten könnte" steht doch eigentlich ganz wunderbar neben dem, was NATO-Chef John Fithian gerade erst verlauten ließ.

Der BkF jedenfalls fordert ein "Umdenken zur Kinokultur". Kurz gesagt müsse die Novellierung des FFG im Kern die Frage beantworten, wie das Kino als Auswertungsort von Filmen aufgewertet werden könne. Maßnahmen wie Sperrfristen alleine würden jedenfalls nicht ausreichen, um den Rückgang der Kinoauswertung aufzuhalten. "Die Zukunft des Kinos kann nicht prohibitiv gestaltet werden", so der Verband. Sein Anspruch an das Kino nach seinem Verständnis: Es müsse "Filmgeschichte präsent halten, neue Ideen für das Vermitteln und Präsentieren von Filmen entwickeln, den Nachwuchs fördern, Kurzfilme (nicht nur als Vorfilme) zeigen, Experimenten eine Chance geben, unterrepräsentierte Kinematografien ins Bewusstsein bringen - kurzum Filmgeschichte ebenso wie das Kino von morgen präsentieren".

Nicht umsonst legt der BkF einen besonderen Fokus auf das Filmerbe. So müsse ein neues FFG Weichen stellen, "damit filmhistorische Werke auch weiterhin analog gesichert werden und neben digitalen Versionen für die öffentliche Präsentation im Kino dauerhaft und zu vertretbaren Tarifen zur Verfügung stehen". Zudem müssten auch ausländische Werke deutscher Filmarchive für die Kinoauswertung erschlossen werden. Konsequenterweise fordert der Verband in diesem Zusammenhang, dass Erhaltung der und Unterweisung in Projektionstechnik auch im analogen Bereich förderfähig sein müsse. Um sicherzustellen, "dass das gesamte Spektrum des deutschen Films für die Kinoauswertung berücksichtigt wird", mahnt man zudem eine "ausgeglichene Gremienbesetzung" an.

Eine Forderung, die der Bundesverband kommunale Filmarbeit bereits seit 2017 erhebt, ist jene, den Kinopreis des Kinematheksverbundes dem BKM-Kinoprogrammpreis im Rahmen der Kinoreferenzförderung gleichzustellen. "Auch das Abspiel von Filmgeschichte sollte belohnt werden. Es bedarf neuer Wege, gezielt Kinoprogramme zu unterstützen, die sich von Masse und gewohnten Standards abheben und Kino in seiner lebendigen Vielfalt präsentieren", so der Verband in seiner Stellungnahme.

Die Stellungnahme des Bundesverbands kommunale Filmarbeit zur FFG-Novellierung finden Sie an dieser Stelle.