Kino

Kino-Hilferuf aus Köln

Geht es nach einem Immobilieninvestor, sollen die Tage des größten Programmkinos Kölns gezählt sein. Doch die Betreiber des Cinenova wehren sich - und die Kommentare, die eine von ihnen gestartete Petition begleiten, sprechen eine mehr als eindeutige Sprache.

20.02.2019 12:18 • von Marc Mensch
Soll eine drastische Anhebung von Parkgebühren das Geschäft des Cinenova ruinieren? Der Verdacht liegt nahe... (Bild: Cinenova)

Wie heißt es so schön? "Kauf bricht nicht Miete!" Und mit einem bis 2043 laufenden Mietvertrag sollte man der Zukunft eigentlich recht entspannt entgegenblicken können - zumindest, was das Verbleiben am angestammten Standort betrifft. Wohlgemerkt: sollte. Denn die Betreiber des Cinenova erfahren derzeit am eigenen Leib, wozu ein Investor in der Lage sein kann.

Doch von vorne: 1996 eröffneten Dieter und Martina Borck das Cinenova im Kölner Stadtteil Ehrenfeld im Gebäude eines ehemaligen UPS-Versandzentrums und legten von Anfang an großen Wert auf die Verbindung von Kino und Gastronomie - Biergarten und Open-Air-Veranstaltungen inklusive. Als Programmkino punktet das Haus mit seinen drei Sälen und insgesamt knapp 700 Plätzen nach Angaben der Betreiber mit einem europäischen Filmanteil von rund 70 Prozent, was sich auch in jährlich wiederkehrenden Auszeichnungen bemerkbar macht. So weit, so gut.

Doch 2015 wurde das Grundstück vom Frankfurter Investor Objekt VL GmbH & Co. KG übernommen - und diesem schwebt offensichtlich eine profitablere Nutzung des Objekts vor. Dessen umgehende Versuche, das Mietverhältnis auf gerichtlichem Wege beenden zu lassen, scheiterten indes; eine Räumungsklage wurde laut der Familie Borck bereits in zweiter Instanz vor dem OLG Köln abgewiesen. Doch seit einigen Wochen sehen sich die Kinobetreiber einer ganz anderen Bedrohung ausgesetzt. Denn zu dem vom Investor erworbenen Grundstück gehört auch das von den Kinogästen genutzte Parkhaus - und dort ist es seit Ende Januar plötzlich sündhaft teuer, sein Auto in den Abendstunden abzustellen. 1,50 Euro lautete bislang der Stundensatz, der nun für die Zeit zwischen 18 und 24 Uhr auf 4,50 Euro verdreifacht (!) wurde. In Ehrenfeld das nun (laut Lokalpresse) teuerste Parkhaus Kölns zu betreiben, ist ein doch recht offensichtlicher Schachzug - und einer, gegen den sich die Kinobetreiber mit einer an Bürgermeister Josef Wirges gerichteten Petition wehren.

Noch eindrucksvoller als die knapp 10.000 Unterschriften, die dort innerhalb weniger Tage gesammelt wurden, sind die weit über 2500 Kommentare, die das Ansinnen mittlerweile begleiten. Um wahllos einen herauszugreifen, der durchaus repräsentativ für unzählige ähnliche Wortmeldungen steht: "Das Cinenova ist eine wunderbare kulturelle Institution und erhält Werte unserer Gesellschaft". Hoffentlich noch bis mindestens 2043...

Zur Petition geht es hier.