TV

KOMMENTAR: Der Nächste, bitte!

Vorhang auf für Apple TV+! Die nächste globale Streamingplattform kündigt ihren Start an. Und wieder sind Hollywood's Finest - vorneweg Steven Spielberg - mit von der Partie. Hat das noch etwas mit den Kinos zu tun?

28.03.2019 07:40 • von Jochen Müller

Vorhang auf für Apple TV+! Die nächste globale Streamingplattform kündigt ihren Start an. Und wieder sind Hollywood's Finest - vorneweg Steven Spielberg - mit von der Partie. Hat das noch etwas mit den Kinos zu tun? Außer Clips mit Musik und schönen Bildern hatte Apple-Chef Tim Cook noch nicht viel zu bieten. Immerhin kann er die Crème de la crème des Movie Entertainments an seiner Seite präsentieren. Topkreative von J J Abrams bis Reese Witherspoon werkeln an Serien und Filmen mit einem der größten Global Player im Medienbereich. Nur Amazon kann ihn noch in den Schatten stellen. Und auch wenn nur der ungefähre Start im Herbst bekannt ist, aber noch kein Hinweis zu den Kosten und ob in allen Apple-TV-Ländern ausgerollt wird, so darf man fest davon ausgehen, dass Cook seine Plattform nicht ganz so nebenbei betreiben wird, wie Amazon sein Abrufangebot Prime. Der digitale Rinderwahnsinn, gepaart mit der tief sitzenden Angst, zu spät zu kommen, grassiert weiter. In England tun sich BBC und ITV zusammen, in Frankreich steigt Canal+ noch einmal in den Ring, in Deutschland wappnet sich RTL mit TVNow, ProSiebenSat1 bietet Kooperationsmöglichkleiten an, und die Öffentlich-rechtlichen wollen im Rahmen ihrer "bescheidenen" Möglichkeiten mit dem Segen der Politik beim Programmabruf aus ihren Mediatheken zusammen arbeiten. Die Verbraucher in anderen Ländern sind einiges gewohnt. In den USA fallen längst monatliche Belastungen von deutlich über 60 Dollar an, um Pay- und Abrufprogramme zu erleben. Hierzulande droht eine Volksrevolution, wenn die Gebühren der öffentlich-rechtlichen Sender auf über 18 Euro steigen sollten. Auch Sky Deutschland hat beim Einpreisen seiner Angebote längst festgestellt, dass Parolen wie "The Sky is the Limit" hier rasch ihre Grenzen finden. Darüber hinaus ist die verzweifelte »Rettet das Internet«-Generation fest auf digitale Umsonstprogramme eingeschworen, legal oder illegal. Unberührt davon werden noch mehr Player wie Disney oder Viacom Programme schon bald direkt an die Abonnenten vermarkten. Für die Kreativen kündigt sich ein sagenhafter Produktionsboom an. Schon jetzt ist der Serien-Output in den USA unüberschaubar. Weil Content nun doch noch zum König gekrönt wird, finden viele gute und nicht so gute Ideen ihre Umsetzung. Die Kinos müssen sich nicht mehr grämen, dass sie nicht jedes Netflix-Movie spielen dürfen. In Zukunft gibt es so viele Originals von so vielen TV- und Plattform-Veranstaltern, dass sie sich getrost wieder auf die Filme konzentrieren können, die für eine Kinoauswertung vorgesehen waren. Das überlebensgroße Talent wird nicht mehr nur für die große Leinwand arbeiten und immer öfter auch nicht zur Verfügung stehen. Genug Kinofilme wird es trotzdem geben und genügend Chancen für die Kinos, sich bei ihren Kunden zu profilieren.

Ulrich Höcherl, Chefredakteur