Produktion

Mark Schlichter zu "Alfons Zitterbacke"

Mark Schlichter meldet sich nach "Cowgirl" mit "Alfons Zitterbacke - Das Chaos ist zurück", der Neuverfilmung eines DDR-Kinderbuchklassikers, wieder im Kino zurück. X-Verleih startet ihn am 11. April in den Kinos.

03.04.2019 13:27 • von Heike Angermaier
Mark Schlichter (Bild: Edith Held)

Mark Schlichter meldet sich nach "Cowgirl" mit "Alfons Zitterbacke - Das Chaos ist zurück", der Neuverfilmung eines DDR-Kinderbuchklassikers, wieder im Kino zurück. X-Verleih startet ihn am 11. April in den Kinos.

Wie sind Sie zum Projekt gekommen und wann sind Sie auf die in der DDR populären Bücher und Verfilmungen gestoßen?

Mark Schlichter: Tatsächlich bin ich vor 18 Jahren als "Nicht-Ossi" auf die Bücher von Gerhard Holtz-Baumert von Verwandten in Ostdeutschland aufmerksam gemacht worden. Meine Frau und ich haben sie unseren Kindern vorgelesen und waren verblüfft, wie stark sie reagiert haben. Sie haben sich kaputtgelacht. Deshalb entstand schon damals die Idee, die Bücher neu zu adaptieren. Die erste Verfilmung stammt von 1966, die zweite, als Serie, von 1986. Beide sind also schon etwas veraltet. Vor 15 Jahren bemühte sich unsere jetzige "Alfons Zitterbacke"-Produzentin Nicole Kellerhals schon mal um die Verfilmungsrechte. Wie das aber öfter passieren kann, verlief der Versuch, den Film zu produzieren im Sande. Vor fünf Jahren startete ich dann einen neuen Anlauf und der ehemalige Rechteinhaber und der Verlag waren offen dafür.

Wie stark haben Sie sich von den Vorlagen inspirieren lassen? Wie viel haben Sie modernisiert?

MS: Ich las die drei Bücher mehrfach. Beim ersten Mal fand ich keinen Ansatz, las sie nochmal und nochmal, und ließ sie schließlich zwei Monate liegen, um danach sehen zu können, was mir von den Geschichten noch im Gedächtnis geblieben ist und für mich erzählenswert und auf die heutige Zeit übertragbar war. Passagen über die Jungpioniere machten keinen Sinn mehr, während Probleme zwischen Vater und Sohn universell und 1966 genauso wie 2019 verständlich sind. Ich habe mich von meinem Bauchgefühl leiten lassen. Von den Büchern habe ich letztlich ungefähr ein Viertel übernommen, Highlights, die Bürger aus den neuen Bundesländern sofort erkennen werden, wie etwa den Sprungturm, Alfons Träume vom All und das Astronauten- bzw. Tubenessen.

Wie haben Sie die Gaststars u.a. Alexander Gerst, Bürger Lars Dietrich oder Checker Tobi gewonnen? Auch die "Hanni & Nanni"-Darstellerinnen Laila und Rosa Meinecke sind dabei.

MS: Im Drehbuch gab es jemanden, der die Kinder beim großen Fluggeräte-Wettbewerb interviewt. Die Produzentin kam auf die Idee, Checker Tobi zu fragen, der ja so etwas in seiner Sendung regelmäßig macht und ein großer Kinderliebling ist. Bürger Lars Dietrich kam über unsere Standfotografin, die mit ihm befreundet ist, an Bord. Er sollte ursprünglich Alexander Gerst spielen und sich dafür den Kopf rasieren lassen. Das wollte er dann aber doch nicht so gerne. Also haben wir doch bei Gerst anfragen lassen und mehrere Monate bei der ESA (European Space Agency) und der DLR (Deutsches Luft- und Raumfahrtzentrum) gebettelt bis Gerst tatsächlich bereit war, für uns acht Minuten im All zu drehen. Das war für uns natürlich großartig.

Dass die Meineckes mitspielten, war ein schöner Zufall. Die beiden leben in Halle, wo wir an den heißesten Tagen des letzten Sommers bei gefühlt 42 Grad den großen Fluggeräte-Wettbewerb gedreht haben. Sie hatten trotzdem ihren Spaß.

