Kino

"So einfach ruiniert man das Kinoerlebnis"

Mit ungewöhnlich scharfen Worten kritisiert Hans-Joachim Flebbe in einem Leserbrief jüngste Preisaktionen von Cinemaxx und CineStar. Er warnt darin vor "verheerenden Folgen" für die Kinobranche.

11.03.2019 13:51 • von Marc Mensch

Während unlängst ein leidenschaftliches Plädoyer für kundenfreundlichere Kinopreise in der Branche die Runde machte, stoßen jüngste Aktionen von Cinemaxx und CineStar nicht nur auf Zustimmung - und niemand bringt seinen Unmut deutlicher zum Ausdruck als der ursprüngliche Cinemaxx-Gründer Hans-Joachim Flebbe. Schon die Preisaktionen von CineStar und Cinemaxx aus dem vergangenen Jahr hatte er kritisch kommentiert, nun legt er nach - und das mit ungewöhnlich scharfen Worten.

Hintergrund ist zum einen die nächste Runde der Cinemaxx-Preisinitiative (wir berichteten), in deren Rahmen nicht zuletzt jenes Haus 2D-Standardpreise von 5,99 Euro aufruft, das im direkten Wettbewerb mit seinem Astor Grand Cinema steht: das Cinemaxx Hannover. Zum anderen fährt CineStar bereits seit Januar und noch bis Ende Juni eine Preisaktion, bei der Inhaber der CineStar-Card für insgesamt zehn Euro Eintritt zu einem 2D-Film (bei 3D werden drei Euro Aufpreis fällig) erhalten - und dazu sowohl ein kleines Popcorn oder Nachos wie auch noch wahlweise einen Softdrink oder ein Bier (0,5l).

Hier der Leserbrief von Hans-Joachim Flebbe im Wortlaut:

"Wenn man nicht mehr weiter weiß, reduziert man halt den Eintrittspreis. So einfach ist das! So einfach ruiniert man das 'Kinoerlebnis' in Deutschland. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich mit Äußerungen über Branchenentwicklungen und Kollegen sehr zurückhalte und lieber die Zeit für Verbesserungen meiner Kinobetriebe nutze. Aber was jetzt, vor allem von Seiten meiner Ex-Firma CinemaxX und Cinestar passiert, ist so blödsinnig und kontraproduktiv, dass ich mich einfach dazu äußern muss.

Statt in die dringend erforderliche Qualitätsverbesserung der heruntergekommenen Abspielstätten zu investieren (wobei ich den Stuhlaustausch nicht als zukunftsorientierte sondern als notwendige Maßnahme bezeichne) wird das sogenannte 'Premium-Filmerlebnis' verramscht. Billige Preise für heruntergewirtschaftete Abspielstätten mögen ihre Berechtigung haben, aber wenn Marktführer diese Strategie ergreifen, leidet das Ansehen einer ganzen Branche darunter. Was auch immer an Strategie der Gesellschafter dieser Kinobetriebe, ob sie in England, Australien oder Kanada sitzen, dahinter steht, für die deutsche Kinolandschaft kann das verheerende Folgen haben.

Mit dieser Maßnahme mag man kurzfristig Erfolge vor allem bei jugendlichen Besuchern erzielen, aber dem Image der Kinobranche wird nachhaltig großer Schaden zugefügt. Wir alle wissen, was unsere Besucher heute motiviert, trotz der umfassenden Netflix-, Amazon- und sonstigen Streaming - Angeboten wieder vom Sofa aufzustehen und sich auf den Weg ins Filmtheater zu machen - ein 'Filmerlebnis' bei dem das Kino seine Vorzüge zum Fernseher herausstellt: Große Leinwände, bequeme Sessel, perfekte Sound- und Bildtechnik, ein Gemeinschaftserlebnis in sauberen Sälen, keine Warteschlangen usw...

Gerade jetzt, wo viele Kollegen sehr gute Erfahrungen und wachsende Besucherzahlen mit aufwändig renovierten Kinosälen machen, kommen die Billigheimer und ruinieren das zarte Pflänzchen der wiederkehrenden Kinofreude. Da ich regelmäßig in unseren Kinos mit den Kunden spreche, habe ich oft die Aussagen 'Wir waren ewig nicht mehr im Kino, aber hier macht es Spaß; wir wussten ja nicht mehr, wie schön es im Kino sein kann, wir kommen wieder; Danke' gehört. Die Gefahr für unsere Branche besteht doch darin, dass man kaum einen engagierten Kinobetreiber, geschweige denn seine Bank, motivieren kann, Millionen in die Kinobauten zu investieren, wenn an der nächste Ecke ein Billigkino den gleichen Film zu Dumpingpreisen spielt, um kurzfristig über die Runden zu kommen oder dubiose strategische Ziele verfolgt.

Dass Verleiher und Verbände diese Politik der verbrannten Erde zulassen bzw. dem nichts gegensetzen, verwundert mich. Wir werden uns jedenfalls nicht vom Weg abbringen lassen und weiter investieren, auch wenn es nun kurzfristig schwerer werden könnte. Man muss halt Geduld haben, bis die ersten Kinoruinen kostengünstig angeboten werden."