Kino

UPDATE: Fünf Mio. Euro für "Soforthilfeprogramm Kino"

Die Eckdaten für das "Soforthilfeprogramm Kino", das bereits 2019 in der Übergangsphase bis zum Start des "Zukunftsprogramms" greifen soll, stehen fest - und es fällt engagierter aus, als zunächst von der BKM anvisiert. Tatsächlich kommen die Zuschüsse von bis zu 25.000 Euro für berechtigte Kinos nun auch aus einem anderen Ressort.

27.03.2019 13:58 • von Marc Mensch
Die stellvertretende Vorsitzende der Bundestagsfraktion von CDU und CSU, Gitta Connemann, ist maßgeblich an der Aufstellung des Programms beteiligt (Bild: Gitta Connemann)

Die Enttäuschung war zunächst groß, als im November 2018 aus dem Büro von Kulturstaatsministerin Monika Grütters verlautete, dass für den vorgezogenen Start des "Zukunftsprogramms Kino" ein Etat von gerade einmal zwei Mio. Euro vorgesehen sei. Dies insbesondere vor dem Hintergrund, dass er nach einer Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses verkündet wurde, in dem der Gesamthaushalt für Kultur und Medien gegenüber dem Entwurf aus dem Sommer um ganze 140 Mio. Euro angehoben worden war. Doch schon damals ließ sich vernehmen, dass sich Parlamentarierinnen und Parlamentarier von Union wie auch SPD um eine etwas größer angelegte Lösung bemühen würden.

Hierfür haben die Kultur- und Haushaltspolitiker der Bundestagsfraktionen von Union und SPD nun in der Tat gemeinsam mit der Kulturstaatsministerin die Weichen gestellt. Für ein "Soforthilfeprogramm für Kinos im ländlichen Raum" sollen nun kurzfristig bis zu fünf Mio. Euro zur Verfügung gestellt werden - allerdings nicht aus dem BKM-Etat, sondern aus jenem des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft, das die Kinos im Rahmen des Programms "Kultur in den Regionen" unterstützt. Die zuvor im BKM-Haushalt vorgesehenen zwei Mio. Euro sollen auf 2020 übertragen werden.

Ziel der Maßnahme, die sich an Häuser in Orten mit bis zu 25.000 Einwohnern richtet, ist die "Unterstützung und Existenzsicherung" von Kinos im ländlichen Raum in der Übergangsphase bis zum tatsächlichen Start des Zukunftsprogramms im kommenden Jahr. Jedes Kino soll bis zu 25.000 Euro Förderung in Form eines Zuschusses erhalten können. Wichtig: Es gilt das sogenannte "Windhundprinzip", Anträge werden also in der Reihenfolge des Eingangs bearbeitet. Bei jeweils maximaler Ausschöpfung der Förderung könnten 200 Kinos unterstützt werden, insgesamt wurden 553 Häuser gezählt, die in den betroffenen Regionen liegen. Um Förderung aus dem Soforthilfeprogramm erhalten zu können, ist ein Eigenanteil von mindestens 20 Prozent beizubringen, Förderung anderer Institutionen ist indes nicht Voraussetzung.

Das Soforthilfeprogramm sieht laut einer gemeinsamen Mitteilung von Vertretern von Union und SPD "investive und programmbegleitende Förderzwecke vor". Dazu zählt man "Kassentechnik, digitale Kundenbindung, "Bild und Ton" (insbes. Theatermanagementsysteme, Projektor, Server, Leinwand, Lautsprecher, Prozessor), Bestuhlung, Barrierefreiheit und Grünes Kino sowie Programmarbeit, Marketing und Werbung". Anträge für das Programm, das noch vor der parlamentarischen Sommerpause starten soll, werden über die FFA zu stellen sein, die auch Detailfragen zur Antragstellung beantwortet.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters erklärte anlässlich der Ankündigung: "Es ist uns gelungen, bereits im laufenden Haushalt fünf Millionen Euro Soforthilfe für Kinos im ländlichen Raum zur Verfügung zu stellen, um diese wichtigen Kulturträger in ihrer Arbeit zu unterstützen. Damit werden wir dazu beitragen, dass das Kino als kultureller und sozialer Ort weiterhin attraktiv bleibt, und zwar in ganz Deutschland, nicht nur in den Metropolen." Gleichzeitig nahm sie die Ländern in die Pflicht - und das nicht umsonst, soll es sich beim kommenden "Zukunftsprogramm" doch um eine kofinanzierte Maßnahme handeln. Demnach sei klar, dass sie "eine eigene Verantwortung für die Kinos haben und ihren Teil für den Erhalt und die Modernisierung der Kinolandschaft in ihren Städten und Regionen erbringen müssen".

Die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann, erklärt: "Das Kino ist ein Sehnsuchtsort. In ländlichen Räumen ist das Kino zudem häufig der einzig öffentliche Begegnungsort. Denn es fehlen Einrichtungen wie Museen oder feste Theater. Dieser Ort kann am Ende nicht durch Streaming-Dienste auf der heimischen Couch ersetzt werden. Aber die Betriebe brauchen Schützenhilfe, um diesen Beweis antreten zu können. Dafür muss investiert werden. Kinos sind auch in der Fläche unverzichtbar für die Lebensqualität. Es lebe das Kino - auch auf dem Land!"

Von der Unterstützung eines "wertvollen Eckpfeilers unserer Kulturlandschaft" spricht Martin Rabanus, kultur- und medienpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion: "Sinkende Publikumszahlen und der digitale Umbruch stellen dort die kleinen und unabhängigen Kinobetriebe vor große Herausforderungen. Das Soforthilfeprogramm ist nur der erster Schritt, um die Kinos außerhalb von Metropolen fit für die Zukunft zu machen."

Elisabeth Motschmann, die kultur- und medienpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion wiederum betont, dass ein Versprechen gehalten wurde: "Mit dem Soforthilfeprogramm wollen wir Kinos als Kulturorte erhalten. Orte, wo die Gesellschaft miteinander ins Gespräch kommt und bleibt. Es ist wichtig, dem Kinosterben auf dem Lande vorzubeugen. Die Menschen brauchen kulturelle Begegnungsstätten wie das Kino."