In Rocca verändert die Welt" träumt die Heldin wie Alfons davon, Astronautin zu werden.

MS: Alfons wollte schon in den alten Kinderbüchern Kosmonaut werden und war Fan von Juri Gagarin und Sigmund Jähn, der als erster Deutscher im All war. Aber natürlich ist das Interesse an der Raumfahrt seit Gersts Einsatz größer geworden, mit dem Medienecho und der engagierten Kinder- und Jugendarbeit der Raumfahrtagenturen. Davon haben sich die Macher von "Rocca" sicher inspirieren lassen.

Ihr Film greift auch ein anderes, ernsteres Thema auf, das gerade sehr präsent ist, der Leistungsdruck in der Schule.

MS: Ja, dem sind die Kinder genauso ausgesetzt wie damals. Alfons wird in den alten Büchern ja permanent wegen seines Namens gehänselt, heute ist Mobbing ein massives Problem und großes Thema für Kinder. Das sind Themen, die ich durch Bekannte mit Kindern in dem Alter, Zeitungslektüre und als Vater zweier älterer Söhne ja mitbekomme bzw. mitbekommen und auch recherchiert habe.

"Alfons Zitterbacke" ist Ihr erster Kinofilm seit "Cowgirl" von 2003. War er von Anfang an als Kinofilm konzipiert?

MS: Es war ziemlich schnell klar, dass "Alfons Zitterbacke" ein Kinofilm werden würde. Eine Fernsehfinanzierung hätte für den Film, wie ich ihn mir vorstellte, nicht ausgereicht. Kinderfilme sind ohnehin schwierig auf die Beine zu stellen und wir wollten schon etwas Aufwändigeres. Wir hätten nur einen ganz kleinen Film machen können, der hauptsächlich in der Schule spielt und uns keine fünf Drehtage im Schwimmbad für die Sprungturmszenen leisten können. Wir hatten letztlich 37 Drehtage. Kein Sender gibt so viel Geld. So hofften wir auf die Förderungen. Für Regisseure ist es einfach schwierig, ohne einen großen Partner, der ihnen Bücher anbietet, Kinofilme auf die Beine zu stellen. So hat es sich schön ergeben, dass sich neben Nicole Kellerhals auch die geschäftsführenden Produzenten von X Filme, Uwe Schott und Stefan Arndt auf das Risiko einließen, weil sie den Stoff und das Drehbuch mochten. Andere Produzenten hatten Bedenken, weil "Alfons" fast nur im Osten populär ist.

Sie sind auch als Koproduzent beteiligt?

MS: Ja, aber nur insofern als ich vier Jahre lang selbstausbeuterisch an dem Stoff arbeitete, mit Leuten verhandelte und mir so den Credit als kleiner Koproduzent verdient habe. Ich habe auch die Zwischenfinanzierung für die Buchrechte vorgestreckt. Wenn der Film in die Gewinnmarge rücken würde, würde ich einen minimalen Prozentsatz, quasi ein bisschen Schmerzensgeld zurückbekommen.

Was ist Ihr nächstes Kinoprojekt?

MS: Die sehr emotionale und uneitle Zusammenarbeit mit den Kindern hat mir und uns allen so viel Spaß gemacht, dass wir liebend gerne "Alfons Zitterbacke 2" machen würden - wenn es vielleicht nicht ganz so heiß und anstrengend wird. Letzteres war es vor allem für unseren jungen Hauptdarsteller Tilman Döbler, der 98 Prozent Screentime hat und jeden Drehtag vor der Kamera stand. Das muss bei der Fortsetzung anders werden. Es gibt jedenfalls noch viele schöne Ideen aus den Vorlagen für das Drehbuch. Wir könnten "Alfons Zitterback 2" im Sommer 2020 drehen.

Außerdem schreibe ich an einem Science-Fiction-Projekt, das aber sehr aufwändig ist, und bei dem man genau überlegen muss, wie man es am besten anpacken, welche Plattformen und Partner man ansprechen könnte.

Das Gespräch führte Heike Angermaier